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Dienstag, 10. Oktober 2017


Mittwoch, 14. Februar 2018 um 12:38:33 von Kulturpool Redaktion

Jubiläumsjahr 2018 - Teil 2


Besondere Jahre zeichnen sich dadurch aus, dass sich in ihnen eine Fülle an Ereignissen manifestieren, die herangezogen werden, um ein Zeitalter als Epoche zu definieren. Eine starke historische Zäsur erfüllt das Jahr 1918. Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges vollzog sich ein politischer Umbruch, der eine jahrhundertealte Dynastie in den Ruhestand versetzte und eine Neugründung der politischen und gesellschaftlichen Grundlagen mit sich brachte. Die Ausrufung der Republik versprach den Einstieg in ein neues selbstbestimmteres Zeitalter. Neben den politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen, kann aber auch eine künstlerische Zäsur gesetzt werden, da in diesem Jahr das Werk und Leben der wichtigsten Protagonisten der Wiener Moderne endete.



“Gustav Klimt mit Katze“

“Gustav Klimt Portrait“


2018
Jubiläumsausstellungen


Ausstellungen



“Klimt Feldmuehlgasse“
FOTO: Atelier in der Feldmühlgasse

“Klimt AtelierGarten Feldmühlgasse“
FOTO: Klimt Garten Atelier Feldmühlgasse

“Moderne Galerie“
FOTO: Moderne Galerie Unteres Belvedere

Gustav Klimt
22.6.-4.11.2018 im Leopold Museum
Die Ausstellung zeigt neben den Beständen des Leopold Museums und der Privatsammlung der Familie Leopold auch Exponate der Klimt-Foundation, Werke einer neuen, dem Museum überantworteten Dauerleihgabe eines Klimt-Nachfahren sowie internationale Leihgaben. Die Schau zeigt Klimts künstlerische Wandlung vom späten Historismus hin zum bedeutendsten Vertreter des Wiener Jugendstils. Eine Besonderheit ist das in einem eigenen Saal ausgestellte Gemälde "Die Braut": Klimt konzipierte sein letztes Meisterwerk auf Basis etlicher Zeichnungen und Studien und wechselt dabei stilistisch zwischen Jugendstil und Expressionismus. Das unvollendete Bild wird erstmals im Kontext relevanter Werkzeichnungen und dem heute einzig erhaltenen Skizzenbuch des Künstlers aus dem Jahr 1917 gezeigt. Das authentische Dokument aus der Sammlung der Klimt-Foundation enthält nicht nur Bleistiftskizzen heute verschollener Klimt-Gemälde, sondern verdeutlicht auch den Entstehungsprozess dieses Werkes.

Klimt ist nicht das Ende. Aufbruch in Mitteleuropa
22.3.-26.8.2018 im Unteren Belvedere
Das Ende des Ersten Weltkrieges und der Tod von Klimt, Schiele, Wagner und Moser werden oft als Ende einer Epoche, einer künstlerischen Blütezeit, interpretiert. Die Ausstellung zeigt, welche Änderungen dieser gravierende historische Einschnitt tatsächlich nach sich zog, welche Einschränkungen er mit sich brachte, welche neuen Perspektiven sich eröffneten und welche Kontinuitäten bestehen blieben. Damit können das Bleibende und der Wandel in der Kunst der Donaumonarchie und in den neu entstandenen Nationalstaaten beobachtet werden. Gezeigt werden rund 80 Werke, u. a. von Klimt, Schiele, Kokoschka, Moser und Egger-Lienz. (Ausstellungstext)

Egon Schiele – Wege einer Sammlung
19.10.2018-17.2.2019 in der Orangerie (Unteres Belvedere)
Die Ausstellung setzt sich mit jedem einzelnen Werk der Schiele-Sammlung des Belvederes auseinander und behandelt Aspekte wie Erwerbung, Motiv und porträtierte Person. Außerdem werden die Gemälde mit einzelnen Vorstudien oder verwandten Werken konfrontiert. Die Schau ermöglicht auch einen erweiterten Blick auf Schieles Bilder und seine Arbeitsweise, indem die Ergebnisse der seit Herbst 2016 durchgeführten und noch laufenden restauratorischen Untersuchungen am Belvedere visualisiert und besprochen werden.

Post Otto Wagner – Von der Postsparkasse zur Postmoderne
30.5.-30.9.2018 im MAK – Österreichisches Museum für angewandte Kunst/ Gegenwartskunst
Die Ausstellung untersucht die Wirkung Otto Wagners als "Vater der Moderne". Dabei werden der Kontext und die Wechselwirkungen zwischen Wagner und anderen Protagonisten der frühen Moderne ebenso in den Blick genommen wie Wagners Einfluss auf Zeitgenossen, Schüler und nachfolgende Generationen von Architekten und Designern. Ausgehend von den wichtigsten Werken Otto Wagners werden Themenbereiche dargestellt, in denen sich Wagners nachhaltige Wirkung auf die Architektur der Moderne und Postmoderne anschaulich nachvollziehen lassen.

Koloman Moser. Universalkünstler zwischen Gustav Klimt und Josef Hoffmann
19.12.2018-22.4.2019 im MAK
Das MAK besitzt das Archiv der 1903 von Koloman Moser (1868–1918), Josef Hoffmann und Fritz Warendorfer gegründeten Wiener Werkstätte. Ziel dieser international bekannten Werkstättengemeinschaft war es, alle Bereiche des Menschen mit Kunst zu erfüllen. Moser, der bis 1907 als Maler, Grafiker und Kunsthandwerker für die Wiener Werkstätte tätig war, unterrichtete von 1899 bis 1918 auch an der Wiener Kunstgewerbeschule. Die Ausstellung präsentiert sein umfassendes Werk.

Ludwig Wittgenstein: die Tractatus Odyssee (100 Jahre Tractatus Logico-Philosophicus)
Bulgarisches Kulturinstitut "Haus Wittgenstein"
15.10.-30.11.2018
Im August 1918 diktierte Ludwig Wittgenstein die endgültige Fassung seiner Logisch-Philosophischen Abhandlung: ein Werk, das unter dem Titel „Tractatus logico-philosophicus“ Weltruhm erlangte und unzählige Werke der Literatur, Musik, Malerei, Architektur und des Films beeinflusste. Im Wittgenstein- Haus, seit 1975 im Besitz der Republik Bulgarien und Heimat des Bulgarischen Kulturinstituts, werden das Leben des Philosophen mit Originaldokumenten und die Entstehung des Tractatus und dessen Wirkung auf die Kulturgeschichte des 20. und 21. Jahrhunderts nachgezeichnet.



“Ludwig Wittgenstein Portrait“
FOTO: Ludwig Wittgenstein

Ludwig Josef Johann Wittgenstein, geboren im April 1889 in Wien, gestorben 1951 in Cambridge war einer der bedeutendsten Philosophen des 20. Jahrhunderts.
Er lieferte bedeutende Beiträge zur Philosophie der Logik, der Sprache und des Bewusstseins. Seine beiden Hauptwerke Logisch-philosophische Abhandlung (Tractatus logico-philosophicus 1921) und Philosophische Untersuchungen (1953, postum) wurden zu wichtigen Bezugspunkten zweier philosophischer Schulen, des Logischen Positivismus und der Analytischen Sprachphilosophie. Sein rund 20.000 Seiten umfassender philosophischer Nachlass wurde Ende Oktober 2017 in die Liste des Weltdokumentenerbes eingetragen.

Anwendungen. Koloman Moser und die Bühne
18.10.2018-22.4.2019 im Theatermuseum
Im Jubiläumsjahr widmet sich das Theatermuseum dem bisher wenig beachteten Bühnenschaffen des vielseitigen "Tausendkünstlers" Kolo Moser. In Ergänzung der Gesamtschau im MAK - Österreichisches Museum für angewandte Kunst/Gegenwartskunst werden Theaterarbeiten von der intimen Kabarettbühne bis zur großen Opernausstattung gezeigt. Dabei bietet sich die Gelegenheit, die vom Theatermuseum vor kurzem erworbenen Bühnenbild- und Kostümentwürfe zu Julius Bittners Oper "Der Bergsee" zu sehen. Das Stück in der Ausstattung von Kolo Moser wurde am 9. November 1911 am k.k. Hof-Operntheater in Wien uraufgeführt. Im Rahmen der Ausstellung wird auch Klimts Gemälde "Nuda Veritas" zu sehen sein, das aus dem Nachlass des Literaten Hermann Bahr stammt.

“Kolo Moser Portrait“
FOTO: Kolo Moser

“Gustav Klimt d'Ora Portrait“
FOTO: Gustav Klimt

Klimt lost
5.5.-31.12.2018 in der „Klimt Villa“ – Gustav Klimt Atelier
Klimt ist allgegenwärtig, seine Kunstwerke sind weltberühmt. Nur wenig thematisiert werden Raubkunst, verschwundene Kunstwerke und die Geschichten über Sammler, Täter und Opfer. Die Ausstellung in der Klimt Villa stellt die Frage nach dem Umgang mit dem Verlust, der weit über einzelne Kunstwerke hinausgeht. Und sie stellt die Protagonisten von damals sowie die verlorenen Klimts aus einem neuen Blickwinkel vor.

Dienstag, 23. Januar 2018 um 17:56:33 von Kulturpool Redaktion

Jubiläumsjahr 2018 - Teil 1


Besondere Jahre zeichnen sich dadurch aus, dass sich in ihnen eine Fülle an Ereignissen manifestieren, die herangezogen werden, um ein Zeitalter als Epoche zu definieren. Eine starke historische Zäsur erfüllt das Jahr 1918. Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges vollzog sich ein politischer Umbruch, der eine jahrhundertealte Dynastie in den Ruhestand versetzte und eine Neugründung der politischen und gesellschaftlichen Grundlagen mit sich brachte. Die Ausrufung der Republik versprach den Einstieg in ein neues selbstbestimmteres Zeitalter. Neben den politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen, kann aber auch eine künstlerische Zäsur gesetzt werden, da in diesem Jahr das Werk und Leben der wichtigsten Protagonisten der Wiener Moderne endete.



“Otto Wagner Portrait“

“Gustav Klimt Portrait“

Gleich vier herausragende Kräfte verstarben im Laufe des Jahres 1918. Unter Ihnen Otto Wagner, als einer der bedeutendsten Architekten Österreichs, Koloman Moser, als Mitbegründer der Wiener Secession, Herausgeber der Kunstzeitschrift Ver Sacrum, sowie ebenfalls Mitbegründer der Wiener Werkstätte. Er galt als einer der bedeutendsten Künstler des Wien um die Jahrhundertwende.

Gustav Klimt, bekanntester Maler des Wiener Jugendstils und einer der weltweit beliebtesten und bekanntesten Maler überhaupt verstarb schon im Februar des Jahres 1918 durch einen Schlaganfall. Im Oktober verstarb Egon Schiele, Ikone des österreichischen Expressionismus, an der Spanischen Grippe.

Alle vier Künstlerpersönlichkeiten stehen im Zentrum der Bemühungen dem Jubiläumsjahr durch vielzählige Ausstellungen Rechnung zu tragen, die im Laufe des Jahres in den unterschiedlichsten Museen mit jeweils ihrem eigenen Fokus und perspektivischer Ausrichtung auf einerseits das Ende einer Epoche andererseits auf den Anfang eines neu sich gestaltenden Zeitalters eröffnen werden.

Insofern kann es, im Hinblick auf die Zeit, die Werke und Persönlichkeiten, denen die folgenden Ausstellungen gewidmet sind, als passend und bestätigend angesehen werden, dass die Europäische Union das Jahr „2018“ als das Europäische Jahr des Kulturerbes ausgerufen hat, was sich in einer Vielzahl an Veranstaltungen manifestiert und erleben lässt. Besonders für Österreich ist es im Hinblick auf das Jubiläumsjahr als Rückblick auf das kulturelle Schaffen als auch die politischen Entwicklungen jedenfalls ein Meilenstein von geschichtlicher und kulturgeschichtlicher Relevanz.


Anlass
Die Wiener Moderne


Die Wiener Moderne



“Loos Haus Poster“
FOTO: Otto Wagner

“Klimt Secession Ausstellung“
FOTO: Klimt Ausstellung Secession

“Gallerie Miethke Poster“
FOTO: Poster Gallerie Miethke

Die Epoche vor dem Ersten Weltkrieg, von etwa 1890 bis 1910 wird als die Wiener Moderne bezeichnet und meint damit das Wiener Kulturleben in der Residenzstadt um die Jahrhundertwende. Wien um 1900 und ähnliche Begriffe haben sich auch etabliert, die die Donaumonarchie in ihrer Blütezeit beschreibt mit ihren Protagonisten aus Philosophie, Malerei, Architektur, Musik und Literatur, Mathematik, Medizin und den Wirtschafts- und Rechtswissenschaften. Aus der Vielzahl an Begegnungen und Bewegungen entstand in diesem Kreis und Austausch auch die Vereinigungen der Wiener Secession und der Wiener Werkstätte. Klimt galt hierbei als ein Vorreiter, Schiele und Kokoschka sind als weitere herausragende Maler, die wohl international prominentesten Vertreter der Wiener Moderne, des Jugendstils und des Expressionismus (Schiele, Kokoschka).

Otto Wagner und Adolf Loos prägten die neue Architektur. Wagners Schrift mit dem Titel Moderne Architektur von 1895, war der Ausruf in eine Ära des technischen Fortschrittes und das Ende der Wiener Bauphase des Historismus, der für die stilistische Prägung der Bauten der Wiener Ringstraße im neugriechischen, neurömischen und neubarocken Stil verantwortlich war.



“Otto Wagner Portrait“
FOTO: Otto Wagner

Otto Koloman Wagner, geboren 1841 und verstorben am 11. April 1918 in Wien war der bedeutendste österreichische Architekt, Architekturtheoretiker und Stadtplaner Wiens in der Belle Epoque bzw. um das Fin de siècle. Seine Jugendstilbauten, seine universitäre Tätigkeit und seine Schriften über Stadtplanung verhalfen ihm in den 1890er Jahren zu Weltgeltung.

Koloman Moser, (auch Kolo Moser genannt) geboren 1868 in Wien, verstorben am 18. Oktober 1918 ebenda, war ein österreichischer Maler, Grafiker und Kunsthandwerker. 1897 war Moser Mitbegründer der Wiener Secession, für deren Zeitschrift Ver Sacrum er ca. 140 Illustrationen beisteuerte und deren Ausstellungen maßgeblich von ihm gestaltet wurden. 1903 gründete Josef Hoffmann gemeinsam mit Kolo Moser und dem Industriellen Fritz Wärndorfer die Wiener Werkstätte. Kolo Moser war einer der bedeutendsten Künstler in Wien um die Jahrhundertwende. Er zählt zu den führenden Vertretern des Jugendstils.

“Kolo Moser Portrait“
FOTO: Kolo Moser

“Gustav Klimt d'Ora Portrait“
FOTO: Gustav Klimt

Gustav Klimt, geboren 1862 in Baumgarten bei Wien (liegt heute im 14. Bezirk Wiens), gestorben am 6. Februar 1918 in Wien Alsergrund, war ein bedeutender österreichischer Malerund einer der bekanntesten Vertreter des Wiener Jugendstils. Klimt ist zweifellos der bedeutendste Künstler des Jugendstils in Österreich, nimmt aber auch im internationalen Maßstab eine Spitzenstellung ein. Dennoch wurde sein Werk besonders in der deutschsprachigen Kunstkritik der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts teilweise völlig ignoriert oder als reine Dekorationsmalerei abgetan. Erst später wurde seine statische Flächenhaftigkeit und seine ornamentale Abstraktion als richtungsweisend für die Entwicklung der modernen Malerei erkannt (Kubismus, abstrakte Malerei). Darüber hinaus förderte er junge Künstler wie Egon Schiele oder Oskar Kokoschka und leistete damit einen weiteren wichtigen Beitrag zur Entwicklung der Moderne. Klimt war Präsident der Wiener Secession, Künstler der Wiener Werkstätten.

Egon Leo Schiele, geboren 1890 in Tulln an der Donau, Niederösterreich, gestorben am 31. Oktober in Wien an der Spanischen Grippe, war ein österreichischer Maler des Expressionismus. Neben Gustav Klimt und Oskar Kokoschka zählt er zu den bedeutendsten bildenden Künstlern der Wiener Moderne.

Schieles Werke erzielen auf internationalen Auktionen heute Höchstpreise. In Museen weltweit sind seine Bilder hochbegehrt, denn sie finden ungeachtet seiner künstlerischen Genialität durch Schieles Ruf als „Frühvollendeter“ Bewunderung. Die größten Sammlungen von Schiele-Werken befindet sich in Wiener Museen, wie dem Leopold Museum, dem Belvedere und der Albertina. Neben den zahlreichen Selbstbildnissen ist Schiele vor allem für seine Akte, die fast ausschließlich Frauen und Kinder zeigen, bekannt. Aber auch seine Landschafts- und Städtebilder erfreuen sich wachsender Beliebtheit.

“Egon Schiele Portrait“
FOTO: Egon Schiele

Donnerstag, 7. Dezember 2017 um 03:41:00 von Kulturpool Redaktion

Europeana Umfrage

Im Namen der Europäischen Kommission läuft derzeit eine öffentliche Befragung zu Europeana, der digitalen EU-Plattform für das Kulturerbe. 

Organisationen sowie Bürgerinnen und Bürger mit einem persönlichen oder beruflichen Interesse am digitalen Kulturerbe oder an Europeana im Besonderen sind gebeten, ihre Ansichten, Erfahrungen und Erwartungen in Bezug auf Europeana und die verschiedenen Aspekte der Plattform mitzuteilen.

Dieser Fragebogen verfügt über verschiedene Abschnitte, abhängig von Ihren Antworten dauert das Ausfüllen des Fragebogens 15 Minuten oder länger. Sie können Ihren Entwurf jederzeit speichern und die Beantwortung später weiterführen.

Seien Sie bitte möglichst konkret und objektiv, Ihre Antworten sind von großem Wert.

Umfrage
Auf folgender Webseite können sie an dieser Befragung bis zum 14. Jänner 2018 teilnehmen: https://ec.europa.eu/eusurvey/runner/europeana

Die Redaktion von Kulturpool bedankt sich für Ihre Teilnahme an dieser Befragung!

“Europeana Logo“

Montag, 13. November 2017 um 11:37:46 von Kulturpool Redaktion

Von der Steininschrift zum 3-D-Digitalisat

Anlass
Digitalisierung der sabäischen Inschriftenabdrucke aus der Sammlung Eduard Glaser der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

Dem Jemen droht eine der weltweit größten Hungerkatastrophen. In die Schlagzeilen schafft es das Land trotzdem kaum noch. Vom „vergessenen Krieg“ schrieb „Die Zeit“ schon vor fast zwei Jahren: „Durch den Syrien-Krieg, die Massaker des ‚Islamischen Staats‘ (IS) und Terroranschläge auf westliche Ziele ist der Jemen weitgehend aus der medialen Wahrnehmung verschwunden.“ Daran hat sich bis heute kaum was geändert.

Der Damm von Ma'rib, über den Eduard Glaser 1897 einen Beitrag in der "Österreichischen Monatsschrift für den Orient"  geschrieben hat, wurde in der Mitte des 1. vorchristlichen Jahrtausends errichtet. Er galt als das größte technische Bauwerk der Antike und als Wunder Arabiens. (https://archive.org/stream/oesterreichische23stuoft#page/155/mode/1up)

Der seit Jahren tobende, von schiitischen Huthi-Rebellen ausgelöste Bürgerkrieg, in dem mittlerweile alle gegen alle (um ihr Leben) kämpfen, hat das Land längst ins totale Chaos gestürzt. Zu beklagen sind nicht nur zig-tausende Tote, hunderttausende Verletzte, Vertriebene, Verhungernde, sondern - wie stets in solchen Kriegen - die Zerstörung unzähliger Kulturdenkmäler. Nicht nur zahlreiche islamische, sondern vor allem auch vorislamische, wie der alte Staudamm von Marib, der schon im Koran erwähnt wird: Ein Meisterwerk der antiken Ingenieurkunst.

Auch die (mythische) Königin von Saba wird nicht nur im Alten Testament, sondern auch im Koran erwähnt. Viele Artefakte der sabäische Kultur aber, die tief in der jemenitischen Seele verwurzelt ist, drohen nun unwiederbringlich zerstört zu werden. Wie das Museum im Hochland von Dhamar, mit seinen über 12.000 Sammlungsstücken aus der vorislamischen Epoche. Es ist, nach Bombenangriffen nur mehr ein Trümmerhaufen. Und mit ihm auch die Sammlung an vorislamischen Inschriften-Stelen, die zu den wichtigsten schriftlichen Quellen der sabäischen Hochkultur zählen.

Links: Museum von Dhamar, vor und nach dem Bombenangriff vom 21.Mai 2015, (C) Dhamar governorate, Yemen Image Credit Yemen Tourism. - Einblicke in das ehemalige Museum und seine Bestände erhält man u.a. hier: http://arabiantica.humnet.unipi.it/uploads/media/Dhamar_Regional_University_Museums.pdf

Rechts: Vermutlich zerstörte, dem sabäischen Reichsgott Almaqah gewidmete Inschrift aus der Sammlung des Museums von Dhamar

Unter den Minäern und Sabäern entwickelte sich das Gebiet des heutigen Jemen ab dem 2. Jahrtausend v. Chr. als Drehscheibe des Fernhandels zwischen Ostafrika, Indien und dem Mittelmeerraum und Hauptlieferant begehrter Erzeugnisse wie Edelsteine, Gewürze, Weihrauch und Myrrhe zum politischen und kulturellen Zentrum Arabiens. Was wir heute über diese frühe, auch für die europäische Geschichte bedeutende Hochkultur wissen, verdanken wir nicht zuletzt auch einem Österreicher, einem lange in der wissenschaftlichen Community verschmähten Außenseiter der Südarabienforschung: Eduard Glaser (1855-1908).

Links: Reliefplatte mit zwei Stierköpfen, Sammlung Glaser/Kunsthistorisches Museum Wien (1. bis 3. Jahrhundert n.Chr.): Die sabäische Inschrift auf dieser Reliefplatte enthält einen Schutzzauber. Wie in vielen anderen Kulturen wurden auch in der altsüdarabischen Stierköpfen eine abwehrende Wirkung zugesprochen.

Rechts: Der Orientalist und Archäologe Eduard Glaser (Foto ca. 1882) gilt als einer der Begründer der Sabäistik. Angeregt durch den an der Universität Wien lehrenden Semitisten David Heinrich Müller (1846-1912) konzentrierte sich Glaser bald auf die Südarabienforschung, die fortan sein von vielen Schwierigkeiten geprägtes Leben bestimmen sollte. Schon bei seiner ersten Reise nach Sanaa wurde er gefangen genommen und fast ein Jahr lang inhaftiert. Zwar gelang es ihm danach freundschaftliche Kontakte zur einheimischen Bevölkerung und türkischen Beamten zu knüpfen, welche jedoch seine naturwissenschaftlichen Kenntnisse auch für ihre politischen Zwecke ausnutzten. Zudem stellte die „Académie des Inscriptions et Belles-Lettres" in Paris, die Glasers Reisen zunächst finanzierte, ihre Unterstützung ein, die sie nur unter der Bedingung weiter gewähren wollte, dass Glaser das inschriftliche Material, welches er auf seinen Reisen sammelte, nach Paris bringt. Da sich im Zuge dessen auch sein akademischer Förderer David Heinrich Müller von ihm abwandte, war Glaser bei seinen Forschungen bald isoliert, das von ihm gesammelte Material fand folglich auch lange nicht die erhoffte Beachtung durch die europäische Gelehrtenwelt.

Glasers Reisen in den Jemen zählen zu den bedeutendsten Forschungsreisen, die je dorthin unternommen worden sind. Trotz größter finanzieller Schwierigkeiten, trotz aller Gefahren und Strapazen hat er zwischen 1882 und 1895 nicht weniger als vier solcher Unternehmungen durchgeführt. Die „nahöstliche Sektion“ der Antikensammlung des Kunsthistorischen Museums hat ihren Ursprung in den etwa 660 altsüdarabischen Objekten, die der Forschungsreisende 1895 von seiner vierten Reise in den Jemen zurückbrachte. Beträchtliche wissenschaftliche Bedeutung haben Objektgruppen wie die zum Teil sehr großen Inschriftensteine, darunter zwei Exemplare der Vertragsstele von Riyâm aus dem 3.Jahrhundert n.Chr.

Gedenkinschriften auf einer Stele des Tempels von Sirwah, eines der wichtigsten ökonomischen und politischen Zentren des Reichs von Saba zu Beginn des 1. Jahrtausends v. Chr. Diese Inschriften beziehen sich auf gebietsmäßige Neuordnungen und landwirtschaftliche Projekte. (Digitalisate von Eduard Glasers Papierdrucken aus der Sammlung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften)

Auch die darüber hinaus von Glaser gesammelten altsüdarabischen Inschriften und Manuskripte sind von fundamentaler Bedeutung für die Erforschung des antiken Jemen, an deren Auswertung bis heute gearbeitet wird. Dass sie Wissenschaftern auch in Zukunft zur Verfügung stehen, ist einerseits den von Glaser angefertigten reliefartigen Papierabdrucken zu verdanken, die er nach einer selbst entwickelten Technik von den Steininschriften gemacht hat, andererseits der von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) veranlassten 3-D-Digitalisierung der Abdrucke, die im Archiv der Akademie gelagert sind, aber aufgrund von Schimmelbefall und durch Wassereinbrüche beschädigt wurden und zu zerfallen drohen oder durch suboptimale Lagerung flachgedrückt wurden. Die in etwa 2850 Inschriften-Abdrücke, die nun fortlaufend digitalisiert werden und auch über die Kulturpool-Datenbank abrufbar sind, sind nicht nur in sabäischer, sondern auch in anderen alten Sprachen der Region verfasst: in himyarisch, qatabanisch und hadhramautisch. Sprachen, die in Südarabien zwischen dem 12. Jahrhundert v. Chr. bis ins 7. Jahrhundert n. Chr. gesprochen wurden, ehe sie in der Spätantike langsam durch das Arabische verdrängt wurden. Und sie umfassen ein breites Spektrum an Themen: von Widmungen an Gottheiten über Bau- und Bewässerungsprojekte bis hin zu militärischen Feldzügen und Schlachten.

Inschrift auf einem südarabischen Grabstein mit dem Namen des Verstorbenen (Rechts: Übertragene Schriftzeichen. Übersetzung: Haza’a habt al). Quelle: Smithsonian - National Museum of Natural History -  
https://www.si.edu/museum/national-museum-of-natural-history

Die Digitalisate enthalten auch vielfältige Informationen, die für die wissenschaftliche Arbeit notwendig sind, wie etwa Abkürzungen, Alter, Provenienz, Auskunft über die jeweilige Sprache, die Qualität und die Beschädigungen der Abdrücke, Querverweise zu anderen Artefakten etc. Die Digitalisate der Sammlung ergänzen damit auch die von der Akademie der Wissenschaften herausgegebene Glaser-Schriftenreihe (https://verlag.oeaw.ac.at/kategorie_81.ahtml) mit bedeutenden Texten zur Frühgeschichte Arabiens.

Die sabäischen und himyarischen Schriften wurden im südlichen Arabien in den antiken Königreichen von Saba, Himyar, Qataban und Hadhramaut sowie den angrenzenden Gebieten gebraucht, bis sie letztlich langsam durch die spätantike arabische Neschi verdrängt wurde. _(C) 2005 by Norbert Barth (http://www.obib.de/Schriften/AlteSchriften/Afrika/himyarisch.html)_

Wenn der „vergessene Krieg“ einst beendet sein wird, die Jemeniten sich wieder daran machen können, nicht nur ihr Überleben zu sichern, sondern auch die noch erhaltenen Artefakte der sabäischen Kultur in neuen Museen und mithilfe von Dokumenten und Rekonstruktionen wieder vor Ort sichtbar zu machen, werden auch die in der Österreichischen Akademie der Wissenschaften gesicherten Inschriften eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen.