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Video killed the Radio Star

Information
Von der Hausmusik zum Videoclip und zurück!

TheRadioStar

I heard you on the wireless back in fifty two
Lying awake intent at tuning in on you
If I was young it didn't stop you coming through
Oh a oh

They took the credit for your second symphony
Rewritten by machine on new technology
And now I understand the problems you can see
Oh a oh

Die Musik und ihre Formen des Hörens und Erlebens begleiten den Menschen durch alle Phasen seiner gesellschaftlich-sozialen Entwicklung sowie ebenfalls im Bereich der technischen Weiterentwicklung und den Formen der Hörbarmachung von Musik. Mit dem Wandel sozialer und gesellschaftlicher Verhaltensweisen und mit Änderungen des sogenannten Brauchtums aufgrund neu auftretender Konventionen oder Entwicklungen (wie zum Beispiel ein „Aussterben“ der jahrhundertealten Dorfbank als wichtige kommunale Begegnungszone zu erweiterter Anonymität auch im überschaubareren örtlichen Alltag führte) und die dadurch bewirkten veränderten Formen des musikalischen Erlebnisses, gerät einiges an eingeübten Traditionen in den Hintergrund. Neue Formen entstehen und somit auch neue Formen des Musikerlebens.

Alte Dame Fernseher

Eine solche markante Phase in der technischen Entwicklung war das Aufkommen des Musik - Videos. Anfangs stand der Videoclip, der sich zuvor als Bestandteil eines längeren Filmes schnell zu einem eigenständigen Format etablierte und in vielerlei Hinsicht verstärkt durch die Verbreitung des Internets zu einem der beliebtesten Formate der Musikkultur schlechthin entwickelte und unverzichtbar machte.

Der erste Videoclip den der am 1. August 1981 um 00.01 Uhr in der Nacht erstmals auf Sendung gehende Musikvideosender MTV ausstrahlte war bezeichnenderweise der Song „Video killed the Radio Star“.

Einer der bekanntesten New Wave und Pop Songs ist das One Hit Wonder (Bands oder Musiker, die mit einem Hit sehr bekannt wurden, aber mit keinen folgenden Songs einen ähnlichen Bekanntheitsgrad erreichen konnten – wie zum Beispiel auch der Songklassiker „My Sharona“ von The Knack) der Buggles.

RadioOnkel

„Video killed the Radio Star“, ein Song, der 1979 erstmals veröffentlicht wurde und in acht Ländern, so auch in Österreich über Wochen auf Nummer eins der Charts stand, beschreibt ein neu aufkeimendes Zeitalter der Unterhaltungs- und Jugendkultur und untermauert textlich die Befürchtungen, dass die Zeit der Ablöse des Goldenen Zeitalter des Radios gekommen ist. Inspiriert wurde der Songklassiker nach Aussagen der Bandautoren von der Kurzgeschichte „The Sound Sweep“ JG Ballard, einem britischen Schriftsteller, der in vielen seiner Werke vom Zerfall sozialer Strukturen und Bindungen schrieb. So auch in „The Sound Sweep“ über den Verlust der Musik durch die Technik. Die Geschichte erzählt von einem stummen Jungen, der in einer Welt ohne Musik lebt und tagtäglich Musik, die er irgendwo verstreut aufklaubt, verschwinden lassen muss. Beim Aufkehren entdeckt er eines Tages in einem Abwasserkanal einen mittellosen Opernsänger und befreundet sich mit ihm. Der Opernsänger wird aufgrund der gesellschaftlichen und technischen Veränderungen nicht mehr angefragt oder gebraucht und befindet sich sehr schnell am Rande der Gesellschaft als mittelloses Mitglied, das sehr schnell den Halt der Gemeinschaft verloren hat, wieder.

Diese Geschichte erzählt von nostalgischen Moment und den Errungenschaften der jeweils vorhergehenden Generation und hinterfragt was wir an Errungenschaften in ein folgendes Zeitalter weiterführen und unter veränderten und gewandelten Vorzeichen zu neuem Gebrauch und neuen Werten entwickeln und in der Zeit verankern.

Auch das Radio machte diesen Weg durch. “I heard you on the wireless“ heißt es anfangs im Text des Liedes. „The Wireless“ steht für „Das Drahtlose“ als gängige Metapher für das Radio, welches bereits vor ziemlich genau einem Jahrhundert zur beliebtesten Art familiärer Unterhaltung geworden ist und bis in die 60er Jahre und zum verstärkten Aufkommen des Fernsehers einen elementaren Teil der Unterhaltungskultur darstellte. In dieser Zeit wurden ausgewählte Sendungen von der ganzen Familie gehört, die sich um das Radio gesellten und an den Lippen des jeweiligen Moderators hangen und sich auf die darauffolgende Musik einließen. Alle künstlerischen übertragbaren Formen wurden vermittelt, von Klassik bis Komödien, Lesungen und Diskussionen, die ganze Bandbreite der Kommunikation wurde über ein kleines Gerät in alle Küchen und Wohnzimmer bis in die privatesten Örtlichkeiten einer Wohnung gesendet, empfangen und aufgenommen.

Der Wechsel von dem Klang und gesprochenen Wort zum Video

Horny_Radio

Ein eigenes Radio zu haben und bis in die Nacht den Klängen und Gesängen aus dem Radio zu hören, war über Jahrzehnte ein intensives gemeinschaftliches oder auch sehr persönliches Musikerlebnis. Viele erinnern sich aus den Generationen der 50er bis 70er über ihr erstes Radio, das sie als Kind einst geschenkt bekamen und verdanken ihrem sich entwickelnden Musikgeschmack auch dem musikalischen Programm und Stil des jeweilig gehörten Senders. Sender wie Radio Luxemburg waren besonders prägend, bedeutete für viele eine musikalische Heimat und erfreute sich über viele Jahre großer Beliebtheit.

Radiosendung Platten

Das Hörverhalten war jedenfalls mehrheitlich als Empfänger von gestalteten Sendungen mit jeweiliger Erwartungshaltung an Neuentdeckungen als auch der Frage, ob der momentane Lieblingssong auch wirklich noch gespielt werden würde, oder ob es nicht doch schon Zeit zum Einschlafen ist. Der nächste Schritt ermöglichte zumindest eine Erfassung von Liedern und ein bisschen mehr Unabhängigkeit im Hörverhalten. Aber alles noch weit weg von den Smartphones mit Zugriffmöglichkeiten auf internationale virtuelle Plattformen, die den größten Plattenladen der Welt darstellen und deren Lager- oder Geschäftsfläche nur schwer vorstellbar zu verbindlichen ist, wenn wir das Angebot mit einem Plattengeschäft der 80er Jahre vergleichen wollen.
Die wunderbare Kultur der Hausmusik – vor dem Radio und dem Phonographen gab es nur Live Play!

They took the credit for your second symphony
Rewritten by machine on new Technology

Was lässt sich an Klängen überschreiben? Die ersten Maschinen, die versuchten Klänge einzufangen nannte man Phonautographen.
Zwischen dem Radio und der Liveaufführung gab es einige Versuche im 19. Jahrhundert den Ton aufzuzeichnen. Das älteste diesbezügliche Dokument ist ein französisches Patent aus dem Jahr 1857 – der Phonautograph. Dieser konnte Musik zwar nicht wiedergeben, allerdings ließ sich der Schall grafisch aufzeichnen, ähnlich dem Prinzip der Kameras zuvor und der ersten Bildaufnahmen.
Edouard-Léon Scott de Martinville fing mit einem großen Trichter live eingespielte Klänge auf, deren Schwingungen dann eine Membran auf eine Schweineborste übertrug, die ihrerseits Muster in eine rußgeschwärzte Walze kratzte. So entstand gleich dem ersten Photo auch das erste Bild des Schalls. Nur fehlte noch ein wesentlicher Teil: das Hören.

Muliar Platte

Erst 20 Jahre später gelang es dem amerikanischen Erfinder Thomas Alva Edison die Entwicklung des Phonographen, die er 1878 auch umgehend patentieren ließ. Edison wurde damit weltberühmt, der Erfinder des Phonautographen allerdings geriet leider in Vergessenheit.

Erst vor 10 Jahren ist es einem Forscherteam gelungen, die graphischen Aufzeichnungen von damals über ein Computerprogramm zum Klingen zu bringen und es stellte sich heraus, dass die ersten Aufzeichnungen der Haltbarmachung des Klanges ein französisches Kinderlied „Au clair de la lune“ war.

„They took the credit for your second symphony
Rewritten by machine on new technology”

Der Begriff Symphonie kommt aus dem Griechischen - σύμφωνος sýmphōnos - und bedeutet „Zusammenklingen“ und beschreibt Instrumentalwerke der klassischen Musik. Am bekanntesten sind die orchestralen Werke wie die Symphonien Beethovens oder Mozart. Auch ohne größere Kammermusik oder Orchester entstand mit der Zeit eine sehr beliebte Form des Zusammenspieles in kleineren Gruppen, um einen „Zusammenklang“ zu erreichen.

LisztMatinee

In Zeiten, da es noch kein Radio gab und Musik nur dann erlebt werden konnte, wenn sie „Live“ aufgeführt wurde, war man nicht ständig umgeben von Musik, sondern eine Aufführung stellte etwas ganz Besonderes dar. Keine Kirtage, Dorffeste oder ähnliche soziale Zusammenkünfte waren denkbar ohne einer belebenden Musikgruppe, die zum Mitsingen oder Tanzen animierte. Und über die Zeit entwickelte sich auch eine weitere sehr spezielle Form des gemeinsamen Musizierens im kleinen Rahmen wieder – das Hauskonzert. Zumindest an den Orten, wo Menschen musizieren konnten und ein Instrument besaßen.

Im kleinen privaten Rahmen unter Freunden zu musizieren und eigene oder bekannte Werke aufzuführen und gemeinsam zu erleben ist ein wesentlicher Bestandteil der Kultur der Hausmusik. Die Geschichte der Hausmusik ist auch eine Geschichte des miteinander Musizierens, des gemeinsamen intensiven und direkten aktiven Musikerlebnisses. Von der Zusammenstellung der Instrumentarien zu kleinen Ensembles oder Musikgruppen bis zur Auswahl des Liedguts und der Musikstücke bringt die Kultur der Hauskonzerte eine Vielzahl an möglichen Spielweisen mit sich und ein besonderes „Live“ Erlebnis. Mozart hat es besonders genossen im Kreise von Freunden neue Stücke aufzuführen oder einfach miteinander zu musizieren.

JohannesBrahms

Mit dem 19. Jahrhundert entstand weiters auch eine Salonkultur, die sich nicht nur in den Wiener Palais, sondern auch in den Häusern und Zimmern der Städte abspielte und weiterentwickelte. Ganze Karrieren wurden zu einem guten Teil auch davon beeinflusst, je nachdem wie gut ein Komponist seine eigenen Werke auch einem kleinen erlesenen und einflussreichen Publikum vorspielen und vortragen konnte.
Zwei ganz große Protagonisten dieser Musikkultur sind der ungarische Komponist und Pianist Franz Liszt und dem fast gleichaltrigen Polen Frédéric Chopin. Beide sind sie nach Paris gezogen, um dort ihr Glück zu versuchen und lernten sich in den berühmten Pariser Salons kennen und schätzen.
„Jede Note von Chopin ist eine vom Himmel gefallene Perle“ soll Liszt über seinen Freund und Rivalen gesagt haben, und Chopin widmete seine ersten zwölf Etüden dem Klaviervirtuosen Liszt. 1831 haben sie sich in Paris getroffen und angefreundet, seitdem haben sie oft gemeinsam in Benefizkonzerten und Salons gespielt.

ChopinNotiz

Die List des Liszts
Eine Anekdote hört man immer wieder:
Einst kam Chopin nach Paris und war noch nicht in den für seine Karriere relevanten Kreisen angelangt, da half ihm der dort seinerzeit bereits sehr gefeierte Liszt mit einer besonderen List auf den Weg. Er versammelte eine Schar von Freunden und VerehrerInnen zu einem Hausmusikabend und begann den musischen Abend mit eigenen Stücken sowie auch wie üblich klassischem Repertoire. Gegen Ende seiner Vorstellung bat er um absolute Dunkelheit, um einem neuen Stück seine besondere Aufmerksamkeit widmen zu können. Die Kerzen wurden ausgeblasen und der Flügel aus der Dunkelheit heraus verzauberte das Publikum. Als das Zimmer wieder beleuchtet wurde, konnte das Publikum erkennen, das Liszt sich gar nicht hinter das Klavier gesetzt hat, sondern eine anderen jungen Pianisten spielen ließ…eine Sternstunde der Musikgeschichte und der Beginn einer großen Karriere als Musiker, so die Anekdote, denn der junge Musiker hieß Chopin, der damals noch relativ unbekannt seine ersten Schritte auf dem Parkett der Hausmusik und ihrer Salons wagte. Vielleicht entstanden aus diesen Erfahrungen auch seine weltberühmten Nachtstücke – die Nocturnes.

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Byzantinische Ikonen und der Bilderstreit

Anlass
Byzantinische Ikonen und der Bilderstreit

“Christus_Pantokrator“

“VisionDesEzechiel“

Das Wort „Ikone“ kommt aus dem altgriechischen εἰκών (eikṓn) und bedeutet „Ebenbild“ oder „bildliche Darstellung“. Das heutige „Icon“ aus dem sich des Weiteren auch das derzeit sehr geläufige Wort „Emoticon“ ableiten lässt, entstammt diesem Wortursprung.

Vom Totenbild bis zum Heiligenporträt verwendete man bis ins 5. Jhdt. den Begriff eikon. Danach war der Begriff graphis für säkulare Porträts gebräuchlich und eikon ausschließlich für religiöse Gemälde. Das Urbild des Ikons ist der Volto Santo – das Grabtuch von Turin. Daher lässt sich auch der Name Veronika begreifen, der vom Schweißtuch der Veronika erzählt, als „Vera Icona“ nach „vera“ für lateinisch echt, wahr und dem Begriff eikon.

Die Ikone entwickelte sich aus der Tradition antiker Kultbilder, manche sehen auch einen direkten Zusammenhang in der Entwicklung aus dem griechisch antiken Maskentheater. Die wesentlichen Formen waren das Totenbildnis, das Kaiserbildnis oder das Götterbildnis, wobei das Totenbildnis anfangs die zentrale Form der Heiligenikone war und sich viel des Kultes um das Grab und den Tot drehte. Im 6. Jhdt. entwickelte sich in Byzanz ein staatlicher Kult von Ikonen, wobei sich der byzantinische Kaiser immer mehr selbst als Gegenstand ritueller Verehrung begriff und ein zeremonieller fester Ablauf seine Huldigung dirigierte. Er setzte sich statuenhaft hinter einem Vorhang auf seinen Thron und nachdem dieser enthüllt wurde, nahm er die Proskynese entgegen.

Der Begriff Proskynese bezeichnet (altgriechisch προσκύνησις proskýnēsis „Kuss auf etwas zu“) die vor allem in den Reichen des Alten Orients geübte Geste der Anbetung, Ehrerbietung und Unterwerfung.

“Muttergottes von Kykkos“

Ikone: Muttergottes von Kykkos

Die ältesten erhaltenen Ikonen stammen aus dem 6. Jahrhundert und nur sehr wenige Exemplare aus der Zeit vor den Zerstörungen in Folge des Bilderstreites sind heute noch erhalten, wenn doch, dann meist aus abgelegenen Gegenden. Aus literarischen Quellen sind Ikonen sogar seit dem 4 Jahrhundert nachweisbar.

Die zumeist auf Holz gemalten Bilder, die als Kultus und Heiligenbilder der vorwiegend orthodoxen Kirchen (oströmisch, Ostkirche) waren im byzantinischen Ritus kirchlich geweiht und stellten eine Verbindung her zwischen dem Betrachter und dem dargestellten Gott. Die Ikonen sind hierbei als Fenster zur himmlischen Wirklichkeit, der direkten Gegenwart Gottes zu verstehen, die als Offenbarung gleich dem Wort der Bibel galten.

“Hl_Basilios“

Ikone: Hl_Basilios

In einer Phase, in der die größte Ausdehnung des byzantinischen Reiches eigentlich schon wieder vorbei war, entstand ein Streit darüber ob es nach den Grundsätzen des Glaubens und der Doktrin erlaubt sei, sich ein Bildnis des Göttlichen zu machen und somit auf künstlerische Art eine Abbildung Gottes oder Christus, sowie von Heiligen darstellen zu dürfen. Dieser Glaubensstreit zwischen dem byzantinischen Kaiser und der orthodox – katholischen Kirche wird der Ikonoklasmus (Bilderzerstörung) oder auch der Bilderstreit genannt und trug sich durch das 8. bis in das 9. Jh. n. Chr.

Diejenigen, die die Meinung vertraten, es dürfe unter keinen Umständen zu Verbildlichungen kommen, da es unmöglich sei, ein Bildnis des Göttlichen zu erdenken oder gar darzustellen, nannte man die Ikonoklasten (Ikonenzerstörer) im Gegensatz zu der Gruppe an Gläubigen, die der Bilderverehrung zugetan waren und die Ikonodulen (Ikonenverehrer) genannt wurden.

Das 2. Konzil von Nicäa im 787 n. Chr. hat die Ikonenverehrung legitimiert, das Bilderverbot wurde aufgehoben und nach dem Ende des Ikonoklasmus, um 843 n. Chr. wurden die Ikonen integraler Bestandteil der Orthodoxie und beeinflussten in der spätbyzantinischen Zeit auch weit über den orthodoxen Wirkungskreis hinaus ihre Anhängerschaft. Es begann eine Phase des Handels mit Ikonen und eine zuvor nicht gekannte Herstellungsmenge entstand, da die Nachfrage danach exponentiell gestiegen ist. Gleichzeitig war auch eine Zunahme der Dimensionierung bemerkbar. Teils waren große Ikonen über 1,50 Meter groß, was schon fast Überlebensgröße bedeutete und fanden damit ihren besonderen Status und den Nerv der Zeit. Die älteren Holzikonen waren meist kleiner. Privatikonen findet man aus kostbaren Materialien wie Gold, Elfenbein, Edelsteinen oder Email. Die Figuren auf Einzelikonen, die allerdings nur einen geringen Teil aller Ikonen ausmachen, sind meist axial und frontal dargestellt, um zwischen Betrachter und Bild eine unmittelbare direkte Beziehung herstellen zu können. Der Hintergrund ist meist goldfarben und meist mittels Blattgold oder auch Ockerfarbe erzeugt. Der goldfarbene Hintergrund stellt den Himmel dar und bedeutet das „göttliche Licht“ als die höchste Lichtqualität.

Ikonen sind meist Christusikonen, Marienikonen, sogenannte Theotokos-Darstellungen), Apostel- oder Heiligenikonen. Den Vorlagen mit fest deklariertem Bilderkanon galt es zu folgen in Motiv- und Typenwahl in der byzantinisch mittelalterlichen Ikonographie.


Anlass
DIE HAGIA EIRENE:

Ein einzigartiges Beispiel einer ikonoklastischen Darstellung ist die Hagia Irene (Heilige des Göttlichen Friedens), auch als Irenenkirche bekannt. Sie wurde unter dem römischen Kaiser Konstantin I. im 4. Jh. n. Chr. als erste Kirche Konstantinopels erbaut, in der 381. n.Chr. das zweite ökumenische Konzil (Erstes Konzil von Konstantinopel) tagte (von griechisch „Oikumene“, „ganze bewohnte Erde“; und lateinisch „concilium“, „gemeinsame Beratung“). Sie war vor Errichtung der Hagia Sophia die Kirche des Patriarchats.

“Hagia_Eirene“

Die Hagia Irene ist ein frühes Beispiel für den Übergang vom Basilikalgrundriss zum Zentralbau in Form eines griechischen Kreuzes. In seiner heutigen Gestalt stammt das Bauwerk aus dem 8. Jahrhundert. Die Hagia Irene ist die einzige byzantinische Kirche mit einem original erhaltenen Atrium. Die Emporenbasilika, die von zwei Kuppeln überwölbt wird, endet im Osten in einer polygonalen, von drei großen Rundbogenfenstern durchbrochenen Apsis. Das große Kreuz über dem Hauptnarthex – (Narthex ist eine eingeschossige schmale Vorhalle am Haupteingang byzantinischer Kirchen) gilt als einzigartiges Zeugnis der ikonoklastischen Kunst, da es ein anschauliches Beispiel der Überlagerung von Ikonen durch ein Kreuz ist, wo eigentlich der byzantinischen Tradition nach ein Bild der Theotokos (der Gottesgebärerin) platziert wurde.

Die Hagia Irene befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Hagia Sophie und im ersten großen Hof des Topkapi Palastes. Sie war viele Jahre lang Waffenlager der Osmanen und ist heute ein Museum und wird wegen seiner hervorragenden Akustik für viele Konzerte als Veranstaltungsort genutzt.

“SentIrenKilisesi_Sued“

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Phaidra, die Strahlende

Anlass
Über Phaidra, die mythologische Figur als auch über das Open Access Projekt und digitale Sammlung der Universität Wien

“Phaedra_Portrait“

Phaidra ist in der griechischen Mythologie die zweite Gattin Theseus, des Königs von Theben. Enkelin des Sonnengottes Helios und trägt nicht nur dadurch, sondern auch durch die sprachliche Bedeutung im Griechischen die Strahlkraft im Namen (Φαίδρα, griechisch: Die Strahlende!). Auch ihr mythologisches Schicksal lässt sich als ein Klassisches in die Erzählwelt der Antike einordnen mit all den Verstrickungen, die eine viel erzählte jahrtausendealte Geschichte mit sich bringt. Die Folge einer so viele Generationen überdauernden Erzählung und Überlieferung bleibt auch nicht vor dem künstlerischen Ausdruck stehen, sondern eröffnet eine Vielzahl an Verarbeitungsmöglichkeiten dieses antiken Stoffes. Von Euripides über Ovid bis Seneca wurde der Stoff in verschiedenen literarischen Fassungen aufgearbeitet und weiterentwickelt. Senecas Werk wiederum lieferte die Grundlage für nachfolgende Auseinandersetzungen mit Phaidra im 16. und 17. Jahrhundert. Racine, Schiller, d’Annunzio sowie viele andere widmeten sich dem Stoff literarisch.

Musikalische Bearbeitungen finden sich von Jean Philipp Rameau über Benjamin Britten bis zu den Vorreitern elektronischer Musik der Band Tangerine Dream mit ihrem Album „Phaedra“. Damit lässt sich aufzeigen, dass ein Thema aus der Antike nach 2000 Jahren Eingang ins elektronische Zeitalter finden kann. Die Band gilt als Wegbereiter der Berliner Schule, die sich Mitte der 70er Jahre als eine Stilrichtung Elektronischer Musik in Deutschland entwickelte. 30 Jahre später kam es zu der Berliner Erklärung, welche in Folge näher erläutert werden wird.

“Phaidra_Relief“

Relief vom Sarkophag der Phädra und des Hippolythos

Der Urstoff der Erzählung Phaidra verbunden mit ihrer Tradierung und Weiterbearbeitung über die Jahrhunderte von Euripides bis Tangerine Dream veranschaulicht die Relevanz, Sichtbarkeit und Wirkung eines kulturellen Erbes der Menschheit. Zugang zu einem Weltkulturerbe zu schaffen, es zu archivieren, zu sammeln, um es in Folge im Sinne eines allgemeinen Bildungsauftrages einer breiten Öffentlichkeit nahe zu bringen, bedarf eines öffentlichen Auftrags und Willens, der die Schaffung von Plattformen und Archiven veranlasst, sowie einen dahingehenden öffentlichen Zugang erarbeiten zu können, die eine weitere Säule des Weltkulturerbes darstellt.


Diese Idee und die darauf bauenden Bemühungen finden sich als Grundsatzerklärung in der Berliner Erklärung über den offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen.

»Berliner Erklärung über den offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen«


Vorwort

Das Internet hat die praktischen und wirtschaftlichen Bedingungen für die Verbreitung von wissenschaftlichem Wissen und kulturellem Erbe grundlegend verändert. Mit dem Internet ist zum ersten Mal die Möglichkeit einer umfassenden und interaktiven Repräsentation des menschlichen Wissens, einschließlich des kulturellen Erbes, bei gleichzeitiger Gewährleistung eines weltweiten Zugangs gegeben.

Wir, die Unterzeichner, fühlen uns verpflichtet, die Herausforderungen des Internets als dem zunehmend an Bedeutung gewinnenden Medium der Wissensverbreitung aufzugreifen. Die damit verbundenen Entwicklungen werden zwangsläufig zu erheblichen Veränderungen im Wesen des wissenschaftlichen Publizierens führen und einen Wandel der bestehenden Systeme wissenschaftlicher Qualitätssicherung einleiten.

Im Sinne der Budapester Initiative (Budapest Open Access Initiative), der ECHO-Charta und der Bethesda Erklärung (Bethesda Statement on Open Access Publishing) haben wir diese Berliner Erklärung mit dem Ziel aufgesetzt, das Internet als Instrument für eine weltweite Basis wissenschaftlicher Kenntnisse und menschlicher Reflektion zu fördern und die erforderlichen Maßnahmen zu formulieren, die von Entscheidungsträgern, Forschungsorganisationen, Förderinstitutionen, Bibliotheken, Archiven und Museen zu bedenken sind.



OPEN ACCESS Link zur Berliner Erklärung auf der Website der Max Planck Gesellschaft: https://openaccess.mpg.de/Berliner-Erklaerung https://openaccess.mpg.de/68053/Berliner_Erklaerung_dt_Version_07-2006.pdf
_

Auf Basis dieser Ideen konnten sich vor zehn Jahren wesentliche Plattformen entwickeln, wie die von der Universität Wien errichteten Plattform Phaidra.

Anlass
DIE PLATTFORM PHAIDRA:

Phaidra ist seit 2008 ein gesamtuniversitäres Digital Asset Management System
zur dauerhaften Sicherung von digitalen Beständen, welches die Open Acces Policy
der Universität Wien, gemäß der »Berliner Erklärung über den offenen Zugang
zu wissenschaftlichem Wissen« sichern soll.

Dabei dokumentiert das zentrale digitale Langzeitarchiv alte Bestände
der Universitätsbibliothek, und neue Objekte, welche fortlaufend
von aktiven UserInnen eingebettet (archiviert) werden.

Phaidra stellt unterschiedliche digitale Formate im Internet
als persistenten Link weltweit verfügbar und macht diese - wenn gewünscht -
weltweit nutzbar.
(Beschreibung einer externen Redakteurin)

Auch die Plattform Kulturpool entstand aufgrund ähnlicher Überlegungen und bildet eine Schnittstelle unter verschiedenen Archiven und Sammlungen österreichischer Bestände sowie auf europäischer Ebene gebunden an die Europeana.

Alle drei Plattformen feiern heuer ihr 10–jähriges Bestehen.
Eine kurze Veranschaulichung aus dem digitalen Archiv Phaidras, aufrufbar auch auf Kulturpool,
geht einem Interview zu diesem Anlass mit Frau Dr. Blumesberger,
der Leiterin der Abteilung Phaidra des Bibliotheks- und Archivwesens der Universität Wiens voran:

“Kirche von Bojana“

Kirche von Bojana
Universität Wien, DiFab, Bild aus dem digitalen Forschungsarchiv Byzanz.

Die am Fuße des Vitoschagebirges gelegene Kirche von Bojana besteht eigentlich aus drei Kirchen,
die einen zusammenhängenden Komplex bilden, jedoch unterschiedlichen Jahrhunderten entstammen.
Der im 19. Jh. entstandene Bau ist von geringem künstlerischen Interesse,
im Zentrum der Aufmerksamkeit von Kunstexperten und Historikern stehen die beiden anderen Kirchen.
Die ältere von beiden wurde im 10 Jh. als Ziegelsteinbau errichtet, ihre einst Decken und Wände
zierenden Wandmalereien sind nur in Teilen erhalten geblieben.

Der regionale Feudalherrscher Sebastokrator Kalojan ließ im 13. Jh. die alte Kapelle vergrößern,
indem er eine zweistöckige Kirche anfügen ließ. Geschickt wurden beide Gotteshäuser miteinander verbunden,
Zeugnis für den Respekt des Stifters für die vorhergehenden Traditionen.
Wie eine Inschrift belegt, wurde das Gotteshaus im Jahre 1259 vollständig ausgemalt und geweiht.
Und vor allem diese Wandmalereien sind es, die die außerordentliche kulturgeschichtliche Bedeutung
der Kirche von Bojana begründen.
_

Fragen zu Phaidra an Frau Dr. Blumesberger:
Was für Bilder würden sich anbieten?

Redaktion:
Anlässlich des 10 - jährigen Bestehens der Plattform Phaidra – gibt es ein Resümee über den Entwicklungsbogen von Phaidra?

Dr. Blumesberger:
Ja, das gibt es. Die Aufgaben von Repositorien haben sich geändert, weil sich auch die Anforderungen der NutzerInnen heute anders darstellen als vor 10 Jahren. Forschende arbeiten kaum noch mehr vor PC’s, es ist alles mobiler geworden, deshalb muss sich auch das System anpassen. Wir haben es aber aufgrund der Anforderungen der Fördergeber hinsichtlich Datenmanagement und Datenmanagementpläne mit anderen Fragen zu tun. Forschende müssen heute schon in der Antragsphase wissen, welche Daten sie mit welchen Lizenzen wie lange wo speichern. Deshalb haben sich auch unsere Services angepasst. Siehe auch https://datamanagement.univie.ac.at

Die Grundidee ein einziges Repositorium, das alle Anforderungen berücksichtigen kann, hat sich nicht wirklich durchgesetzt, das Thema Archivierung ist zu komplex. Auch das Speichern aller Daten bis in alle Ewigkeit stimmt so nicht. Teilweise müssen Forschungsdaten zum Beispiel nach einer bestimmten Zeit wieder gelöscht werden.

Was sind die aktuellen Herausforderungen inhaltlich und technisch, bzw. in der öffentlichen Wahrnehmung?

Eine große Herausforderung ist nach wie vor zu wissen, was die NutzerInnen wirklich benötigen und wie sie gerne arbeiten. Wir sind eben dabei den Hochladevorgang in Phaidra zu vereinfachen und damit den Forschenden Zeit zu sparen. Technisch gesehen muss man immer am neuesten Stand bleiben, wir haben seit einiger Zeit eine neue Suche, die den Gewohnheiten von heute besser angepasst ist, als früher. Inhaltlich stellt sich immer wieder die Frage: Bieten wir mehrere Fachrepositorien an oder ein institutionelles Repositorium? Welche Tools/features sind außerdem noch wichtig und was soll aufbewahrt werden?
Forschende sind in der heutigen Zeit mit so vielen Herausforderungen konfrontiert, dass wir von den forschungsunterstützenden Service auf die zugehen müssen um unsere Dienste anzubieten. Dann stellt sich natürlich auch die Frage nach dem kulturellen Erbe der Uni Wien. Wie können/dürfen wir dieses zur Verfügung stellen. Rechtliche Fragen spielen hier immer wieder eine große Rolle.

Haben sich etwaige Schwerpunkte inhaltlicher Themen bzw. Angebote auf der Plattform Hinblick auf User und Zielgruppe bzw. die Zielgruppen auch für sich, geändert und falls ja, in welcher Weise?

Es gibt Fachbereiche, die Phaidra sehr intensiv nutzen, zum Beispiel die Geisteswissenschaften und andere, die kaum Daten archivieren, bzw. wenn, dann in fachspezifischen Systemen.

Was wird nicht erfasst von Phaidra?

Grundsätzlich ist Phaidra für alle Uni Wien-Angehörige offen, für MitarbeiterInnen und Studierende und für alle Inhalte. Nicht geeignet ist Phaidra nach heutigen Stand dann, wenn auch die Metadaten, also die Beschreibungen der Objekte aus ethischen oder rechtlichen Gründen nicht sichtbar sein darf, wenn die Rechte nicht geklärt sind oder wenn es sich um Objekte handelt, die noch verändert werden sollen. Dafür bieten wir andere Lösungen an.

Wie unterscheidet sich Phaidra von weiteren Open Date/ Open Access Plattformen? Inwieweit gibt es hier Austausch, Kooperation und Konkurrenz?

Wir haben im Vorjahr das RepositorienmanagerInnennetzwerk gegründet, das allen BetreiberInnen in Österreich offensteht und einen regen Austausch ermöglicht. Daher gibt es sehr viel Austausch, eine rege Kooperation - Phaidra hat ja inzwischen bereits 17 Partner in Österreich und außerhalb. Siehe http://phaidra.org Konkurrenz wäre für alle kontraproduktiv.

Was sind derzeit die Vorstellungen und Wünsche für die nächsten 10 Jahre, bzw. laufende oder geplante Projekte mit Entwicklungsschritten

Der größte Wunsch wäre mehr Ressourcen - finanziell und personell um rascher auf Veränderungen reagieren zu können und das Angebot ausweiten und optimieren zu können. Es wäre auch wünschenswert mehr Kontakt zu den Forschenden zu haben, wir haben vor einiger Zeit damit begonnen ganz eng mit ForscherInnen, Archivaren und Sammlungsbeauftragten zusammenzuarbeiten, dies sollte intensiviert werden. Geplant ist heuer die Fertigstellung von Phaidra Temp, damit können Daten auch wieder gelöscht werden oder eben in die LZA geschickt werden und vor allem das vereinfachte Hochladen der Dokumente.

Die Redaktion Kulturpool dankt für das Interview und wünscht Phaidra, sowie weiteren in diesem Sinne entstandenen und gepflegten Sammlungen, Archiven und Beständen zum Zwecke einer Wissensvermittlung; open Access Philosophie im Sinne der Berliner Erklärung Alles Gute zum 10–jährigen Bestehen.

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Die Alraunen


2018
Die Alraunen


Die Alraune wurde im Klassischen Altertum als Heilpflanze mit magischen Kräften betrachtet. Vor allem ihre Wurzeln galten als mit Zauberkraft versehen und waren in der damaligen Zeit sehr begehrt. Besondere magische Kraft und Anziehungskraft vermittelte die Alraune durch ihre Form, die der des Menschen stark ähnelte. In Wirklichkeit befinden sich in den Alraunen sehr giftige Inhaltsstoffe, die für den Menschen schädlich und mitunter sogar tödlich sind.
Heilwirkung wurde ihr zugesprochen bei Schmerzen, Schlafstörungen, Menstruationsschmerzen, Anwendungen bei Asthma, Depressionen, Kopfschmerzen und vielen anderen Symptomen. Die Alraune gehört zu der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae) gleich wie die Kartoffel und die Tomate.

Die Alraune wird heutzutage nicht mehr im Katalog der Heilpflanzen geführt, gelegentlich aber in geringen und hochverdünnten ungefährlichen Dosen in der Homoöpathie verwendet.



“Wurzel Alraune“

Aus der Kulturgeschichte der Alraune



Als Pflanze fand die Alraune schon im Altertum Anwendung und Verehrung. In babylonischer Zeit auf Keilschrift (ca. 2000 v. Chr.) verewigt, sowie in Ägyptischer Zeit auf einer der ältesten Schriften überhaupt, dem Papyros Ebers (ca. 1.600 v. Chr.) wird die Pflanze als Heilmittel gegen diverse Schmerzen wie zum Beispiel Zahnweh geführt und als Heilmittel angewendet. Im Papyros Ebers sind auch gynäkologische Tipps bis zur Empfängnisverhütung angeführt, inklusive einer Anleitung mit Zaubersprüchen, die den Heilungserfolg gewähren soll.
In der mythologischen Deutung werden die goldenen Äpfel der Aphrodite (der berühmte „Zankapfel“, bzw. „Erisapfel“ von der Göttin Eris, die den „Apfel“ vor Aphrodite, Athene und Hera warf) als Frucht der Alraune vermutet.

“MedizinischerTraktat“

"Mercurela"(Bingelkraut);"Mandragora" (Alraune), mit einer in einer Felsenspalte steckenden Wurzel in Gestalt eines bärtigen Mannes, ein davonlaufender Hund entwurzelt die Pflanze, auf der Anhöhe daneben steht ein Mann, neben ihm liegt die Harke, mit der er die Wurzel ausgegraben hat.

Von Plinius dem Älteren (geboren im Jahr 23 oder 24 in Novum Comum, dem heutigen Como, gestorben 25. August 79 am Golf von Neapel während des Vesuvausbruchs), der sich nicht nur durch seine „Naturalis historia“, einem frühen enzyklopädischem Werk zur Naturkunde, verewigte, stammt der Name „Mandragora circaea“, der damit seine Vermutung zum Ausdruck bringt, es handle sich bei der berühmten Moly der Kirke um eine Alraune. Moly war in der griechischen Mythologie die Bezeichnung für zauberwirksame Pflanzen. Botaniker der Renaissance wiederum gehen von anderen Pflanzen als der Alraune aus. In jedem Fall beschreibt Plinius die medizinische als auch psychoaktive Wirkung der Alraune.

Hildegard von Bingen vermutet, dass die Alraune aus der gleichen Erde aus der Adam geschaffen wurde, stammt, da auch sie eine menschenähnliche Form aufweist. Sie befürchtet jedoch „teuflische Einflüsterungen“ durch die Anwendung, die nur durch vorheriges Reinigen in einer Quelle abgewehrt werden können.
Im Gegensatz zu vielen anderen Meinungen, die die Alraune eher als Fruchtbarkeitsförderung und als Aphrodisiakum sehen, empfiehlt Hildegard von Bingen, diese als Minderung eines zu starken Geschlechtstriebes anzuwenden und meint, Männer mögen weibliche Pflanzen anwenden und Frauen eine männliche.

“Fructus Mandragore“
Fructus Mandragore, Alraunwurzel in halber Menschengestalt mit geschlossenen Augen.

“Hildegard von Bingen“
Bildnis Hl. Hildegard von Bingen (1098 - 1179)

“Wenzelsbibel“
Wenzelsbibel, Rachel und Lea mit der Alraune, Jakob schläft mit Lea.
Zierranken und Rankenmedaillons

Im Mittelalter wurde die Alraune weiters häufig als Betäubungsmittel eingesetzt. Mit der Alraunenwurzel setzte man Tee aus ihrer und anderen Pflanzen an und tropfte diesen auf einen Schwamm, den man dem Patienten unter die Nase hielt, bis er einschlief. Nach der Operation wurde der Patient mit Düften aus Fenchel wieder aufgeweckt.

So wie auch das Alraunenpaar "Marion und Thrudacias" aus der Kunstkammer Rudolfs II. wurden die mit schwarzen Samtmänteln bekleideten Wurzeln regelmäßig in Wein gebadet, um ihre Zauberkraft nicht zu verlieren. Wurde dies unterlassen, sagte man ihnen ein jämmerliches Weinen wie bei kleinen Kindern nach. Bei dem Alraunenpaar Marion und Thrudacias wurde das traditionelle Bad noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts durchgeführt.

Marion und Thrudacias (um 1600) sind noch bis 29. März 2018 im Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek zu sehen.

“Alraunenwurzel“
Alraunen Wurzel

“Alraunen Kruzifix“
Alraunen Kruzifix, Siehe Text unten

“Eppendorfer Alraune“
Die Eppendorfer Alraune, vor 1480, 17. Jahrhundert (Perlenkrone)

Bildtext zu dem Alraunen Kruzifix

Eine Alraune bestand zumeist aus der Wurzel der Mandragora officinalis, eines giftigen Nachtschattengewächses des Mittelmeerraumes, aus derjenigen des Allermannsharnischs, des Gelben Enzians oder anderer Pflanzen. Ihre zumeist doppelt gespaltene Wurzelspitze und die Nebenwurzeln im oberen Teil erinnern an einen menschlichen Körper mit Armen und Beinen. Vor allem ab dem 15. Jahrhundert wurden Alraunen weithin sehr geschätzt. Der Glaube an ihre Auswirkung auf den Menschen beruhte auf der so genannten Signaturenlehre. Diese besagte, dass die äußere Gestalt von Pflanzen oder Mineralien deren Wirksamkeit signalisiert. So konnte beispielsweise die rote Farbe einer Blüte oder eines Pflanzensaftes als Hinweis darauf dienen, dass eine Wirkung auf das Blut gegeben war. Sieht man die menschengestaltige Wurzel der Alraune als Hinweis auf ihre medizinische Verwendbarkeit, so musste sie ein auf den ganzen Menschen einwirkender heilender Talisman sein. Andererseits war etwas Menschengestaltiges, das in der dunklen Erde lebte, dem Bereich des Dämonischen zuzurechnen. Daraus ergab sich die Vorstellung, die Wurzel sei ein Pflanzendämon, der einen schrecklichen Schrei ausstoße, sobald er aus der Erde gezogen wurde. Dieser Schrei galt für jeden, der ihn hörte, als tödlich, doch konnten sich Wurzelgräber etablieren, die dieser Gefahr mit speziellen Methoden begegneten (vgl. Dressendörfer 2003, 19–22). Diese Wurzel in Form eines Kruzifixes wurde etwas zurechtgeschnitzt und mit Trieben von Gräsern als Haaren versehen, die man vermutlich direkt an der erneut vergrabenen Wurzel sprießen ließ. Eine ebenfalls kruzifixähnliche Wurzel, die Alraune von Eppendorf, befand sich in der Kunstkammer Kaiser Rudolfs II. in Prag, in der es auch ein als Männchen und Weibchen gekleidetes Alraunenpärchen gab. Persönliche Betreuung wie Kleiderwechsel und das Baden in Wein sollten die dem Pärchen innewohnenden Geister bei Laune halten. Die rote Verfärbung dieser Alraune dürfte demnach vom Baden in Rotwein herrühren. Auch der ansonsten okkulten Praktiken gegenüber nicht sehr aufgeschlossene Erzherzog Ferdinand II. verwahrte im 15. Kasten seiner Kunst- und Wunderkammer ein Alraunenpärchen in unmittelbarer Nähe zu einem geschnitzten Drachen und Manna.