(Suche nach Tags: z.B. <Highlight>)

Vorheriger Monat October 2018  
So Mo Di Mi Do Fr Sa
  1 2 3 4 5 6
7 8 9 10 11 12 13
14 15 16 17 18 19 20
21 22 23 24 25 26 27
28 29 30 31      


Samstag, 30. Juni 2018


Dienstag, 16. Oktober 2018 um 12:36:04 von Kulturpool Redaktion

Rudolf, der Fälscher

Anlass
Privilegium Maius

Rudolf, der Fälscher

Das Privilegium Maius und Rudolf IV. der Stifter

Erst nach 15 Jahren ehelicher Bemühungen einen Nachkommen zu zeugen, gelang es Albrecht II, der aufgrund seiner zeitweiligen Lähmungen auch Albrecht, der Lahme, genannt wurde, 1339 einen die ersten Tage überlebenden Sohn auf die Welt zu bringen. Als dieser Bann durch die Geburt Rudolfs gebrochen wurde, folgten fast im zwei Jahresrhythmus noch eine Vielzahl von Kindern, unter ihnen die drei Brüder Friedrich III, Albrecht III und Leopold III.


Rudolf IV der Stifter, Herzog von Österreich, aus der Porträtsammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

Rudolf IV genoss von klein auf eine profunde Ausbildung und war unter anderem des Schreibens mächtig, was unter den Adeligen dieser Zeit keineswegs selbstverständlich war. Mit 9 Jahren wurde er mit Katharina von Luxemburg verlobt, der Tochter Karl IV, damals zukünftiger König von Böhmen und aussichtsreichster Kandidat auf die Reichskrone.

Im Jahr 1353, mit 14 Jahren folgte die Hochzeit mit Katharina von Luxemburg in Prag, was Rudolf gleichzeitig zum Schwiegersohn Karl IV machte. Als König von Böhmen, zwei Jahre bevor dieser auch römisch-deutscher Kaiser wurde, war Karl IV aus dem Herrscherhaus der Luxemburger zu dieser Zeit bereits eine der bedeutendsten Gestalten des Spätmittelalters und zählte zu den einflussreichsten Herrschern seiner Zeit.


Karl IV., aus der Sammlung REALonline des Institutes für Realienkunde


Kaiser Karl IV., aus der Sammlung REALonline des Institutes für Realienkunde

Rudolfs Vater Albrecht II hat es auf eine Annäherung der beiden Häuser Luxemburg und Habsburg angelegt, die sich zuvor aufgrund Streitigkeiten beim habsburgischen Erwerb Kärntens und der Krain ergeben haben. Durch die Vermählung ihrer Kinder ließen sich die Zerwürfnisse aus dem Weg räumen.

Als Schwiegersohn des Böhmischen Königs und späteren Kaisers genoss er anfänglich dessen wohlwollende Protektion, was zu einer weiteren Steigerung des Selbstbewusstseins des jungen Fürsten Rudolf IV führte. Er war sich nicht nur seiner gesonderten Position im Reich bewusst, sondern auch seiner Möglichkeiten, mit der Rudolf die Positionierung seiner Familie im europäischen Mächtezirkel vorantreiben wollte und konnte. Dies auf ein Niveau, das ihm seiner Ansicht nach aufgrund der Herrschaftsbereiche des Hauses Habsburg zu dieser Zeit bereits zustehen sollte.

Rudolf IV war, durch die von seinem Vater erlassene Albertinische Hausordnung, zur Herrschaft ihrer Besitzungen zwar nur zur gesamten Hand, im Sinne etwa eines heutigen „geschäftsführenden Gesellschafters“, ermächtigt, er ließ sich von seiner Position als Ältester allerdings nicht dreinreden und führte de facto alleine die Agenden der Familie.

Viele große Besitzungen, jedoch insgesamt sehr verstreute Ländereien zählten bereits zu dem Herrschaftsbereich der Habsburger: Österreich, Steiermark, Kärnten und Krain sowie die Vorlande, also der Stammbesitz in Schwaben und im Aargau. Die Albertinische Hausordnung versuchte mit der Regelung eines Herrschens zur gesamten Hand die Gefahr abzuwehren, durch zukünftig zu erwartende Erbaufteilungen es zu weiteren Teilungen ihrer Herrschaft kommen zu lassen und schützte die Gesamtheit ihrer Ländereien mit diesem Erlass.

Rudolf IV erwarb in seiner Herrschaftszeit mittels Erbvertrags mit Margarete „Maultasch“ das Land Tirol, was ein wichtiges Bindeglied für die Besitzungen der östlichen und westlichen Territorien war.

Neben den ehrgeizigen Plänen seine direkten Herrschaftsbereiche betreffend, ließ Rudolf IV auch eine Vielzahl an nachhaltigen Gründungen und Stiftungen bauen. Die „Alma Mater Rudolphina“ als zweitälteste Universität im deutschsprachigen Raum, den Ausbau Wiens zur Residenzstadt, welcher die Position als politischer und kultureller Mittelpunkt des Habsburgerreiches stärkte sowie den Ausbau der Wiener Stephanskirche zum Dom. Daher lässt sich auch sein Beiname „der Stifter“ ableiten. Auch in seiner Wirtschaftspolitik verfolgte er ehrgeizige Pläne und ermöglichte zahlreichen Landstädten mit der Ausstattung von Sonderrechten eine positive wirtschaftliche Entwicklung. Mit dem „Wiener Pfennig“ schuf Rudolf IV auch eine relativ stabile Münzeinheit.


Rudolf IV. besucht den Bau des St. Stefansdomes, aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

Es muss Rudolf IV sehr schwer beleidigt und gekränkt haben, als sein Schwiegervater Karl IV, 1356 die Goldene Bulle verfasste, das wichtigste Reichsgrundgesetz zur deutschen Königswahl und er darin im Gegensatz zu anderen Fürsten des Reiches keine Erwähnung fand.


Cod. 338 (Faks.), fol.33v: Goldene Bulle u. a., aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

Die Goldene Bulle legte die Wahlordnung für die Königswahl im Reich fest und bedeutete für einige Reichsfürsten, die nun zu Kurfürsten ernannt wurden, einen großen Privilegien- und Machtzuwachs. Das Haus Habsburg wurde dabei nicht erwähnt, was bei Rudolf IV nicht nur Unverständnis zur Folge hatte, sondern Motivation mit eigenen Mitteln dagegen anzukämpfen bedeutete.

Schließlich war sein Großvater Albrecht I ein König gewesen und die Habsburger beherrschten wesentliche Gebiete im Osten und Südosten des Reiches und zählten jedenfalls bereits zu den mächtigsten Herrschergeschlechtern jener Zeit. Ehrgeizig, gebildet und jung wollte er die empfundene Schmach nicht auf sich sitzen lassen und erdachte sich einen einmaligen Coup, der seine Stellung im Reich zur gewünschten Positionierung und Konsolidierung führen sollte. Mit einer Fälschung von vermeintlich bestätigten Privilegien erdachte er sich, die ihm gebührende Rangordnung innerhalb des Reiches herzustellen und ihn mit jenen Privilegien auszustatten, über die die Kurfürsten bereits verfügten.

Das Privilegium de non evocando (Mit dem privilegium de non evocando – dem Privileg des nicht geladen Werdens – gab der Deutsche König bzw. Römisch-deutsche Kaiser ein Teil seiner Gerichtsgewalt an den jeweiligen Landesherrn ab, Anm. d Red.) hatte zwar auch schon der habsburgische Landesherr Herzog Albrecht II (1330 – 1358) erlangt. Der anderen Vorrechte der Kurfürsten waren die Habsburger jedoch nicht teilhaftig. Auch die Prinzipien der Unteilbarkeit und der Primogenitur galten für die habsburgischen Länder nicht. Herzog Albrecht II hatte in seiner Albertinischen Hausordnung 1355 im Gegenteil bestimmt, dass ihm seine vier Söhne zur gesamten Hand in der Herrschaft nachfolgen sollten.

Als Albrecht II 1358 starb, war nur sein ältester Sohn Rudolf IV alt genug, die Herrschaft ergreifen zu können. Zur Rechtfertigung seiner Alleinherrschaft und der Zurücksetzung seiner Brüder sowie allgemein von dem Motiv geleitet, die reichsrechtliche Stellung der Habsburger jenen der Kurfürsten anzugleichen, ließ der politisch aktive Herzog in seiner Kanzlei eine Urkundensammlung fälschen, die die seinen Vorstellungen entsprechende Position des habsburgischen Landesherrn rechtlich untermauern sollte.

(Rudolf Hoke, Österreichische und deutsche Rechtsgeschichte, Böhlau, S. 87-88)

Rudolf IV war gerade einmal 18 Jahre alt, als er sich ans Werk machte, einen „Remix“ aus den wichtigsten Dokumenten, auf denen Teile seiner Herrschaft fußten, mit gefälschten Urkunden zu gestalten, um eine neue Grundlage für seinen Herrschaftsraum in der Hand zu haben.

Ausgegangen wurde vom „privilegium minus“, jener berühmten Urkunde, mit der Kaiser Friedrich Barbarossa das noch von den Babenbergern beherrschte Gebiet zu einem von Bayern abgetrennten und unabhängigem Herzogtum erheben ließ.

Fünf weitere Urkunden ließ Rudolf fälschen, die seine Ansprüche untermauern sollten:

Ein Brief Friedrich Barbarossas, der das privilegium minus mit den damit verbundenen neuen Rechten bestätigte sowie weitere Bestätigungen von den Königen Heinrich VII im Jahr 1228, Friedrich II im Jahr 1245 und Rudolf I aus dem Jahr 1283.

Rudolf IV legte eine weitere Urkunde vor, in der Kaiser Heinrich IV im Jahr 1058 einen Brief bestätigt, der Österreich mit besonderen von den römischen Herrschern Cäsar und Nero verliehenen Privilegien ausstattete.

Kaiser Karl IV überprüfte die Schriftstücke von seinen Gelehrten und kein geringerer als der italienische Frühhumanist Francesco Petrarca erkannte den Schwindel und verhöhnte diesen gewagten Betrug mit den Bestätigungen der römischen Cäsaren gehörig.

Selbst die Zurückweisung dieser Urkunden und die damit fehlende Anerkennung seiner gewünschten Rechte hielten Rudolf nicht ab, den Fantasietitel, den er sich für das Haus Habsburg mittels seiner Fälschungen kreierte, zu tragen. Den Titel „Palatinatus archidux“ zu führen, was in etwa Pfalzerzherzog bedeutet, wurde ihm von seinem Schwiegervater untersagt. Nicht widersprochen wurde der auch von ihm selbst ernannte Titel eines Herzogs von Krain, was zur Folge hatte, dass Rudolf neben Österreich, Steiermark und Kärnten dadurch auch ein viertes habsburgisches Herzogtum innehatte, die Krain.

Damit nicht genug, brauchte er auch in Zeremoniell und Kleidung Zeichen und Symbole, die seiner neuen gehobenen Stellung Rechnung tragen würden und er schuf sich den kronengleichen Erzherzogshut. Dies führte letztendlich zu einem Konflikt mit Kaiser Karl IV, der Rudolf wiederholt das Führen dieser Titel und Symbole verbieten ließ.
Ein Jahrhundert später erst, bestätigte sein Nachfahre Kaiser Friedrich III die von Rudolf erschlichenen Privilegien. Dies erlaubte den Habsburgern unter anderem sich ab dann mit dem Titel „Erzherzog“ zu schmücken.


Österreichischer Erzherzogshut Josefs II. von 1764, Karkasse, aus der Sammlung der Weltlichen Schatzkammer, Kunsthistorisches Museum Wien

Ausstellungstipp:

Falsche Tatsachen

Das Privilegium Maius und seine Geschichte

Der Wunsch, mit Hilfe falscher Behauptungen Tatsachen zu schaffen, ist nicht nur in unserer Zeit allgegenwärtig, sondern wohl so alt, wie die Menschheit selbst. Er liegt auch der bekanntesten Urkundenfälschung der österreichischen Geschichte zugrunde, welche das Selbstverständnis des Hauses Habsburg im Gefüge der politischen Großmächte Europas bis 1918 wesentlich prägte und als Schöpfung eines jungen und ehrgeizigen Politikers bis heute fasziniert: dem sog. „Privilegium Maius“.

Alle fünf Teile dieses Dokumentenkomplexes, den Herzog Rudolf IV. der Stifter (1339-1365) in Auftrag gab, werden mit dieser Ausstellung im Jahr des Europäischen Kulturerbes erstmals überhaupt gemeinsam gezeigt. Ergänzt wird die Präsentation durch so spektakuläre Leihgaben, wie einem Exemplar der zum UNESCO-Weltdokumentenerbe gehörigen „Goldenen Bulle“ oder dem Standbild Rudolfs IV. vom Singertor am Stephansdom.

Eine Ausstellung des Kunsthistorischen Museums in Kooperation mit dem Österreichischen Staatsarchiv.

Samstag, 29. September 2018 um 16:34:17 von Kulturpool Redaktion

3-faches Gold

Anlass
Dreifaches Gold

3 -faches Gold

Das goldene Herbstlicht inspiriert zur Beschäftigung mit der Farbe Gold. Gold in der Malerei lässt sich bald mit Gustav Klimt assoziieren, dem wichtigsten Protagonisten der Wiener Moderne, dem Goldenen Zeitalter Wiens.

Die Goldene Jahreszeit, das goldene Zeitalter und die Goldene Periode


Herbst, Maximilian Liebenwein (zugeschrieben), aus der Graphischen Sammlung der Albertina

Der Herbst verordnet der Natur eine Vegetationsruhe, um neue Kraft für den Winter zu sammeln. Das Wasser saugt der Baum aus der Erde vom Boden bis zu den Blättern hinauf, wo es, nach Verteilung der Salze und Nährstoffe durch die Öffnungen der Blätter wieder verdunsten kann. Im Winter herrscht Stillstand und das Wassertransportsystem ruht, damit in den frostigen Phasen die Blätter nicht erfrieren und der Baum verdursten muss. Es setzt die Photosynthese für diese Zeit aus und bewirkt, dass die Blätter keine Grüntöne mehr bilden können. Stattdessen färben sich die Blätter – je nach Baumart – feuerrot, wie etwa die Blutbuche beziehungsweise orange, braun, gelb bis hin zu den goldartigen Farbspektren, mit denen der Herbst ganze Landschaften in neues Licht setzt. Ein Spaziergang durch einen Laubwald in der Goldenen Jahreszeit bringt das ganze Farbspektrum zur Geltung. Die Sonne liegt viel tiefer als in den vorhergehenden Monaten, die Tage und Nächte gleichen sich in ihrer Verweildauer einander an und die Natur zeigt noch einmal deutlich, welche Kraft und Farbglanz in ihr liegt. Eine wichtige Inspirationsphase seit jeher für Künstler und Künstlerinnen und Komponisten und Komponistinnen. Die Goldene Jahreszeit wird ihrem Namen gerecht.


Birkenwald, Gustav Klimt, Österreichische Nationalbibliothek

Das Goldene Zeitalter „aurea saecula“ beschreibt als mythologischen Begriff den Idealzustand der friedlichen Urphase der Menschheit vor der Entstehung der Zivilisation. Der Mensch galt als ideal in seine Umwelt eingebettet und die zivilisatorischen Plagen wie Krieg, Verbrechen, Neid, waren der Menschheit in dieser Phase unbekannt. Das Goldenes Zeitalter beschreibt die Phase einer Entwicklung- und Entstehungsgeschichte, die mit der bestmöglichen Entfaltung des Menschen einher geht. Wien, als Hauptstadt eines Vielvölkerstaates sowie auch im Hinblick auf die vielen neu entstehenden Kunstrichtungen war Ausgangspunkt und Schmelztiegel vieler neuer Bewegungen, Erfindungen und geistiger Strömungen. Die Zeit der Wiener Moderne darf man durchaus als das Goldene Zeitalter dieser Stadt sehen. Und an vielen Stellen und Orten, hat sich in Form von Ornamenten, Bildern, architektonischen Meilensteinen das Gold in der Stadt manifestiert und sich selbst ein Denkmal gesetzt. Das Gold des Fin de Siécle lässt sich auch als wesentlicher Bestandteil und bestimmender Farbton der Ära des Jugendstils sehen und schätzen.

Als Sohn eines Goldgraveurs wurde Gustav Klimt seine Nahebeziehung zur Farbe Gold bereits in die Wiege gelegt. Er hätte in die beruflichen Fußstapfen des Vaters treten sollen, doch ein Stipendium an der Wiener Kunstgewerbeschule des k. u. k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie eröffnete ihm andere Möglichkeiten und Wege.
Das Gold, als maßgeblicher Farbton in seinem Schaffen, lässt sich in vielen seiner wichtigsten Werke erkennen.

Seine Anziehung zu diesem Farbstoff mit all seinen Facetten und Anwendungsmöglichkeiten prägte auch seine wichtigste Schaffensphase, die konsequenterweise die „Goldene Periode“ genannt wird. Anfangs lernte er die Kunst des Historismus auf der Hochschule kennen und auch in diesem Stil konnte er bereits erste Erfolge erzielen und Anerkennung für sich gewinnen. Jedoch, es zieht ihn in weitere Stilwelten und er findet im Jugendstil, zu dessen bedeutendstem Vertreter er zählt, seine künstlerische Entfaltung und erfülltesten persönlichen Ausdruck.

Die Werke der „Goldenen Periode“ (z.B. der Beethoven Fries oder der „Kuss“) als auch seine Landschaftsbilder ebneten ihm den Weg in seiner Entwicklung zur Moderne. Klimt lässt sich viel von der Natur inspirieren und verbringt auch viel Zeit in ihrer Umgebung. Viele Motive, Ornamente und Abbildungen zeugen von der unmittelbaren Wirkung der Natur auf seine Werke. Viel Blattgold begleitete Klimt in seiner Goldenen Periode.

Der Beethoven Fries, über 34 Meter lang und über 2 Meter hoch, ist eines der wichtigsten Werke seiner Goldenen Periode. Ein Wandgemälde über die Sehnsucht der Menschheit nach Glück aus der Wiener Secession. Ein Ritter in goldener Rüstung schützt eine schwache und arme Familie vor den sie umgebenden und gefährdenden „bösen Mächten“.


Beethovenfries, Ausschnitt, Ritter, Gustav Klimt, Belvedere, Wien / Leihgabe in der Secession, Wien

Die Frage stellt sich, wieviel sein Schwert wirklich gegen Krankheit, Tod und Wahnsinn, gegen Ungeheuer, Wollust, Unkeuschheit und nagendem Kummer ausrichten kann. Erst Poesie und die mit ihr verbundene Musik stillt die tiefe menschliche Sehnsucht nach Glück. Diese Künste führen die Menschheit in ein „ideales Reich“, in dem sie „reine Freude, reines Glück, reine Liebe“ finden und erfahren dürfen.

Gustav Klimt verwendete eine Ölvergoldung, um eine starke flächige Wirkung des Goldes hervorzubringen. Der Untergrund wurde mit einer Grundierung isoliert und wahrscheinlich mit Poliment–Rot eingefärbtem Schellack verstärkt.
Um dem ganzen Bild seine dreidimensionale Wirkung zu geben, verwendete Klimt mit Pinsel (z.B. bei den Spiralen über dem Liebespaar) und Spachtel (z.B. die Bänder im Haarschmuck) aufgetragenen Stuckauflagen. Mit Glutinleim verstärkter Kreidegrund (also gleich Stuckauflagen) sind auch das Klebemittel für die Applikationen. Als Anlegemittel für das Gold verwendete er Eigelb. Gustav Klimt arbeitete mit einer doppelten Vergoldung. Die Materialkompositionen inklusive des Goldgehalts sind heutzutage nicht mehr im Original erhältlich. Die doppelte Farbkraft hatte neben der ästhetischen Wirkung auch einen farbkonservatorischen Gedanken als Beweggrund. Der Beethovenfries gehört zu den am besten erforschten und dokumentierten Werken Gustav Klimts.

Gustav Klimt war bereits zu Lebzeiten ein sehr erfolgreicher Maler, lebte aber relativ bescheiden. Reinen Luxus gönnte er sich nur bei seiner Materialwahl und farblichen Ausstattung. Teilweise verwendete er selbst für reine Vorzeichnungen echtes Blattgold und Blattplatin.


Beethovenfries, Gustav Klimt, Wiener Sezession


Beethovenfries, Gustav Klimt, Wiener Sezession

-> LINK zur Website des Europäischen Jahres des Kulturerbes: https://kulturerbejahr.at/

Dienstag, 18. September 2018 um 10:28:25 von Kulturpool Redaktion

IMAREAL

Anlass
Wiederanbindung Institut für mittelalterliche Realienkunde Österreich (IMAREAL)

Das Institut für mittelalterliche Realienkunde Österreich (IMAREAL) wurde 1969 in Krems an der Donau gegründet und war über 40 Jahre bis 2012 eine Forschungsstätte der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Seit 2012 ist die Trägerorganisation die Universität Salzburg.

Harry Kühnel, Initiator und erster Institutsleiter erklärt in seinem Vorwort des Buches und Bildbandes „Alltag im Mittelalter“, das bis dato die Intention der Forschung darin gelegen sei, vorwiegend zu sammeln, mit einer auf Pragmatismus beruhenden Bestandsaufnahme, die sich de facto bloß auf Zustandsschilderungen beschränkte. Bei dem Versuch, über das Leben im Mittelalter ein verständliches Bild zu vermitteln, seien früher viele Forscher zu unkritisch vorgegangen.

Bei der Heranziehung von Chroniken, Dichtungen oder auch Predigten, bei Schilderungen extremer Zustände oder der Bewertung und Interpretation von Inhalten bildlicher Darstellungen ist die Forschung häufig dem Fehler verfallen, diese Quellen und Darstellungen als Realität und als das tatsächliche Leben anzusehen. Die Folge war eine häufig verzerrte Auffassung und Sichtweise dieses zweifelsohne sehr spannungsgeladenen Zeitabschnittes.

Aufgabe dieses Instituts war und ist laut Institutstext zunächst „die systematische Sammlung und Dokumentation, der auf mittelalterlichen Bildquellen in ganz Österreich überlieferten „Realien“.


Tischzucht, Holzschnitt aus der Sammlung REALonline


Essen mit Gauklern, Buchmalerei aus der Bilddatenbank der Sammlung REALonline

Kühnel prägt den Begriff „Sachkultur“ und beschreibt ihn wie folgt:
„Die Tatsache, dass das reiche schriftliche Quellenmaterial bislang nur sporadisch für die systematische Erforschung der „Sachkultur“ ediert und interpretiert worden ist, schließt auch zum gegenwärtigen Zeitpunkt eine Fehlbeurteilung nicht aus, im Besonderen, wenn Einzelmittelungen oder Quellenbestände mit einseitigen Inhalten generalisiert werden.

Das Aufdecken von Lebens- und Funktionszusammenhängen, das Ineinandergreifen kultureller Äußerungen und gesellschaftlicher Formen bedarf jedoch der Heranziehung einer breiten Quellenbasis, seien es schriftliche und bildliche Quellen oder überlieferte Originalgegenstände.“

Mit „Sachkultur“ meint Kühnel jedoch nicht eine „materielle Kultur“ im direkten Gegensatz zu einer „geistigen Kultur“, sondern versteht darunter die „Vielfalt der Lebensäußerungen und Lebensausformungen in ihrem unmittelbaren Konnex mit den wirtschaftlichen und sozialen Strukturen, mit den geltenden Wert- und Normensystemen.“

Themen der Bearbeitung sind gleichsam die Grundfragen menschlichen Verhaltens im Hinblick einer sich ständig wandelnden Umwelt. Diese Fragen gilt es unter Anwendung wissenschaftlicher Methodik zu beantworten, um die wesentlichen Faktoren aufspüren zu können, die Anstoß und Ausgangspunkt für Wandel oder Stillstand, Bewahren oder Dynamik der Sachkultur waren.

Die Vielzahl der entstandenen Innovationen, einschließlich sogenannter „Prestigeinnovationen“ bestimmten die Dynamik der Entwicklung in Wechselwirkung zu den Traditionen dieses Zeitabschnittes.

„Tradition und Wandel schließen einander nicht aus, sondern sie sind in den verschiedenen kulturellen Phasen nebeneinander anzutreffen. Alle Traditionen waren einmal Innovationen und wurden erst im Laufe des historischen Prozesses zu Traditionen.“ so Kühnel.

Ein weiterer wichtiger Punkt in der historischen Bewertung ist die Frage nach den Produktionsstätten bestimmter Kulturgüter, nach deren Austausch und den Wechselbeziehungen von Objekten.

Die Sachkultur bedient sich somit methodisch auch sozial- und gesellschaftsgeschichtlicher Kriterien, um längerfristige Veränderungen und Verschiebungen mit entsprechenden Theorien verständlich zu machen.


Bergung des goldenen Tisches, Federzeichnung aus der Sammlung REALonline


Wen dürstet, der komme zu mir und trinke, Kolorierte Federzeichnung aus der Bilddatenbank der Sammlung REALonline

Über die Jahre wurde der Forschungsrahmen sowohl zeitlich als auch örtlich ausgedehnt und führte in Folge auch zu einer Anpassung des Institutsnamen auf dessen jetzigen Titel: „Institut für Realienkunde des Mittelalters und der frühen Neuzeit“.

Die besondere Bedeutung des Instituts liegt auch in seiner interdisziplinären Qualifikation durch besonders geschultes Personal, sowie einem dementsprechend aufgebauten Bibliotheksbestand.

Durch Veranstaltungen von Kongressen, also auch einer laufenden Herausgabe von Schriftreihen, etablierte sich das „IMAREAL“ auch nachhaltig im außeruniversitären und interdisziplinären Bereich.


Trinkbecher, Töpferarbeit-Keramik aus der Sammlung REALonline


Trinkbecher, Töpferarbeit-Keramik aus der Sammlung REALonline


Elischa macht das Wasser von Jericho trinkbar, Kolorierte Federzeichnung aus der Bilddatenbank der Sammlung REALonline

-> LINK zur Website IMAREAL: https://realonline.imareal.sbg.ac.at/

Freitag, 31. August 2018 um 11:07:48 von Kulturpool Redaktion

Eine kurze Ode an die Sommerfrische

Anlass
Eine kurze Ode an die Sommerfrische

Sommerfrische

Zupf dir ein Wölkchen aus dem Wolkenweiß,
Das durch den sonnigen Himmel schreitet.
Und schmücke den Hut, der dich begleitet,
Mit einem grünen Reis.
Verstecke dich faul in der Fülle der Gräser.
Weil`s wohltut, weil`s frommt.
Und bist du ein Mundharmonikabläser
Und hast eine bei dir, dann spiel, was dir kommt.
Und lass deine Melodien lenken
Von dem freigegebenen Wolkengezupf.
Vergiss dich. Es soll dein Denken
Nicht weiter reichen als ein Grashüpferhupf.

Joachim Ringelnatz
(1883-1934)

"Wenn ich nicht im Grunde ein sehr arbeitsamer Mensch wäre, wie wäre ich je auf die Idee gekommen, Loblieder und Theorien des Müßiggangs auszudenken. Die geborenen, die genialen Müßiggänger tun dergleichen nie." – Hermann Hesse, aus: "Die Kunst des Müßiggangs".

„Variatio delectat“, die Abwechslung erfreut, hieß es im alten Rom. Eine wichtige Perspektive und Anhaltspunkt für den arbeitenden Menschen als sogenanntes Gewohnheitstier, das sich sehr schnell aus sich wiederholenden Abläufen seinen Alltag bildet. Um diesem Alltag auch einmal entfliehen zu können, schufen sich die Menschen Freiräume innerhalb der durchgetakteten Abläufe des Jahres. Diese Freiräume dienen der Erholung, dem Entfliehen der in den Sommermonaten sprichwörtlich „heißen Pflaster der Stadt“ in das gut erreichbare nahe Umland der Stadt, um dem Geist als auch dem Körper seine Erholung zu ermöglichen. Ein hoher Anteil der städtischen Bevölkerung litt Mitte des 19. Jahrhunderts an den schlechten Luftverhältnissen in den Städten, eine Folge der Industrialisierung. Bei gesünderer Luft einen erholsamen Rhythmus zu finden, mit abwechselnden Tätigkeiten wie Wandern oder Schwimmen fanden viele Städter zu neuer Kraft und das Phänomen Sommerfrische nahm seinen kulturhistorischen Erfolgslauf.

Im Wörterbuch der Brüder Grimm wird Sommerfrische mit "Erholungsaufenthalt der Städter auf dem Lande zur Sommerzeit" oder als „Landlust der Städter im Sommer“ erklärt.

FranzHubmannInsel

Sommerfrische
Zell am See

Bild 1: Sommerfrische am Traunsee, Franz Hubmann, aus dem Bildarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek
Bild 2: Semmering, Österreich Werbung, aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek
Bild 3: Beliebte Sommerfrische. Gruß aus Eggenberg-Baierdorf, aus der Sammlung des GrazMuseum Zentrum für Informationsmodellierung - Austrian Centre for Digital Humanities, Karl-Franzens-Universität Graz
Bild 4: Zell am See, Franz Hubmann, aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

Die Suche nach der Abkühlung:

In Italien spricht man von „prendere il fresco“ (die Frische= eine Abkühlung nehmen), plant man einen Spaziergang. Der deutsche Begriff „Sommerfrische“ leitet sich angeblich aus dem Südtiroler Raum ab, wonach die BürgerInnen des sommerlich heißen Talkessels Bozen in den hitzigen Sommermonaten auf ihren Hausberg, den Ritten, zogen, dort ihre Häuser bauten, die in der Kühle des Mittelgebirges den Sommer erträglich werden ließen.

„frisch(e), f. ebenda, das in diesem sinne schon aus dem 17.
jahrh. bezeugt ist: wo die statt Bozen ire refrigeria oder frischen halten.“ Aus dem Wörterbuch der Brüder Grimm

Stadt und Land – Sommer und Winter:

Die Landwirtschaft bestimmte ursprünglich das Verhalten der Menschen im Jahresverlauf. Die Bewirtschaftung und Pflege verlangten die Anwesenheit auf den Feldern, Wirtschaftsgebäude und Gutshöfe waren Verwaltungseinheiten, die angeschlossen an das landwirtschaftliche Geschehen, die Erträge aus der Landwirtschaft verwalteten und vermarkteten.

In die Städte zog man über den Winter, wo das Leben erträglicher als in den unbeheizten Räumen am Land war und weiters auch mehr Abwechslung bedeutete für die Jahreszeit, die nicht der täglichen Arbeit am Feld gewidmet war.

Dieses Verhältnis änderte sich im Zuge des Aufkommens der Industrialisierung mit ihren Folgen der Verstädterung (es entstanden die ersten Millionenstädte mit London, Paris, Berlin und Wien) und der Landflucht (Abwanderung großer Teile der ländlichen Bevölkerung in die Städte, die Arbeit boten). Die Industrielle Revolution ließ die Stadt mit teils innerhalb ihrer Zonen tätigen Fabriken zum Zentrum des wirtschaftlichen Geschehens werden.

Die Zunahme von Fabriken und das stetige Wachstum der Bevölkerungszahl wirkte sich auf die Lebensqualitäten in den Metropolen aus. Häufig durch schlechte hygienische Verhältnisse verursacht, verbreiteten sich viele Krankheiten und Infektionen rasant. Viele Lungenerkrankungen im Zuge schlechter werdender Luftverhältnisse im städtischen Großraum waren die Folge.

Die Flucht aus der Stadt galt als heilsames Versprechen. Der Aufenthalt auf dem Land versprach Erholung von dem komplexer werdenden Treiben des städtischen Alltags und Lebens.
Aristokratie und wohlhabendes Bürgertum begannen im nahen Umland nach gut erreichbaren Zufluchtsorten zu suchen und nahe der wiederentdeckten Natur bauten sie sich Villen und Sommerresidenzen.
Die Ausstattung mit der nötigen Infrastruktur beflügelte die Ansiedelung von Sommerwohnsitzen bestimmter Regionen und ließ diese zu einem Anziehungspunkt für „Sommerfrischler“ werden.

Dem Bau der spektakulären Hochgebirgsbahn, der „Semmeringbahn“, die 1854 eröffnet wurde, verdankte die Region Semmering, Rax und Reichenau einen guten Teil ihrer Beliebtheit unter der Wiener Gesellschaft. Kaiser Franz Josef und seine Gemahlin „Sisi“ kamen viele Jahre zur Sommerfrische in die Region. Als Folge siedelten sich auch Hochadel und reiches Bürgertum in der Gegend an. Weiters kamen viele berühmte Wissenschaftler und Künstler in das mit der Bahn in nur einer Stunde erreichbare Rax- und Semmering Gebiet. Viktor Frankl und Sigmund Freud ließen sich dort inspirieren. Viele Künstler der Wiener Moderne wie Arthur Schnitzler, Stefan Zweig, Hugo von Hofmannsthal, Heimito von Doderer, Arnold Schönberg, Oskar Kokoschka, Gustav Mahler, Franz Werfel haben in ihrer Sommerfrische Inspiration und Ansätze für neue Werke erdacht und viel geschrieben. Einige ließen sich dort auch Sommersitze bauen wie zum Beispiel Heimito von Doderer.

Die Westbahn bildete eine Verbindung zu den Seen des Salzkammerguts mit dem Traunsee, Attersee und Wolfgangsee. Auch Bad Ischl als Kaiserliche Sommerresidenz wurde ein zentraler Ort der Sommerfrische im Fin de Siécle.

Die neu entstandenen Verkehrsnetze ließen in diesen Regionen kulturell und wirtschaftlich rasch eine breit aufgestellte Infrastruktur entstehen, die ganze Gemeinden von den „Sommerfrischlern“ leben ließ. Es wurden Villen und Häuser errichtet, die sich häufig an den architektonischen Gebrauch, dem sogenannten „Heimatstil“ der jeweiligen Gemeinde und Region anpassten.

Privatquartiere, Gasthäuser und Hotels lebten von den Gästen, die über keinen eigenen Sommersitz verfügten, aber Teil des Geschehens sein wollten. Manche blieben ein paar Tage, andere gleich über die Sommermonate, die Landlust, Landluft und Sommerstimmung boten.

Insofern sind die Sommerfrische und der in Folge aufkommende Tourismus zwei eng verbundene Phänomene, die sich im 19. Jahrhundert entwickelten und ab Mitte des 20. Jahrhunderts zu einem sogenannten Massenphänomen wurden. Speziell mit der Einführung des bezahlten Urlaubs in den 1930er Jahren entwickelte sich der Sommerurlaub rasant.

CurorteIllustrierte
VerpflegungSommerfrischler
Ausflug der Familie Dumba
Badezeitung

Bild 1: Illustrierte Kurorte-Zeitung, 1891-09-20, aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek
Bild 2: Verpflegung Sommerfrischler – Kundmachung – Salzburg, aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek
Bild 3: Ein Ausflug der Familie Dumba in der Sommerfrische in Liezen, Gemälde von Rudolf Alt, aus der Graphischen Sammlung der Albertina
Bild 4: OEB - Oesterreichische Badezeitung : Organ für die Interessen der europäischen Kurorte und des Kurpublikums, 1876-09-17,aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

In der Gründerzeit entwickelten sich Kurorte wie Bad Gastein, Bad Fuschl oder das sogenannte Steirische Thermenland mit Bad Gleichenberg, Bad Radkersburg und Bad Waltersdorf.

Was in der Stadt als Standard galt, fand bald auch Einzug in die Infrastruktur der Kurorte. Der Gast wollte die Vorteile des Landlebens mit gewissen kulturellen Vorlieben aus der Stadt vereint sehen. Strandcafés, Kasinos, Theater, Kurkapellen, das Freibad und ähnliche Einrichtungen versuchten dem Sommergast seine Sommerfrische mit kulturellem Programm und einfachem Spaß zu versüßen.
Ein Bäderführer aus dem Jahr 1910 nannte 421 Kurorte mit Heil und Mineralquellen und jeder verfügte über ein seinen Mitteln entsprechendes Musikensemble. Mit teils bis zu 40 Orchestermitgliedern bedeutete eine Musikkappelle auch einen beträchtlichen finanziellen Aufwand. Je nach wirtschaftlichem Vermögen der jeweiligen Kurorte wandelte sich die Zahl der Orchestergröße und war eine Art Statussymbol für den Kurort.

In jedem Fall war dem Kurgast zu wünschen, dass – mit Ringelnatz gesprochen – dieser sich in seinen Melodien von dem „Wolkengezupf“ lenken ließ, sich vergessen konnte und sein Denken nicht weiter reichte als ein „Grashüpferhupf“.

In der Sommerfrische liegt die Kraft!