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Dienstag, 16. Oktober 2018


Dienstag, 28. Mai 2019 um 11:30:11 von Kulturpool Redaktion

Frühjahrsmüdigkeit und der Schlaf in der Kunst

Anlass
Frühjahrsmüdigkeit und der Schlaf in der Kunst

Effekte einer Jahreszeit


Nikolai Petrowitsch Bogdanov Luz, W. A. (private Sammlung)
Im Garten schlafendes junges Mädchen, von strickender alter Frau bewacht
Bildarchiv, Foto Marburg, Europeana


Unbekannter Künstler/in
Frühling im Stadtpark, zwei Männer in dicken Mänteln sitzen in der Sonne und schlafen
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

Ernst Jandl, Sprechgedichte: "Him Hanflang war das Wort"

früh im frühling
im frühling somm
somm in sommer
im sommer herb
herb in herbst
im herbst wint
wint in winter
im winter früh

Unter den Jahreszeiten ist es der Frühling, dem Attribute wie Energie, Aufwachen, Neuanfang zugesprochen werden. Alles blüht und entfaltet sich, das Auge kann beinahe mitverfolgen, mit wieviel Kraft die Pflanzen aufgehen, mit welchen intensiven Farbquellen diese ausgestattet werden und mit wie viel Energie diese sich selbst als auch ihr Umfeld versorgen.

So steht der Frühling metaphorisch auch für eine Phase des Aufwachens und des Neubeginns.
Analog dazu könnte man meinen, dass neben den Pflanzen auch die anderen Lebewesen gleiches verspüren und versprühen müssten. Der Mensch, der nach der kargen Winterzeit neue Kräfte braucht, um das wieder kultivierbare Land zu beackern, weil dieser den Bedarf an Lebensmittel für seine Umgebung herstellen will, befindet sich in einem Dilemma. Steckt doch dessen Organismus mitten in inneren Prozessen, die ihn beizeiten eher lähmen als stärken und die eine latente, fast chronische Müdigkeit mit sich bringen. Viele tausende Jahre Zivilisation und der Mensch hat sich noch immer nicht vollends auf den Wandel der Jahreszeit einstellen können. Warum ist das so?

Weil die Tage wieder länger werden, bringt der Frühling mehr Licht und meist auch mehr Wärme mit sich. Das bewirkt unter anderem auch, dass unser Schlaf-Wach-Rhythmus sich der neuen Jahreszeit anpassen muss während der Hormonhaushalt eine Art Frühjahrskur mit zwei seiner wichtigsten Botenstoffen vollzieht: Melatonin und Serotonin.

Was nach einer Oper von Donizetti klingen mag oder nach einer eleganten Nachspeise inklusive passendem Digestif sind zwei wirkungsvolle und essentielle Hormone, die sich während der jährlichen Übergangsphase in uns stark bemerkbar machen. Wie zwei Wächter im dauernden Betreuungswechsel, rochieren sie laufend - nicht ohne Wirkung auf den Menschen.

Melatonin, ist das Schlafhormon, welches den Tag-Nacht-Rhythmus, den sogenannten zirkadianen Rhythmus des Menschen mitbestimmt. Es entsteht in der menschlichen Zirbeldrüse, die nachts arbeitet, um Serotonin, welches im Laufe des Tages im Gehirn produziert wurde zu Melatonin zu wandeln. Bei Anbeginn der Dunkelheit bewirkt das Melatonin einen Einbruch des Energiehaushaltes, es entsteht ein Gefühl der Müdigkeit und der Mensch wird schläfrig. Der Melatonin-Spiegel steigt während der Nacht deutlich an, erreicht zwischen zwei und drei Uhr morgens seinen Höhepunkt und sinkt bei Dämmerung wieder ab, da durch das aufkommende Tageslicht die Ausschüttung des Schlafhormons gehemmt wird. Je älter man wird, desto weniger wird vom Körper Melatonin produziert. Die Folgen sind beispielsweise schlaflosere Nächte.


Peter Paul Rubens (1577 Siegen - 1640 Antwerpen)
"Einsiedler und schlafende Angelica"
Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie


Anonym nach Francesco Primaticcio (1504 Bologna - 1570 Paris)
"Juno bei dem Schlafe, um die Abreise des Odysseus hinzuhalten"
Graphische Sammlung der Albertina, Wien

Die Vorfreude auf den Schlaf

Nun kann der Mensch sich bewusst auf diesen Prozess der Umstellung einlassen und durch Adaption bestimmter Gewohnheitsmuster diese Jahreszeit so leben, dass ihn die Müdigkeit nicht unvorbereitet überfällt, sondern eher abholt im Sinne einer erwarteten Vorfreude auf Schlaf und Ruhe.


Joe J. Heydecker
Ruhepause am Marienplatz
Österreichische Nationalbibliothek


Josef Danhauser (1805 Wien - 1845 Wien)
Bei Tisch Schlafender
Graphische Sammlung der Albertina, Wien

Der Tag kann durch einen Mittagsschlaf unterbrochen werden, da längeres Tageslicht auch einen erweiterten Spielraum bedingt und die für einen Werktag aufzuwendende Energie gut eingeteilt sein will.


Joe J. Heydecker
Mittags-Schläfchen - Schlafender Popcorn-Verkäufer im Park Ibirapuera
Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek, Europeana Travel

Aus dieser Perspektive gibt es viele Arten des Schlafes, viele Varianten eines Aufgehens in einen anderen Bewusstseinszustand. Nach dem kulinarischen Appetit kommt der Appetit auf Schlaf. Aber Müdigkeit allein verheißt noch kein sicheres Einschlafen-Können.
Je nachdem ringen der Körper und sein Bewusstsein mit der Furcht bzw. Sorge nicht einschlafen zu können oder er stellt sich mit Freude auf die Zyklen ein, die nach dem Einschlafen das Bewusstsein durchwandern.


Schlafmatte, gerollt
Weltmuseum Wien, Afrika südlich der Sahara

Bei unterschwellig und langsam sich einstellender Müdigkeit entsteht die Vorfreude mit dem Moment an dem der Tag als abgeschlossen gilt, an dem alle Türen und Pforten geschlossen werden und auch die ständig mitlaufenden Agenden wie ein Buch zugeklappt werden. Der Kopf lässt sich auf weiche Daunen und Federn fallen, die Augen schließen sich und ein neuer Gemütszustand wird erreicht. Entspannung und freudige Erwartung auf das einschlafen und den nicht minder schönen Moment, sich bewusst in dieser Zwischenzone zu befinden, der kurz vor dem wirklichen Einschlafen ein berührender und einfacher Genuss sein kann.


Carl Pischinger (1823 Niederhollabrunn-Streitdorf - 1886 Liezen)
Schlafender
Graphische Sammlung der Albertina, Wien


Eugen Felle
Von froher Sitzung zog ich heim um Mitternacht beim Monden schein, die Häuser schwankten sehr, o Graus, jetzt schlaf ich meinen Affen aus!
Postkarte aus der Sammlung der Vorarlberger Landesbibliothek


Anonym, Albrecht Dürer zugeschrieben (1471 Nürnberg - 1528 Nürnberg) _
Christus im Schiffe schlafend
Graphische Sammlung der Albertina, Wien

Das Entgleiten in den Schlaf, das Erreichen des Träumens - Zyklen und Phasen

In der Malerei vermittelt der Anblick eines schlafenden Menschen meist den Eindruck von Ruhe und Entspanntheit. Ein verträumt ruhendes Gesicht führt einen schnell in die wesentlichen Szenen eines Gemäldes und nimmt den Betrachtenden mit in die Themenwelten, die der Traumzustand suggerieren mag.


Franz Alt (1821 Wien - 1914 Wien)
Schlafendes Kleinkind
Graphische Sammlung, Albertina Wien


Rembrandt Harmensz van Rijn (1606 Leiden - 1669 Amsterdam)
Alte schlafende Frau
Graphische Sammlung, Albertina Wien

Faszinierend, dass jeder Mensch zwei bewusstseinsändernde Momente pro Tag erlebt, durch das Einschlafen und das Aufwachen. Der ganze Ablauf lässt sich in mehrere Phasen und Zyklen einteilen.

Pro Nacht durchlaufen wir vier bis sechs Zyklen zu je ungefähr 60 bis 90 Minuten. Jeder dieser Zyklen ist von dem Ablauf von mindestens vier Schlafphasen geprägt. Alle diese Phasen haben ihre Funktion und Wirkung auf den Menschen.

In der Einschlafphase befinden wir uns in einem Zustand der Entspannung, die Hirnströme verlangsamen sich zusehends, die Muskeln lockern sich und der Puls schlägt gleichmäßig. In der Einschlafphase kann es leicht passieren, dass man durch aufkommende störende Geräusche wieder wach wird.

In der Leichtschlafphase erleben wir Muskelzuckungen sowie die Entspannung der Muskeln, wir schränken die Sinneswahrnehmungen ein und schalten das Bewusstsein ab. Die leichte Schlafphase ist die häufigste unter den Phasen, bzw. diejenige, die die meiste Zeit während des Schlafes in Anspruch nimmt. Man sagt, dass in dieser Phase viel von dem untertags Erlebten verarbeitet wird, gelerntes Wissen gefestigt wird und für die Gesundheit gestärkt wird. Gegen Ende der Nacht nimmt diese Phase die meiste Zeit in Anspruch.

Non-REM-Tiefschlafphase lässt die Muskulatur völlig entspannen und die größte Regeneration des Körpers (Schlafwandeln, Sprechen..) unter den Phasen setzt ein, unsere Wachstumshormone kümmern sich um die Erneuerung der Zellen, das Ersetzen abgestorbener Hautzellen durch neue, das Immunsystem ist aktiv und bekämpft Angreifer, das Gehirn arbeitet daran was wir an Aufgenommenem und Gelerntem über Tag behalten wollen und sortiert Unrelevantes aus. Der Stoffwechsel wird angeregt.
Wir können also sagen, dass wir in der Tiefschlafphase einerseits am entspanntesten sind, andererseits der Körper auch am aktivsten hinsichtlich der Funktionsweise des Schlafes ist.

In den ersten drei bis vier Stunden sind die Tiefschlafphasen am längsten, was mit ein Grund ist warum wir mindestens vier bis fünf Stunden Schlaf brauchen, um sich wirkungsvoll zu regenerieren.

REM-Schlafphase bedeutet viel Augenbewegung (daher REM = Rapid-Eye-Movement), lebhafte Träume sowie höheren Blutdruck und verstärkte Atmung.
Diese Phase wird auch die Traumphase genannt, da Menschen, die aus dieser Phase geweckt werden, sich häufig an ihre Träume erinnern können. In dieser Phase steigt der Herzschlag wieder, wir atmen wieder unregelmäßiger, aber Muskel sind noch entspannt, daher bleiben wir ruhig und schlagen im Traum nicht um uns, was wir bildlich und szenisch allerdings durchleben mögen.


Tamamura Kōzaburō
Schlafende Geisha
Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Europeana

Der mythologische Abbildung in der Bildenden Kunst

In der bildenden Kunst wird der Schlaf häufig als Hypnos, der mythologische Gott des Schlafes dargestellt.


2. Jh. n. Chr., nach griech. Original des 4. Jhs. v. Chr.
Kunsthistorisches Museum Wien, Antikensammlung

Oft trägt er ein Füllhorn mit sich und verströmt den Schlaf bringenden Saft, oder führt ein Bündel Mohnkapseln mit sich. Häufig wird er selbst als schlafend gemalt, eventuell mit Kränzen von Schlafmohn-Blüten umgeben. Auch mit Flügeln oder Vogelschwingen, sowie mit Schmetterlingsflügel teils an den Schläfen findet man Abbildungen über die Jahrhunderte. Durchgehend in der Geschichte der Malerei findet man jedenfalls das Füllhorn, als ein immer wieder verwendetes Symbol seiner Darstellung. Falls Mohn- oder andere Zweige auf Gemälden auftauchen, scheinen diese meist vorher in den Fluss Lethe getaucht worden zu sein. Häufig finden sich Abbildungen auf Sarkophagen in sehr variierenden Darstellungen.

Hypnos ist Sohn der Nacht Nyx und der Finsternis (Dunkelheit) Erebos. Aus dieser Verbindung gehen auch der Tag Hemera und die Luft Aither hervor. Sein Bruder ist der Tod Thanatos. Hypnos wohnt in der Unterwelt (Hades) in einer laut- und lichtlosen Höhle an der Quelle des Flusses der Vergesslichkeit „Lethe“. Der Ort, an dem sich Tag und Nacht begegnen. Am Eingang seiner Höhle wachsen Kräuter mit einschläfernder Wirkung. Morpheus, Phantasos und Phobetor heißen seine Kinder, welche Götter des Traumes sind. Morpheus bedeutet „die Gestalt“, Phantasos „die Einbildung“ und Phobetor „der Schrecken“.

Hypnos besitzt die unter Göttern einzigartige Fähigkeit nicht nur die Menschen, sondern auch Götter in Tiefschlaf fallen zu lassen. Selbst den Göttervater Zeus versetzt er mehrmals in eine Art Tiefschlaf.


Anonym, Wiener Meister zugeschrieben
Gott erscheint einem schlafenden König
Graphische Sammlung der Albertina, Wien

In den Schilderungen Ovids kommt Hypnos als ein freundlicher und sanftmütiger Gott vor, der die Menschen unterstützen will. Als Gegenleistung nimmt er die Menschen durch die Anrechnung der Hälfte ihrer Lebenszeit in Form von Schlaf quasi in Besitz.


Giulio Carpioni (1613 Venedig - 1679 Vicenza)
Iris als Botschafterin im Reich des Hypnos
Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie

In der griechischen Mythologie steht für den Traum neben seinen mythologischen Geschwistern in erster Linie Morpheus.

Morpheus kann sich in ein beliebiges menschliches Lebewesen verwandeln („morph“ bedeutet im alten Griechisch wandeln, gestalten, siehe auch Morphologie) und dem Menschen im Traum erscheinen. Meist tritt er in der Gestalt eines geflügelten Dämons in Erscheinung und trägt Schlafmohnkapseln mit sich. Zwiegespalten zwischen positiver Assoziation und Abbildungen mit denen Morpheus mit bösen Eigenschaften und Absichten konnotiert wird, spiegeln viele Kunstwerke die Grenzen von gesundem und erholsamem Traum und Albträumen wider. Mehrere Kulturkreise verehren Morpheus als ihren Gott des „einschlafenden Sterbens“.

Die Redewendung „In Morpheus Armen“ will meist den Schlaf bezeichnen und stellt wohl in diesem Zusammenhang ein Missverständnis dar, da eher das Einschlafen mit diesem Zitat bezeichnet werden soll, als der Traum. Ob die zwei Götter in dieser Hinsicht in einen Zuständigkeits- oder in einen frühen Vater - Sohnkonflikt gerieten, ist nicht überliefert.


Jean Lepautre, herausgegeben von P. Mariette
Déiphobe wird von den Griechen im Schlaf ermordet
MAK – Österreichisches Museum für angewandte Kunst / Gegenwartskunst, Ornamentstichsammlung

Sonntag, 20. Januar 2019 um 17:07:32 von Kulturpool Redaktion

Maximilian I. - 500. Todestag

Anlass
500. Todestag Maximilian I.

Triumphzug Maximilian I

Triumphzug Kaiser Maximilians I.: Der Triumphwagen des Kaisers mit seiner Familie
Aus der Graphischen Sammlung der Albertina Wien

Gedenkjahr Kaiser Maximilian I.
Ausstellungen, Symposien, Sonderschauen 2019

Eine Vielzahl an Ausstellungen, Symposien, Sonderschauen, Büchern und Katalogen widmen sich heuer dem Leben und Werk Maximilian I. anlässlich seines 500. Todestages.

Von der Nationalbibliothek bis zu Ausstellungen im Metropolitan Museum New York oder in Tokio zeigen heimische wie auch internationale Museen Objekte, Werke, Sonderkompositionen, Digitalisierierungsprojekte und erzählen Geschichten und Besonderheiten des Habsburger Kaisers, der in einem sehr intensiven Zeitalter zwischen zwei Epochen herrschte.

Vor allem seine Lieblingsstadt Innsbruck und das durch seine Politik in den Herrschaftsbereich der Habsburger gelangte Land Tirol werden eine Vielzahl an Gedenkveranstaltungen vorzeigen.

Kaiser Maximilian I. Ein großer Habsburger. (VORSCHAU)
15. März 2019 – 3. November 2019 Österreichische Nationalbibliothek
2019 widmet die Österreichische Nationalbibliothek dem bedeutenden Monarchen eine Sonderausstellung im Prunksaal anlässlich seines 500. Todestages.

Kaiser Maximilian I. wird gern als „letzter Ritter“ bezeichnet, denn in seine Regentschaft fällt die Zeitenwende vom Mittelalter zur Renaissance. Als er 1519 starb, war Amerika entdeckt, der Buchdruck mit beweglichen Lettern erfunden und neue humanistische Ideen hatten sich in seinem Reich verbreitet. Die große Sonderausstellung der Österreichischen Nationalbibliothek präsentiert den Herrscher und seine Zeit anhand zahlreicher, eindrucksvoller Handschriften und Frühdrucke.

Maximilians Erziehung war noch ganz von mittelalterlichen Traditionen geprägt und er begeisterte sich besonders für Jagd und Turniere. Doch als Kaiser entwickelte er ein neues Herrscherideal und öffnete sich dem „Zeitgeist“. Durch diese Aufbruchsstimmung zog sein Hof bald zahlreiche Künstler und Denker an. Im Umkreis Maximilians beschäftigten sich Gelehrte mit so unterschiedlichen Themen wie der Übersetzung von Hieroglyphen oder der Erstellung von Land- und Himmelskarten, die bis heute als wertvolle Zeugnisse dieses Aufschwungs erhalten sind.

Einen wesentlichen Anteil an diesen kulturellen Entwicklungen hatten auch Maximilians familiäre Bindungen nach Burgund und Italien: Kunst, Musik und das strenge Hofzeremoniell dort beeindruckten ihn nachhaltig. Durch seine Ehen kamen außergewöhnliche Bücherschätze an seine Bibliothek wie etwa das Stundenbuch der Maria von Burgund. Ebenfalls im Prunksaal zu sehen ist der berühmte „Weißkunig“, ein reich illustriertes Werk mit autobiografischen Zügen.

Rubensbild Maximilian I
Bildnis von Kaiser Maximilian I. im Profil nach rechts
Peter Paul Rubens (Zugeschrieben an) (Siegen 1577 - 1640 Antwerpen)
Aus der Graphischen Sammlung der Albertina Wien

Internationale Tagung zum 500. Todestag Maximilians I.
18.03.2019

Maximilian I. (1459–1519). Person, Brüche und Umbrüche einer Brückenzeit
Die mit den international führenden ExpertInnen für Kaiser Maximilian besetzte Tagung wird ein weites Panorama dieser Herrscherpersönlichkeit am Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit schaffen. Maximilian wird nicht nur als politische Gestalt in den Blick genommen, sondern auch als Monarch im Zentrum eines kulturell und künstlerisch ungemein produktiven Hofes und als Akteur einer Zeit tiefgreifender politischer, kultureller und weltanschaulicher Umbrüche. Die Vorträge am Eröffnungsnachmittag finden im Riesensaal der Innsbrucker Hofburg statt und behandeln die Person Maximilian sowie das Europa, in dem er wirkte. Die Vorträge am Dienstag und Mittwoch, die im Kaiser-Leopold-Saal der Universität stattfinden, überblicken eine Vielfalt von Themen, vom höfischen Leben über seine Verwaltungseliten bis hin zu seiner medialen Selbstdarstellung.

Maximilian Habsburg Jagellonen
Familie des Kaisers Maximilian I. (1459-1519)
Aus der Gemäldegalerie des Kunsthistorischen Museum Wiens

Auch die Stadt Wels widmet dem Habsburger eine Ausstellung:
21. März bis 27. Oktober

Die Stadt Wels, in deren Burg der Kaiser starb, zeigt dort von 21. März bis 27. Oktober die Sonderausstellung “Kaiser Maximilian I. – Kaiser – Reformer – Mensch. Zum 500. Todesjahr des letzten Ritters”. Sie beleuchtet sein machtpolitisches Streben, seine Reformen und Neuerungen im Reich sowie die Verklärung seiner Person nach seinem Tod. Die Schau legt besonderes Augenmerk auf die Beziehung des Kaisers zu Wels und zu den Polheimern, einem Adelsgeschlecht, dessen Angehörige in enger Verbindung zum Regenten und zur Stadt standen. Inszenierungen zu den Themen Jagd und Fischerei sowie Feste und Turniere ermöglichen einen Eindruck vom Leben am Hof des Kaisers. Als Glücksfall für die Ausstellung erweist sich, dass der Kaiser die neuen Formen der Druckkunst zur publikumswirksamen Darstellung seiner persönlichen aber auch seiner politischen Ziele nutzte. Originale Holzschnitte, Gemälde und literarische Werke werden als Faksimile präsentiert oder als grafische Auf- beziehungsweise Umarbeitung.

In Kooperation mit dem Oberösterreichischen Münzsammlerverein Wels entstanden zwei Gedenkmünzen, die anlässlich des 500. Todestages zu erwerben sind. Außerdem wird es 2019 eine Sonderbriefmarke samt Sonderpoststempel geben. Die Tourismusregion Wels plant zudem zahlreiche weitere Veranstaltungen und Aktivitäten. Beispielsweise begeben sich eigene Sonderstadtführungen auf die Spuren des Kaisers im alten Wels.

Maximilian Familie
Kaiser Maximilian I. im Kreise seiner Familie
Aus der Sammlung REALonline, Institut für Realienkunde - Universität Salzburg

Kaiser Maximilian I. im Mathias Schmid Museum Ischgl
Die Ausstellung läuft vom 6. Oktober 2018 bis Ende 2019

Das Mathias Schmid Museum in Ischgl feiert 2019 das 20-Jahr-Jubiläum. Den Auftakt dazu bildet am 6. Oktober 2018 die Eröffnung der Ausstellung über Kaiser Maximilian. Auch am Paznaun ging der Schwabenkrieg im Jahr 1499 nicht spurlos vorbei. Zudem ist auch das Jagdgebiet um Ischgl im Jagdbuch von Kaiser Maximilian I. (um 1500) vortrefflich beschrieben. Nachdem Ischgl im Jahr 1505 von Maximilian I. das Mautrecht im Fimbatal erhalten hatte, entwickelte sich die Gemeinde zu einem wohlhabenden Handelszentrum. Vom bekannten Paznauner Künstler Mathias Schmid (1835-1923) stammt das Gemälde „Kaiser Maximilian I. im Kloster Valduna" (1870). Dieses Gemälde ist Teil eines vierteiligen Gemäldezyklus „Aus der Vorarlberger Sagenwelt", dass der Mäzen Josef Andreas Ritter von Tschavoll bei Mathias Schmid für seine Villa in Feldkirch in Auftrag gab. Das originale Skizzenbuch mit den vorbreitenden Bleistiftzeichnungen zum Gemälde „Kaiser Maximilian I. in Valduna" (1870) ist im Mathias Schmid Museum zu sehen.

Röm. Dt Kaiser
Maximilian I., romisch-deutscher Kaiser (22.03.1459-12.01.1519); s.d. (sine dato)
Sammlung von Objekten des Archivs der Universität Wien,Universitätsbibliothek Wien - Phaidra

“The Last Knight”
Ab 3. Oktober 2019
Metropolitan Museum of Art, New York

Acht Jahre jünger als Christoph Kolumbus zeigt das Metropolitan Museum of Art ab 3. Oktober in der Schau
“The Last Knight” vor allem Prunkstücke aus der Hofjagd- und Rüstkammer.

Grabmal
Rest eines Feldküriss
Aus der Sammlung der Hofjagd- und Rüstkammer des Kunsthistorischen Museum Wiens

Wiener Neustadt, seine Geburtsstadt hat mit Gedenkmessen begonnen und setzt auch auf musikalische Darbietungen. Musik, war bekanntermaßen eine Leidenschaft Maximilian I.

Geboren und begraben wurde Maximilian in Wiener Neustadt. Seine letzte Ruhestätte fand er in der St.-Georgs-Kathedrale, wo am Freitag (11. Jänner) der vom Innsbrucker Künstlerduo Martin und Werner Feiersinger neu gestaltete Altar geweiht wird. Der neue Altar soll von allen Bereichen der Kathedrale aus besser sichtbar sein, der monumentale Grabaufbau, den Maria Theresia ihrem Vorfahren errichten ließ, wurde von den Überbauten der 1990er-Jahre befreit und ist nun besser zugänglich. Am 500. Todestag am 12. Jänner wird ein Requiem aufgeführt. Im Zuge der Landesausstellung “Welt in Bewegung!” widmet sich die Theresianische Militärakademie ab 30. März dem Leben und Wirken des Kaisers. Ab dem 11. Mai läuft im Theater im Neukloster das Musical “Maximilian – ein wahrer Ritter” von Florian Scherz. Abgerundet werden die Veranstaltungen mit einem “Kaiserfest” am Gelände der Militärakademie. Auch Spezielles für Kinder wird geboten, die Palette reicht von Vorlesenachmittagen bis zu einem Musiktheater.

Grabmal
Grabmal des Kaisers Maximilian in der Hofkirche von Innsbruck
Aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

Donnerstag, 29. November 2018 um 09:33:38 von Kulturpool Redaktion

Sprichwörter zur Zeit Bruegels Teil 2

Anlass
Sprichwörter zur Zeit Bruegels


Niederländische Sprichwörter, Pieter Bruegel, Europeana, Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie, Berlin

Die niederländischen Sprichwörter oder auch die flämischen Sprichwörter enthalten mehr als 100 Redewendungen, die zum guten Teil heute noch geläufig sind.

Das 1559 entstandene Ölgemälde „Die Niederländischen Sprichwörter“ von Pieter Bruegel dem Älteren wird gerne neben dem auch 1559 entstandenen Bild „Kampf zwischen Fasching und Fasten", sowie dem 1560 entstandenen Gemälde „Kinderspiele“ als sogenanntes „Wimmelbild“ bezeichnet.

Der Begriff ist bis heute üblich für Bilderbücher, die charakteristischerweise meist auf deutlich dickerem Papier bzw. Karton gedruckt sind, überdimensionierte Formate aufweisen und die mit möglichst vielen Einzelheiten, bei denen es von Eindrücken und Szenen nur so „wimmelt“, den Lesenden in ihre bebilderte Welt entführen.
Ein weiteres Kriterium ist die aufgezeigte Perspektive, die dem Betrachter eine Übersicht über das Geschehen vermitteln soll. Der Horizont ist meist hoch angelegt und schafft einen Blick über einen weiten Raum, um möglichst viele detaillierte Szenen erfassen zu können.

Pieter Bruegel verarbeitet in seinen Wimmelbildern eine Vielzahl an Figuren und Details, wie eben eine Sammlung an Sprichwörtern oder eine bildliche Aufzählung von Kinderspielen. Auf dem Gemälde „Kinderspiele“ zeigt er 230 Figuren und zitiert über 90 Kinderspiele. Einige wie „Blinde Kuh“ sind über die Jahrhunderte bis heute beliebte Kinderspiele geblieben. Andere der aufgezählten Spiele sind mitunter in Vergessenheit geraten und deren Spielverlauf nicht mehr nachvollziehbar.

Auch wie im Teil 1 beschrieben, sind eine Vielzahl von den „Niederländischen Sprichwörter“ bis heute noch selbst im Alltagsgebrauch in der deutschen Sprache vorzufinden.

In diesem Gemälde lassen sich anhand zig-facher Szenen die unterschiedlichsten Sprichwörter ausfindig machen, die Lebenssätze beschreiben, die in heutiger Form und Sprache immer noch Anwendung und Ausdruck finden und eben vielleicht auch durch dieses Werk und dessen Rezeption weiter im Sprachgebrauch geblieben sind.

Die Niederländischen Sprichwörter


Erläuterungen mit Zahlensystem zu den Niederländischen Sprichwörtern, Wikipedia

Ein paar weitere Beispiele mit Details aus Bruegels "Niederländische Sprichwörter":


1 Den Teufel aufs Kissen binden
Durch Starrköpfigkeit selbst den Teufel überwinden


2 Ein Pfeilerbeißer
Jemand ist ein scheinheiliger Heuchler


3 Sie trägt Feuer in der einen, Wasser in der anderen Hand
Jemand ist eine doppelzüngige Person


4 An einem Fuß einen Schuh, der andere barfuß
Gleichgewicht ist entscheidend


5 Scher sie ab, doch schinde sie nicht
Opfere nicht für einen kurzfristigen Vorteil die Erträge der Zukunft;
suche nicht um jeden Preis deinen Vorteil

oder:

5 Man muss das Schaf scheren, um seine Wolle zu haben
Man muss eine Arbeit tun, um den Lohn zu erhalten


15 Sich an der Seite des Geldbeutels festhalten
Liebe hängt auf der Seite des Geldbeutels; sich an finanziellen Vorteilen orientieren


17 Er geht von einem Brot zum anderen
Mit seinem Geld nicht auskommen

Für das vertiefende Entdecken von Details in den Werken Bruegels hilft eine im Rahmen eines großangelegten Forschungsprojektes sehr interessante Website - "Inside Bruegel“.

Auf dieser Website lässt sich vertiefend Einblick in einige aus der Sammlung des Kunsthistorischen Museum Wiens wesentliche Werke Bruegels gewinnen und grundlegende Details sowie Herangehens- und Malweisen Bruegels erkennen.

Unter Zuhilfenahme unterschiedlicher „Lupen“ wie der Makrofotografie, Makroinfrarotfotografie, Infrarotreflektografie oder Röntgen lassen sich eine besondere Auswahl an Bruegel-Klassikern mit einer jeweils auf unterschiedliche Details aufmerksam machenden Methode erforschen.

http://www.insidebruegel.net/

„Inside Bruegel“ eröffnet einen kostenfreien Zugang auf hochaufgelöste digitale Bilder zu zwölf seiner ganz besonderen Gemälde.

Das Projekt entstand in Kooperation mit der Getty Foundation, die mit ihrer Panel Paintings Initiative vor allem KonservatorInnen sowie gleichzeitig auch als Ausbildungsprojekt aufgesetzt jungen RestauratorInnen eine intensive Auseinandersetzung mit ausgewählten Werken ermöglicht.

Der Fokus setzt auf die systematische Untersuchung des Schaffensprozesses, Materialwahl und diverse Maltechniken sowie die Veränderung der jeweiligen Werke über die letzten Jahrhunderte. Sehr spannende Erkenntnisse resultierten aus diesem Verfahren und können so erstmals einer Öffentlichkeit erzählt und vermittelt werden.

Die langfristige Forschungsinitiative über das Kunstschaffen Pieter Bruegels d. Ä. legt das Hauptaugenmerk auf Tafelkonstruktion, Maltechnik, Materialgeschichte, die kunsthistorische Aufarbeitung und Provenienz der Werke.

Die unterschiedlichen „Lupen“:

In der Gemäldeuntersuchung nutzt man die Infrarotfotografie und Infrarotreflektografie, um unter die Oberfläche der Gemälde zu schauen und Unterzeichnungen unter den Malschichten sichtbar zu machen.

Röntgenaufnahmen, um den Bildträger, also beispielsweise das bemalte Holz, die Grundierung und die verwendeten Farbpigmente zu untersuchen. Röntgenfluoreszenzanalyse, um die qualitative und quantitative Bestimmung der elementaren Zusammensetzung zu ermöglichen. Dies trägt auch zur Bestimmung der verwendeten Farbpigmente bei.
3D-Kartierung, um die Gemälde genauestens zu vermessen und räumlich darzustellen.

Die Kombination der Ergebnisse aus all diesen Untersuchungen machen Bruegels Arbeitsweise nun viel besser nachvollziehbar. So wurden zum Beispiel Veränderungen an Bruegels Bildkompositionen erkannt, die der Künstler auch noch im weit fortgeschrittenen Malprozess gemacht hat.

Leicht lässt es sich so in die detailreichen Szenen Bruegels „zoomen“, um auf Besonderheiten und Feinheiten seiner Kunstfertigkeit zu stoßen.

Die Möglichkeit mit diesen Hilfsmitteln in die vielen kleinstteiligen Szenen im Werke Bruegels einzutauchen, soll neben Experten auch Kunstinteressierte inspirieren eigene Forschungsmomente zu erleben und in diversen Szenen besondere Details zu entdecken.

Das 1565 entstandene Gemälde „Die Jäger im Schnee“

Jäger im Schnee
Die Jäger im Schnee, aus der Sammlung des Kunsthistorischen Museum Wiens

Durch Verwendung des Rasters „Makrofotografie“ lassen sich auch bloß 1cm große Kleinstszenen und Vignetten (siehe unten) verfolgen, wie etwa das Hintergrundmotiv eines Jägers, der auf Enten schießt.

Jäger im Schnee, Detailaufnahme


Hochauflösende Aufnahmen ermöglichen das Fokussieren auf einen Teil des Gemäldes.

Mit Infrarotreflektografie

Ausgewählte Details werden parallel in sichtbarem Licht, Infrarotreflektografie und Röntgenaufnahmen dargestellt.

Mit Röntgentechnik

In diesem Beispiel können BetrachterInnen erkennen, dass der vordere Jäger nicht Teil der ursprünglichen Konzeption war. Bruegel setzte ihn auf den bereits gemalten Schnee und Baumstamm auf. Er wurde also erst in einem recht fortgeschrittenen Bildstadium hinzugefügt. Gerade diese Figur fungiert als Repoussoir (siehe unten), denn sie leitet den/die BetrachterIn in das Bild(geschehen) hinein.

Begriffe der Kunstgeschichte

Vignette

Das Wort Vignette leitet sich von „vigne“ der Weinrebe ab und bezeichnet ursprünglich die Kennzeichnung einer Rebsorte am Rande eines Weinbergs und das Etikett einer Weinflasche.
Weiters bedeutet es „Randverzierung“ und „Abzeichen“. Als solches hat es auch Eingang in den heutigen Sprachgebrauch gefunden, wenn wir zum Beispiel an die KFZ Vignette denken. Es lässt sich eben auch als ein Synonym für „Aufkleber“ oder „Siegel“ verstehen. Als Etikette auf der Weinflasche hat sich „Vignette“ auch als Beschreibung für die Randverzierungen auf Druckwerken etablieren können.

In der Porträt-Malerei bedeutet der Begriff Vignette die oft ovale Anfertigung von Miniaturgemälden, die zum Beispiel als Amulett oder als Teile anderer Schmuckstücke getragen wurden. In der heutigen Begriffswelt, wie zum Beispiel als Filteroption von Kameras diverser Smartphone-Programme findet sich Vignette als Bildfilter, der zu den Rändern hin unschärfer wird und Hintergrundelemente am Rand eines Bildes oder Fotos verschwinden lässt. Diese Technik wurde auch schon im 19. Jahrhundert häufig verwendet und auch so bezeichnet.

Repoussoir

Wie bei dem Gemälde „Die Jäger im Schnee“ dargestellt, bezeichnet man den später dazu gemalten Jäger als Repoussoir. Das Wort stammt aus dem Französischen und bedeutet „zurücktreiben“ – repousser. Als künstlerische Technik beschreibt es ein im Vordergrund eines Gemäldes oder heutzutage auch einer Fotografie platziertes Objekt, das sowohl durch übergroße Darstellung als auch durch meist dunkle Farbigkeit (siehe Vignette) im Verhältnis zum Rest der dargestellten Objekte eine Verstärkung des Tiefeneindrucks bewirkt.

Im Gemälde „Die Jäger im Schnee“ ist ein sehr interessantes Detail, das durch die Röntgenanalyse hervorkommt, dass das „Repoussoir“, in diesem Fall der vordere Jäger im Bild nicht Teil der anfänglichen Bildgestaltung war. Figurale Randerscheinungen, die die alleinige Funktion haben, den Blick des Betrachters in die Tiefe zu ziehen, werden als „Repoussoir-Figuren“ bezeichnet. Eine solche stellt der vordere Jäger wohl dar. Er nimmt uns mit in die Tiefe der Bilderzählung.

Diese technischen Tricks sind typisch für Renaissance-Malerei und sollen Raumtiefe vermitteln.

Montag, 29. Oktober 2018 um 11:20:09 von Kulturpool Redaktion

Sprichwörter zur Zeit Bruegels

Anlass
Sprichwörter zur Zeit Bruegels


Niederländische Sprichwörter, Pieter Bruegel, Europeana, Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie, Berlin

Eine kleine Sammlung aus Sprichwörtern aus dem Ölgemälde auf Eichenholz Pieter Bruegel des Älteren aus dem Jahr 1559, ein Jahr nach dem Tod Kaiser Karls V., in dessen Reich die Sonne einst nicht unterging.

Die niederländischen Sprichwörter oder auch die flämischen Sprichwörter enthalten mehr als 100 Redewendungen, die zum guten Teil heute noch geläufig sind.

Zur Zeit Bruegels war es keine Seltenheit Ansammlungen von Sprichwörtern in Druck- oder Kunstwerken darzustellen. Es gehörte fast zum guten Ton und bot Möglichkeiten Inhalte zu vermitteln, die vielleicht in direkter Rede nicht die gleiche Wirkung hätten erzielen können, bzw. aus Vorsichtsmaßnahme einer drohenden Zensur erst gar nicht in Prosa verfasst worden wären. Die Bildhaftigkeit ist ein wesentliches Merkmal des Sprichwortes, welches sich allegorischer Ausdrücke bedient, um Inhalte, Vorstellungen oder Wahrheitsgehalte zu kommunizieren, die in der direkten Rede eben nicht in dem gewünschten und erwarteten Effekt zur Geltung kommen würden.

Erasmus von Rotterdam, geboren vermutlich am 28.Oktober 1466/1467/1469, wahrscheinlich in Rotterdam, gestorben 11./12. Juli 1536 in Basel, hat eine Sammlung von Sprichwörtern und Sprüchen lateinischer Autoren herausgegeben. Die erste Ausgabe erschien im Jahr 1500 in Paris mit dem Titel Collectanea adagiorum („Gesammelte Sprichwörter“).

Der französische Humanist und Schriftsteller der Renaissance Rabelais, geboren ca. 1494, vielleicht aber schon 1483 in La Devinière bei Chinon/Touraine, gestorben am 9. April 1553 in Paris, verfasste ab 1532 den bekannten Romanzyklus mit den Riesen "Pantagruel" und "Gargantua" mit vielen Zitaten, Wortspielen und Sprüchen. „Une plaisenterie rabelaisienne“ ist in Frankreich ein sehr geläufiges Bonmot, das von diesen Bänden entstammt.

Ein besonderes Werk aus dem Opus eines interessanten Vertreters der Renaissancezeit ist die Sprichwort Sammlung von Sebastian Franck aus dem Jahr 1541. Eine Sammlung von fast 7.000 Sprichwörtern, sprichwörtlichen Redensarten und Redewendungen. Teilweise in lateinischer Sprache mit Übersetzung, teilweise mit ähnlichen und adaptierten Sprüchen aus der deutschen Sprache. Im Grunde folgt Sebastian Franck dem Konzept Erasmus von Rotterdams Sammlung "Adagia".

Bruegel soll ein Anhänger Sebastian Francks gewesen sein. Ein sehr interessanter Zeitgenosse, der anfangs als katholischer Priester und Seelsorger wirkte, jedoch sich sehr bald der Reformation anschloss und lutherischer Prediger wurde. Allerdings konnte Luther ihn auch nicht auf Dauer mit seinen Inhalten, Aussprüchen und Taten überzeugen und so entstand der überlieferte Ausspruch: „Ich will und mag nicht lutherisch sein.“ Er lehnt Kirchenstrukturen ab und verfolgt ein universalistisches Denken, das zum Beispiel auch Muslime als Glaubensbrüder anerkennt. Verfolgt von kirchlichen und weltlichen Machthabern, geht er davon aus, dass Gott überall ist. Neben seinen theologischen Ansätzen veröffentlichte er unter diversen Pseudonymen, wie Felix Frei oder Friedrich Wernstreyt, als Schriftsteller, Chronist und Übersetzer eine Vielzahl an Schriften, wie eben auch der Sprichwörter Sammlung.

Franck sah in der Kürze der Spruchweisheiten Indizien einer tiefergelegenen und verborgenen Wahrheit. Zwar hat Franck in seiner Sammlung sehr viele theologisch-philosophische Erörterungen, die in Sprichwörtern verarbeitet wurden, eingebettet, er hielt aber auch heidnisches Sprichwortgut für gleichermaßen wertvoll und für eine Öffentlichkeit gedacht.

"Es ist auch under allen leeren/ menschen urteylen und Sentenzen nicht warers noch gewissers dann die Sprichwörter/ welche die erfarung gelert / auch die natur und vernunfft in aller menschen hertz und mund geschriben und gelegt hat"

"Bey den alten ist unnd heyßt Sprichwort/ eine kurtze / weise klugred/ die summ eines ganzen handels/ gesatz odser langenn Sentenz/ als der kern/ in ein engs sprüchlin unnd verborgen griflin/ gefaßt/ da mehr/ etwa anders verstanden dann geredt wirt."

„Was im Sprichwort <schreibt> ist demnach die natürliche Vernunft, dies freilich so, dass in den „Dicteria“ und „Proverbia“ die Weisheit aller Nationen und Zeiten wie in einem verschlossenen kasten verborgen ist. Die von Franck angestrebte Aktivierung des Lesers und die notwendige Deutungsarbeit des auslegenden Kommentators sind in dieser Metapher angedeutet. Wie auch in früheren Werken begreift Franck programmatisch das Wissen der Wahrheit als Ergebnis einer meditativen Enthüllung. Zum Wesen der Wahrheit gehört ihr Verborgen-Sein. Demgemäß erweisen sich die zentralen ästhetischen Qualitäten der Sprichwörter, ihre brevitas und obscuritas, als Merkmale einer Erkenntnis, die in der diskursiven Rede nur unzulänglich erfasst und weitergegeben werden kann. Die knappe und sehr oft bildliche Ausdrucksform der Sprichwörter signiert einen Überschuss an Bedeutung."
-Sebastian Francks Sprichwortsammlung, Wilhelm Kühlmann

Das Ölgemälde Bruegels "Niederländische Sprichwörter":

In einem belebten und umtriebigen Dorf an der atlantischen Meeresküste gewährt uns Bruegel einen Einblick in das Treiben des Alltags mit all seinen Gewohnheiten und Besonderheiten. Er schildert die Welt, wie sie seinerzeit im Allgemeinen wahrgenommen wurde, als eine sündhafte, böse und närrische. Die menschlichen Untugenden wie Bosheit, Betrug und Selbstbetrug sowie weitere Laster finden in bildlichen Darstellungen ihren Ausdruck. Bruegel ließ sich von Werken wie Erasmus von Rotterdams „Lob der Torheit“ oder von dem „Narrenschiff“ von Sebastian Brant inspirieren. Das reich bebilderte und aufwendig gestaltete humanistische Buch „Narrenschiff“ enthält eine Sammlung mit didaktisch-satirisch dargestellten Lebensweisheiten und beschreibt Missstände, Torheiten und Laster der Welt des 15. Jahrhunderts. Das Buch erschien 1494 in Basel.

Im Bild links an der Hauswand hängend findet sich eine auf den Kopf gestellte Weltkugel, die eine verkehrte und gottlose Welt symbolisiert und den Menschen als gleich einem Narren nur seinem weltlichen Treiben nachgehendem Wesen skizziert. So findet man auch den Teufel im Bildmittelpunkt unter einem blauen Baldachin sitzend, von dem wohl das ganze Unwesen, das Bruegel allegorisch beschreibt, ausgeht. Eine Frau in einem roten Kleid, hängt ihrem Mann einen blauen Mantel um, womit symbolisiert wird, dass diese ihren Mann betrügt. Eine Vielzahl an Szenen vermittelt ein Bild eines amoralischen Treibens im Alltag dieses Dorfes.

Im 17. Jahrhundert wurde das Bild historischen Quellen zufolge auch mit „Der blaue Mantel“ und „Verkehrte Welt“ betitelt.

Nicht zu verwechseln mit einem anderen Werk, das auch den Titel „Verkehrte Welt“ trägt:

Die verkehrte Welt


Jan Steen, Die verkehrte Welt, aus der Gemäldegalerie des Kunsthistorischen Museum Wiens

Andererseits lässt sich auch eine Vielzahl an Sprichwörtern anhand zig-facher Szenen ausfindig machen, die Lebenssätze beschreiben, die in heutiger Form und Sprache immer noch Anwendung und Ausdruck finden und eben vielleicht auch durch dieses Gemälde und seiner Rezeption weiter im Sprachgebrauch geblieben sind.

Niederländische Sprichwörter

DIE SPRICHWÖRTER


Erläuterungen mit Zahlensystem zu den Niederländischen Sprichwörtern, Wikipedia

Sprichwörter aus der Zeit Bruegels, die immer noch geläufig sind und als Teil unseres Sprachschatzes anzusehen sind:

Details aus Bruegels "Niederländische Sprichwörter":


Mit dem Kopf durch die Wand gehen
Stur und unbedacht, etwas Unmögliches versuchen


Rosen (Perlen) vor die Säue werfen
Verschwenden an jene, die es nicht wertschätzen


Bis an die Zähne bewaffnet sein
Schwer bewaffnet sein


Zwischen zwei Stühlen sitzen
Jemand kann keine Entscheidung treffen; jemand steht auf keiner Seite.


Sich um ungelegte Eier kümmern
Sich um etwas sorgen, was noch nicht eingetreten ist


Bei jemandem in der Kreide stehen
Jemandem etwas schuldig sein.


Ein Schaumschläger sein
Ein Angeber sein.


Auf glühenden Kohlen sitzen
Ungeduldig sein


Die Würfel sind gefallen
Etwas ist entschieden


Gegen den Strom schwimmen
Gegen die allgemeine Meinung aufbegehren


Er geht als wenn er Feuer im Hintern hat
Schnell gehen