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Mittwoch, 13. Juni 2012



Dienstag, 22. Mai 2012


Donnerstag, 31. Mai 2012 um 18:36:13 von Kulturpool Redaktion

"Am 30.Mai ist der Weltuntergang"

Anlass
Das aktuelle Datum

Nicht nur im Internet kursieren zahlreiche Spekulationen zum bevorstehenden Weltuntergang. Das angebliche Ende des Maya-Kalenders am 21.Dezember 2012 hat auch die österreichische Medienlandschaft um ein einzigartiges Magazin mit konsequenterweise fixem Ablaufdatum bereichert. „2012 - Das vielleicht letzte Magazin der Welt“ berichtet bis zu deren prophezeitem Ende in knapp sieben Monaten alles Wissenswerte zum Untergang. Ob die Welt danach noch existiert oder nicht, spielt dabei für Herausgeber und Redakteure kaum eine Rolle. Denn das Datum ist - wie wir aus der Geschichte wissen - austauschbar und die Furcht vor bzw. die Lust an der Apokalypse ohnehin so alt wie die Menschheit selbst.


"Die Apokalyptischen Reiter" von Albrecht Dürer, Holzschnitt 1497/98 (Grafische Sammlung, Albertina)

Nicht nur bildende Künstler wie Albrecht Dürer (1471-1528) oder Hieronymus Bosch (1450-1516) und zahlreiche (Science Fiction-)Autoren haben sich mit dem Thema beschäftigt, sondern auch viele Filmemacher (etwa Roland Emmerich mit seinem Bluckbuster „2012“ aus dem Jahre 2009) und Musiker. Im Jahre 1954 schaffte es der Weltuntergang sogar an die Spitze der deutschen Hitparade. Karl Adolph Thelens Schlager „Am 30. Mai ist der Weltuntergang“, eine parodistische Würdigung einer auch damals einigen Presserummel verursachenden Untergangsprophezeiung, schallte wochenlang aus den Rundfunkempfängern und den in Deutschland und Österreich gerade sehr populären Wurlitzer-Geräten.

1997 wurde ein weiterer Apokalypse-Schlager (Franz Hohlers „Der Weltuntergang“) von Musikkritikern und Radiojournalisten sogar zum Preislied der deutschen Liederbestenliste erkoren. Ähnlich wie Hohler, der meint, der Weltuntergang hätte schon lange begonnen, sieht es auch Hubert von Goisern in seinem Lied mit dem gleichen Titel: „Aber lang, aber lang / Is schon her, dass ma / Mitanand untergeh'n / Wia sa si g'hert.“ Nicht zuletzt gehört der Weltuntergang zum Repertoire unzählige zeitgenössische Death-, Trash- und Black-Metal-Bands.

Dass Weltuntergangsszenarien vor allem in Wien künstlerisch auf guten Boden fallen, gilt nicht erst seit Karl Kraus (1874-1936) Österreich am Vorabend des Ersten Weltkriegs als „Versuchsstation des Weltuntergangs“ bezeichnet und seit er in seinem 1922 erschienen Mega-Drama „Die letzten Tage der Menschheit“ das Motiv der Apokalypse zum Symbol für den Untergang des Geistes heranzog hat.

Johann Nestroy in der Rolle des Knieriem in "Lumpazivagabundus" (1860),

Karl Kraus, der Autor des Stücks "Die letzten Tage der Menschheit", auf einem Foto von Madame d'Ora.

Schon das Alt Wiener Volkstheater lebte von derartigen Szenarien, in denen der politische und gesellschaftliche Niedergang thematisiert wurde. Am deutlichsten wohl in Johann Nestroys (1801-1862) „Kometenlied“ (Musik: Adolf Müller senior), eines der bekanntesten Couplets der Wiener Theatergeschichte, das den drohenden Weltuntergang durch einen auf die Erde fallenden Himmelskörper als dramaturgisches Mittel verwendet, um aktuelle politische und kulturelle Missstände zu kritisieren; ein Mittel, das im Laufe der vergangenen 180 Jahre immer wieder von zahlreichen berühmten Schauspielern genutzt wurde, die Nestroys Couplet mit jeweils aktuellen Zusatzstrophen angereichert haben: „Ein Komet reist ohne Unterlaß / Um am Firmament und hat kein’ Paß; / Und jetzt richt´t a so a Vagabund / Und die Welt bei Butz und Stingel z’grund. / Da wird einem halt angst und bang, / Ich sag’: D’Welt steht auf kein’ Fall mehr lang.“

Der Schlager aus den deutschen Wirtschaftswundertagen wusste freilich die Angst ideologiekonform mit einem Augenzwinkern aus der Welt zu schaffen: „Am dreißigsten Mai ist der Weltuntergang / wir leben nicht, wir leben nicht mehr lang. / Doch keiner weiß in welchem Jahr und das ist wunderbar.“  Den 30.Mai 2012 haben wir jedenfalls eben überlebt.