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Wiener Jugendstil (Secessionsstil)

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1. Einführung

Dieses Smartwork beschäftigt sich mit dem Wiener Jugendstil, auch genannt Reformstil oder Secessionsstil. Als Einführung empfehlen wir das Smartwork Jugenstil, welches die internationale Strömung Jugendstil im Allgemeinen beschreibt.

 

2. Der Wiener Jugendstil

In ganz Europa gab es unterschiedliche Ausprägungen des Jugendstils (siehe das Smartwork: Jugendstil). Die Gemeinsamkeit der internationalen Bewegung Jugendstil war die Abkehr vom Historismus. Der Wiener Jugendstil ist ein Phänomen der Wiener Moderne. Die Wiener Moderne  bezeichnet das Kulturleben der Österreichischen Hauptstadt an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert und vereint als Phänomen gemeinsame Tendenzen und Einflüsse von Literaten/Innen, Künstler/Innen und Architekt/Innen während dieser Zeit. Die Wiener Moderne war ein höchst heterogenes Konzept. Sigmund Freuds Psychoanalyse und seine Untersuchungen zum Unterbewusstsein, die Propagierung einer neuen Architektur durch Otto Wagner und Joseph Maria Olbrich oder Adolf Loos (Modernist), welche den Ringstraßen Stil ablösen sollte, wirkte ebenso auf die Entwicklung des Kunststils ein, wie die dekadente Literatur von Hugo von Hofmannsthal und Arthur Schnitzler. (1) Für die Vertreter/Innen der Kunstepoche Jugendstil stehen die zahllosen Verflechtungen mit dem kulturellen Leben anderer Länder und die mannigfachen Verbindungen zu Literatur, zu darstellender Kunst und Musik. (2) Der Wiener Jugendstil ist eng mit der Gründung und der Geschichte der Wiener Secession und der Wiener Werkstätten verbunden.

 

(1)   Die neue bürgerliche Dekadenz reagiert auf den Verfall alter monarchischer Strukturen. Sex, Tod, Psychoanalyse und Vergänglichkeit spielen eine wichtige Rolle in der Dekadenz.

(2)   Gotthard Wundberg (Hrsg.), Die Wiener Moderne. Literatur, Kunst und Musik zwischen 1890 und 1910, Stuttgart, 2004.

 

3. Die Wiener Secession

Der Wiener Jugendstil entwickelt sich ab 1897. Es war das Gründungsjahr der Künstlergruppe Wiener Secession und deren Zeitschrift Ver Sacrum. Der Maler Gustav Klimt wurde der erste Präsident der Vereinigung, unter den Gründungsmitgliedern waren die Maler Kolo Moser und Carl Moll sowie die Architekten Josef Hoffmann und Joseph Maria Olbrich. Die neue Künstleravantgarde verstand sich als Abspaltung gegenüber dem Stil des Historismus, wie er in der Akademie gelehrt und im Künstlerhaus ausgestellt wurde.

 


Josef Maria Olbrich gestaltete 1898 das Ausstellungshaus, „ein gebautes Manifest für die Ideen der neuen Künstlervereinigung, die sich der aktuellen Moderne verschrieben hatte“ und bis heute durch die goldene Kuppel mit Blattwerk architektonisches Wahrzeichen des Wiener Jugendstils ist. (3) Wegen den Seccestionisten, der selbsternannten Künstleravantgarde, bekam die Kunstrichtung in Österreich auch den Namen Secessionsstil. Neben Gustav Klimt waren Otto Wagner, Josef Hoffmann und Josef Plečnik bekannte Künstler des Secessionsstils.

Eine wichtige Funktion in der secessionistischen Bewegung hatte auch ihre Kunstzeitschrift Ver Sacrum (Heiliger Frühling), welche zur Verbreitungund Vermittlung des umfassenden neuen Kunststils diente. Illustrationen, Texte und Manifeste wurden hier programmatisch abgedruckt. Außerdem prangt bis heute an der Front-Fasade der Wiender Secession in goldenen Lettern der Wahlspruch der Secessionisten: Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit (von Ludwig Hevesi).

(1)   www.secession.at [2]

 

I. KUNSTAUSSTELLUNG; SECESSION
I. KUNSTAUSSTELLUNG; SECESSION
4. Die Beethoven-Ausstellung 1902

Als Hommage an den Komponisten Ludwig van Beethoven war die Beethoven-Ausstellung von 1902 als secessionistisches Gesamtkunstwerk konzipiert. Die einzelnen Künste – Architektur, Malerei, Skulptur und Musik – sollten unter einem gemeinsamen Thema wieder zusammengeführt werden: im Zentrum der Ausstellung, im Hauptraum befand sich eine grosse Beethoven Skulptur von Max Klinger. Neben Klimts Beethovenfries waren Wandmalereien und Dekorationen von Alfred Roller, Adolf Böhm, Ferdinand Andri und zahlreichen anderen Künstlern zu sehen. das „Gesamt-Kunstwerk“ wurden unter der Leitung von Josef Hofmann gemeinsam mit 21 Künstlern umgesetz. 

Heute befinde sich der Beethovenfries wieder in der Secession und gilt als einer der Höhepunkte des Wiener Jugendstils.

5. Die Wiener Werkstätte

Außerdem wurde der Wiener Jugendstil weltweit bekannt durch die Wiener Werkstätte. Koloman Moser, Josef Hoffmann und Dagobert Peche und Andere trieben das Kunsthandwerk (Innenarchitektur, Keramik, Textil, Mode, Glas) zur Perfektion. Ihre Entwürfe bleiben bis heute zentral um die Grundidee des Wiener Jugendstils zu verstehen. Die Vereinigten Wiener Werkstätten für Kunst und Handwerk haben außerordentliche kunsthandwerkliche Gegenstände im Sinne des Jugendstil Credos „der Wiedereinbeziehung der Kunst in das Alltägliche, im Sinne einer umfassenden künstlerischen Neugestaltung aller alltäglichen Dinge“ (5) gestaltet

(5)   Siehe das Smartwork: Jugendstil

 

14. Ausstellung der Wiener Secession
14. Ausstellung der Wiener Secession
6. Die Jugendstil Architektur

Auch in der Wiener Jugendstil Architektur richtete sich der Blick auf neue Materialien wie Beton oder Eisen und neueBaumethoden. Der neue architektonische Stil ist gekennzeichnet von der Abkehr von den historischen Bauformen und derintensiven Suche nach neuen (dekorativen) Gestaltungsmöglichkeiten in Architektur. Avantgardistische Fassadenentwürfe mitfloralen und ornamentierten Stilen werden stilbildend für die kurze architektonische Phase. Moderne florale und geometrischeMuster setzten sich in Kunst und Architektur durch. Berühmte Bauten der Wiener Jugendstil Architektur sind: Die Kirche amSteinhof von Otto Wagner, das Stadtbahn-Pavillon am Karlsplatz von Otto Wager, die Österreichische Postsparkasse von OttoWagner, der Wiener Zentralfriedhof, die Wiener Secession von Joseph Maria Olbrich. Es lohnt sich aber auch ein Spaziergangentlang der Wienzeile am Naschmarkt oder eine Spaziergang zu den Jugendstil Villen im 19. Gemeindebezirk Wien.

Architekt Otto Wagner, schrieb in seinem Werk Die Baukunst unserer Zeit. „Alles modern Geschaffene muß dem neuenMateriale und den Anforderungen der Gegenwart entsprechen, wenn es zur modernen Menschheit passen soll.“ (6) Derradikale Mordernist Adolf Loos ging gegen Ende der Epoche noch einen Schritt weiter. 1911 wurde das Looshaus amMichaelerplatz eingeweiht, Stuck und Ornament sucht man an der sechsgeschossigen Fassade vergebens, stattdessen sindErdgeschoss und Hochparterre mit Marmor verkleidet, die oberen vier Stockwerke schmucklos.

(6) Otto Wagner. Die Baukunst unserer Zeit, Metroverlag, Wien, 2008.

7. Fazit / Abschluss

Der Wiener Jugendstil steht für eine ganze neue und avantgardistische Denkschule, die bewusst den Bruch mit der Tradition suchte - weg vom Historismus und der Monarchie, welche Stilelemente der Vergangenheit kopierte, hin zu einem neuen Stil Sachlichkeit. Thematisches Zentrum bildete das vielgestaltige Ringen um einen österreichischen modernen bürgerlich-demokratischen Stil. "Die völlig gegensätzlichen Ergebnisse dieser Suche verband ein zentrales Merkmal der Moderne: eine sich bahnbrechende Sehnsucht nach individuellem Ausdruck" (MAK - Einführungstext, Wien um 1900).

 

 

 

8. Fragen und Anregungen für den Unterricht
  1. Aus welcher vorangegangenen Epoche heraus, hat sich der Jugendstil entwickelt? 
  2. Welche kunstgeschichtliche Epoche kommt nach dem Jugendstil?
  3. Nenne 4 Merkmale des Wiener Jugendstils
  4. Recherchiere online mit Hilfe von kulturpool.at oder europeana.eu zwei Jugendstilexponate (Gemälde, Designobjekte oder Bauwerke) und erkläre, weshalb diese zu der kunstgeschichtlichen Stilepoche Jugendstil gehören.
  5. Recherchiere online zwei weibliche Künstlerinnen und/oder Kunsthandwerkerinnen, welch der Epoche des Jugendstils zuzuschreiben sind.
  6. Du bist Schüler oder Schülerin der Kunstgewerbeschule um 1900. Deine Aufgabe ist es, eine Zuckerdose oder einen Tisch für die Wiener Werkstätte zu entwerfen.

 

9. Weiterführende Links und Inhalte

Auf Europeana entdeckt:

Im Museum gesehen:

  • Das Leopold Museum [8] beherbergt rund 5000 Exponate überwiegend aus der Zeit des Jugendstils, darunter Spitzenwerke von Klimt und die weltgrößte Egon-Schiele-Kollektion. 
  • Die Wiener Secession [9] zeigt täglich das berühmte Beethovenfries von Gustav Klimt
  • Das MAK, Museums für angewandte Kunst [10] beherbergt zahlreiche Exponate der Wiener Werkstätte, Textil- und Plakatentwürfe von Koloman Moser und Josef Hofer und Anderen.
  • In der Glasgalerie Lobmeyr [11] im 1. Wiener Gemeindebezirk findet man noch Originalentwürfe der Wiener Werkstätte. 
  • In der Galerie Belvedere [12] findet man eines der berühmtesten Gemälde weltweit: Gustav Klimt’s berühmter Kuss, aber auch zahlreiche andere wunderschöne Jugendstil Gemälde, etwa die Junirosen der Künstlerin Margaret MacDonald-Mackintosh.

Filme zum Schauen:

  • Eine dunkle Begierde, 2011
  • Egon Schiele. Tod und Mädchen, 2016

Bücher zum Lesen:

  • Gotthard Wundberg (Hrsg.), Die Wiener Moderne. Literatur, Kunst und Musik zwischen 1890 und 1910, Stuttgart, 2004.

 

 

10. Bildunterschriften
  1. Koloman Moser, Plakat für die V. Kunstausstellung der Secession, 1899, FarblithographiePlakatsammlung, Copyright Albertina Wien
  2. Fotograf unbekannt, Josef Hoffmann in einem selbst entworfenen Fauteil sitzend,  Fotografie, nicht datiert, Österreichische Nationalbibliothek, Copyright ÖNB
  3. R.P., Dirigent Arlond Schönberg, Farblitographie, um 1910, Plakatsammlung, Copyright Albertina Wien
  4. Fotograf unbekannt, Arbeitszimmer von Hugo von Hofmannsthal, Fotografie, nicht datiert Copyright Theatermuseum Wien
  5. Josef Maria Olbrich, Secession, 1898, Farblithographie Plakatsammlung, Copyright Albertina Wien
  6. Gesamtansicht Secession, Fotografie, 1900, Österreichische Nationalbibliothek, Copyright ÖNB
  7. Gustav Klimt, Plakat für die I. Kunstausstellung der Secession, Farblithographie, 1899,Plakatsammlung, Copyright Albertina Wien
  8. Alfred Roller, Plakat für die XIV. Kunstausstellung der Secession, Farblithographie, 1998Plakatsammlung, Copyright Albertina Wien
  9. Gustav Klimt, Beethovenfries, 14. Ausstellung der Wiener Secession, Fotografie, 1902 Österreichische Nationalbibliothek, Copyright ÖNB
  10. Koloman Moser, Wandrelief aus Glas und Keramikteilen, 14. Ausstellung der Wiener Secession, Fotografie, 1902, Österreichische Nationalbibliothek, Copyright ÖNB
  11. Martin Gerlach jun., Geschäftshaus Goldman & Salatsch, Wien I., Michaelerplatz 3, Fassade Michaelerplatz, Fotografie, 1909-1911, Architektursammlung, Copyright Albertina Wien
  12. Joe Heydecker, Otto Wagner, U-Bahn Haltestelle Karlsplatz, Fotografie, 1986, Österreichische Nationalbibliothek, ÖNB / Heydecker
  13. Otto Wagner, Postsparkassenamt, Fotografie, 1906, Österreichische Nationalbibliothek, ÖNB 

 

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