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Votiv

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Eine Votivgabe, vom lateinisch votivus - „durch ein Gelübde versprochen" ist die Bezeichnung eines Weihgeschenks für eine Gottheit oder einen Heiligen. Votivgaben sind Dankbarkeiten für empfangene Gnadenerweise. Sie unterscheiden sich vom Gebet durch das Versprechen und schließlich durch die Darbringung einer Gabe. Man unterscheidet zwischen Dank- und Bittvotiven.
Eine Vielzahl von unterschiedlichsten Votivgaben sind im Kulturpool zu finden.

Eines der älteste Werke ist beispielsweise eine Stele aus Ägypten, welche ca. 1304-1201 v. Chr. entstand.
Die Kalkstein-Stele ist eine Votivgabe des Reliefbildhauers Pa-mer-ihu, der wahrscheinlich in Deir el-Medina gelebt und gearbeitet hat, für die Königsgemahlin Ahmose-Nefertari. Diese war mit dem Begründer der
18. Dynastie Ahmose verheiratet und war Mutter des Königs Amenophis' I.,
des ersten Königs, der sein Grab im Tal der Könige errichten ließ. Sie wird gemeinsam mit dem vergöttlichten Amenophis I. häufig auf Denkmälern in
Deir el-Medina dargestellt. Beide wurden in dieser Siedlung für die Arbeiter, welche die Gräber im Tal der Könige ausstatteten, verehrt.

Ebenfalls in Ägypten um circa 1150 v. Chr. entstand die Votivbüste eines Widders.
Auf einem Sockel aufsitzend, der als Altar aufgefasst werden kann, ist ein großes Abbild eines Widderkopfes dargestellt. Auf der Vorderseite des Sockels ist die Darstellung eines Königs vor einem Opferständer, der durch die Kartuschen als Amenophis I. identifiziert werden kann. Das Stück war wohl in der Ramessidenzeit eine Votivgabe, die zu Ehren des vergöttlichten Königs Amenophis' I. im Tempel des Amun von Karnak aufgestellt wurde. Der Stifter namens Pentaweret wird in der Inschrift genannt. Das heilige Tier des Gottes Amun, der Widder, ist mit prächtigen Hörnern wiedergegeben. Im Scheitel ist eine Vertiefung mit abgebrochenem Steckzapfen, ursprünglich war der Widder wohl mit einer Krone geschmückt.

Die Votivstatuette im griechischen Typus der Athena Promachos ("Vorkämpferin") stammt aus der 1. Hälfte 5. Jahrhundert v. Chr.
Die 24,1 cm hohe Figur hatte ursprünglich eine Lanze in der durchbohrten Rechten und einen Schild am linken Arm. Auf dem Haupt trägt sie einen attischen Helm mit hochgestellten Wangenklappen und über dem langen, ungegürteten Gewand (Chiton) einen schuppigen Brustpanzer (Ägis), der zu den Attributen der Göttin zählt.
Figürliche Bronzen dienten vor allem als Votive an die Götter. Sie wurden in Heiligtümern aufgestellt und konnten unter anderem die Gottheit oder den Weihenden selbst repräsentieren.
Obwohl sich die Motive eng an griechische Vorbilder anlehnen, bewahren die Statuetten durchaus Eigenständigkeit.
Diese äußert sich etwa in überlängten Proportionen und im Hang zu Stilisierung.

Ebenfalls figurale Votivstatuetten stellen die nächsten Beispiele dar. Die Figuren zeigen, dass auch in der griechischen archaischen Kunst die Statuetten von Frauen oder auch von Männern oftmals als Weihegeschenke in Heiligtümer gestiftet wurden. Während die männlichen Statuen (Kuroi) meist nackt dargestellt waren, tragen die Mädchen (Korai) lange Gewänder. Hier hält die 53cm große Frauenfigur mit der rechten Hand eine Blüte vor die Brust, in der herabhängenden Linken eine weitere. Auf dem Kopf trägt sie eine Krone, gebildet von mehreren Blattreihen. Daher könnte es sich in diesem Falle sogar um die Statuette der zyprischen Gottheit für Natur und Vegetation handeln, die später mit der griechischen Göttin Aphrodite gleichgesetzt wurde.

Der Jüngling ist im strengen, unbewegten Schema eines Kurois wiedergegeben. Der Mann trägt einen Mantel, der von der linken Schulter auf die rechte Seite herabführt. Das Untergewand scheint zunächst kaum sichtbar zu sein und wird nur am Halsansatz sowie an den Beugen der Ellenbogen erkennbar. Die Rückseite der Statuette ist grob ausgeführt, die Statuette war offenbar für die Ansicht von vorne konzipiert. Beide Votivstatuetten haben eine zyprische Herkunft und lassen anhand von deutlichen Farbspuren erkennen, dass die Statuetten reich bemalt waren, so etwa das Gewand in roter Farbe.

Neben menschlichen Statuetten wurden auch ganzfigurige Tierstatuen als Votivgaben verwendet.
Die Statue eines Pferdes wurde zwischen dem 1. Jahrhundert v. Chr. und dem 2. Jahrhundert n. Chr. angefertigt.
Die Rundplastik stammt aus dem südarabischen Raum und ist ein Hohlguss aus Bronze.

Da es sich bei Votivgaben um ein Opfer handelt, erfreuten sich besonders silbernen Votivgaben großer Beliebtheit. Eines dieser Silbervotive aus der 1. Hälfte des 3. Jahrhundert n. Chr. befindet sich heute in der Antikensammlung des KHM.
Es zeigt eine Weihgabe für den Soldatengott Jupiter Dolichenus, wie die Inschrift „I(ovi) O(ptimo) M(aximo) DOLICHENO MARIA EX VOTO POSUIT" ("Dem besten, größten Jupiter Dolichenus hat Maria aufgrund eines Gelübdes (diese Gabe) gestiftet") erkennen lässt.

Es wurden allerdings nicht nur Statuen und andere Gegenstände als Weihgaben gestiftet, sondern auch Gebäude zählen zu den Votiven.

Die Votivkirche
Die Votivkirche

Eine der berühmtesten Dankgaben in Wien ist die Votivkirche, hier zu sehen auf einer Fotografie des k.& k. Hoffotografen, Josef Löwy, aus dem Jahre 1875.
Die Kirche wurde anlässlich des missglückten Attentats auf den jungen Kaiser Franz Joseph I. erbaut. Franz Josephs Bruder, Erzherzog Ferdinand Maximilian, der spätere Kaiser von Mexiko, rief nach dem Attentat „zum Dank für die Errettung Seiner Majestät" zu Spenden auf, um in Wien eine neue Kirche zu bauen.
Die Kirche sollte als Dankgeschenk der Völker der Monarchie für die Errettung Franz Josephs errichtet werden.
Der Kirchenbau wurde in einem Architektenwettbewerb im April 1854 ausgeschrieben und die Jury entschied sich für den neugotischen Entwurf des Architekten Heinrich Ferstel.

Die Kirche sollte als Dankgeschenk der Völker der Monarchie für die Errettung Franz Josephs errichtet werden.
Der Kirchenbau wurde in einem Architektenwettbewerb im April 1854 ausgeschrieben und die Jury entschied sich für den neugotischen Entwurf des Architekten Heinrich Ferstel. Nach einer 23-jährigen Bauzeit konnte die Kirche schließlich am 24. April 1879, anlässlich der Silberhochzeit des Kaiserpaares, geweiht werden.
Bis heute gilt die Votivkirche als einer der bedeutendsten historistischen Sakralbauten.

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