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Vanitas

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Der Ursprung des Wortes „Vanitas“ ist im Buch Koholet (Koh. 1,2), einer Schrift des Alten Testaments, zu finden und verdeutlicht die jüdisch-christliche Vorstellung von der Vergänglichkeit alles Irdischen. Es handelt sich dabei um eine Sammlung von Weisheitssprüchen, praktischen Lebensratschlägen und Warnungen vor falscher Lebensweise.
Das Vanitas-Motiv in der bildenden Kunst soll, meist mit einer moralisierenden Intention, an die Vergänglichkeit des Lebens und der irdischen Güter erinnern. Die Vanitas-Symbole lassen sich grundsätzlich in zwei große Gruppen unterteilen. Einerseits in Gegenstände, denen die Vergänglichkeit eigen ist und deren Erscheinung den Gedanken daran weckt.
Häufige Attribute sind der Totenschädel, die erlöschende Kerze, die Sanduhr und die verwelkende Blume. Andererseits symbolisieren Objekte, deren Wert nur scheinbar beständig ist, wie Bücher, Geld, Schmuck, Insignien und andere Kostbarkeiten die Vanitas-Thematik.
Im weiteren Sinn gehören auch Emeriten- und Märtyrerszenen, wie die des Hl. Hieronymus und der Maria Magdalena, in diesen Zusammenhang.
Vanitas-Motive zeigen, dass der Mensch keine Gewalt über das Leben hat.

Entwickelt wurden Vanitas-Stillleben im Flandern des 16. Jahrhundert, doch erlebten sie ihre große Blüte in den Niederlanden im ersten Drittel des 17. Jahrhunderts. Haarlem und besonders die Universitätsstadt Leiden waren die Zentren dieses Bildtyps.

Besonders im Barock gilt das Vanitas-Stillleben als Stilform der Stillleben-Malerei. Die Darstellung lebloser Gegenstände wird dabei auf die Spitze getrieben, indem zusätzlich Sinnbilder der Vergänglichkeit hinzugefügt werden. Die Vanitas-Thematik verdeutlicht einen Konflikt zwischen Mittelalter und Moderne und zeigt den Zwiespalt zwischen menschlicher Demut und menschlichem Selbstbewusstsein auf.

Im 18. Jahrhundert verlieren die Vanitas-Symbole ihre vordergründige Funktion als religiöse Warnung, bleiben jedoch bis in die Kunst der Gegenwart hinein gebräuchlich.

Vanitas-Stilleben
Vanitas-Stilleben

Der niederländische Künstler Pieter Aertsen (1509-1575) entwickelte ab der Mitte des 16. Jahrhunderts mit Küchenstücken und Marktbildern einen neuen Bildtypus. Dabei integrierte er in den meisten Fällen christliche Szenen, wie im folgenden Bild „Christus bei Maria und Martha“. Diese Szenen spielen sich, auffällig verkleinert im Hintergrund des Bildes ab.

Die im Vordergrund versammelten Gegenstände des täglichen Lebens wie Brot, verschiedene Kannen und Krüge, als Hauptmotiv die Rehkeule,

ein Blumenstrauß, sorgfältig gefaltete Dokumente und der Geldbeutel bilden dabei ein Vanitas-Stillleben. Das Gemälde ist rechts oben unter dem Fenster auf den 5. Juli 1552 datiert. Eine Inschrift „Maria heeft wtuercoren dat beste deel (Maria hat das gute Teil erwählt)“ auf dem Kamin bezieht sich auf die christliche Szene im Hintergrund und zitiert die Bibelstelle nach Lukas 10,42.

Vanitas
Vanitas

Auch in der Skulptur widmeten sich Künstler der Vanitas-Thematik.
Die Holz-Statuette von Gregor Erhart [1] (1460/70 – 1540), die vermutlich mit Fassmalerei von Hans Holbein d. Ä. [2] (1465 – 1524) versehen wurde, wird um 1500 datiert und zeigt beispielhaft den Umgang mit der Darstellung von Vergänglichkeit in der Skulptur.
Als dreifigurige Gruppe im Regelmaß komponiert, stehen Jugend und Schönheit einerseits und das Alter andererseits einander thematisch gegenüber. Sie werden im Jüngling und in dem Mädchen sowie durch die Gestalt einer Greisin verkörpert, an der sich Vergänglichkeit und Verfall drastisch zeigt. Die Schamhaftigkeit des jungen Paares kontrastiert mit der schamlosen Preisgabe des Hässlichen an der "garstigen Alten“. Mit der moralisierenden Tendenz, dem Hinweis auf die Vergänglichkeit alles Irdischen, geht ein gewisses lustfeindliches Prinzip einher. Noch ist die antikische Unbefangenheit im Verhältnis zum Nackten nicht zurückgewonnen. Emailartiger Schmelz und Oberflächenreichtum der Fassung lassen an eine Bemalung durch Holbein d. Ä. denken.


Allegorie der Vergänglichkeit
Allegorie der Vergänglichkeit

Die „Allegorie der Vergänglichkeit“ des spanischen Barockmalers Antonio de Pereda y Salgado (1611-1678) wird um 1634 datiert. Ein geflügelter Genius verkörpert die "Vanitas", die Erinnerung an die Vergänglichkeit alles Irdischen.

Vor ihm werden stilllebenartig in barocker Fülle Gegenstände arrangiert, die auf die rasch verrinnende Zeit, die Nichtigkeit der Macht und die Flüchtigkeit der Freuden des Lebens hinweisen. Unter ihnen befinden sich typische Symbole wie Totenschädel, Sanduhr, eine erloschene Kerze, Bücher und Schmuck. Die Tischplatte trägt neben der Sanduhr die Inschrift "nil omne" (alles ist nichtig). Hinweise auf das Haus Habsburg wie der Porträtkameo Karls V. in der linken Hand des Genius lassen einen höfischen Auftrag vermuten.


Das Gemälde des niederländischen Malers Pieter Claesz (1596/97 – 1661) von 1656 zeigt ein „Vanitasstillleben“ mit klassischen Symbolen. Eine etwas verborgenere Version der Vanitas-Attribute finden wir bei der Darstellung von Pieter Gerritsz von Roestraten (1630 – 1700).

Die Gegenstände des Stilllebens wie Pokal, Lorbeerzweig, Taschenuhr und Geige weisen auf Sinnbilder der Macht, des materiellen Besitzes, der Genüsse und des Vergnügens hin. Der Fokus dieses Werkes liegt also darin, zu zeigen, dass alle Schätze der Welt keinen Wert haben, da sie vergänglich sind. Musik, die beispielsweise eine Geige herbringt, verklingt von einem Augenblick zum nächsten, die Uhr symbolisiert das unaufhaltsame Verrinnen der Zeit. Die aufgebrochene Nuss ist indessen ein Symbol für die Passion, Schale und Kern verweisen auf die zwei Naturen Christi. Die menschliche Natur, in dem Fall die Schale zerbrach, um die göttliche Natur, den Kern der Nuss, preiszugeben. Dies ist auch ein Verweis auf Vanitas. Die Schale steht für die Vergänglichkeit des irdischen Lebens und der Kern für das ewige Seelenheil.

Ebenfalls ein Vanitas-Stillleben aus der niederländischen Malerei des 17 Jahrhundert stellt das nächste Beispiel dar. Die Künstlerin Maria van Oosterwijck (1630 – 1693) zeigt in ihrem Gemälde typische Vanitas-Symbole wie Sanduhr, Blumen, Totenschädel, Musikinstrumente und Münzen.

Vanitas-Stilleben
Vanitas-Stilleben

Sie bedient sich aber auch nicht so gebräulichen Attributen wie Schreibfeder und Tintenfass, welche auf die Vergänglichkeit des literarischen Ruhmes hindeuten, den Schmetterling, als Symbol der menschlichen Seele und den Globus, der als Symbol von Eroberungslust an die Kurzlebigkeit menschlicher Machtgefüge erinnert. In der Mitte des Werkes finden wir ein Buch mit der Aufschrift „Rekening - leven om te stervern – sterven om te leven“ (Rechnung – Leben um zu sterben – Sterben um zu leben). In der Flasche im linken Bildrand sieht man in der Spiegelung das Selbstporträt der Künstlerin.


Auch dies verweist auch Vergänglichkeit, da Spiegelungen in Verbindung mit Schönheit, Jugendlichkeit und Eitelkeit stehen und diese flüchtig sind.
Das Werk ist signiert und auf 1668 datiert.

Die Ausführung führt also eine Vielzahl von Motive, Symbolen und Attributen an, die auf eine Vanitas-Thematik hinweisen. Manche davon beziehen sich direkt auf die Vergänglichkeit des menschlichen Lebens, andere verdeutlichen die Vergänglichkeit von Zeit, sinnlichen Genüssen, Ruhm, Macht, Schönheit und somit die Nichtigkeit der weltlichen Werte und die Relevanz einer Hinwendung zu Gott.

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