Zur Startseite des Kulturpools
Österreichs Portal zu Kunst, Kultur und Bildung eine Initiative von Bundeskanzleramt Österreich Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft Bundesministerium für Bildung

(Suche nach Tags: z.B. <Highlight>)

Urbanisierung und Stadtentwicklung

  • Automatisch generiertes Inhaltsverzeichnis
  • Automatisch generiertes Quellenverzeichnis


1. Einführung

Das Smartwork zur Stadtentwicklung beschäftigt sich mit der Entwicklung von Städten und den Herausforderungen der Stadtentwicklung. Dabei werden wir zunächst das Phänomen Verstädterung (Urbanisierung) und Landflucht erklären. Wir beleuchten die berühmten Stadtentwicklungsprojekte: Wiener Ringstraße, Brasila, den Bau des Vienna International Center und das gegenwärtig größte Stadtentwicklungsprojekt Österreichs, Seestadt Aspern und erklären am Ende die sogenannte SmartCity an den Beispielen Wien und Graz. 

„Städte waren und bleiben ein Motor für Interessen, Austausch, Innovationen, Hoffnungen und Konflikte. Dabei teilt die zunehmende Urbanisierung die Welt. In den westlichen Ländern schreitet Urbanisierung nur noch langsam voran. Die Herausforderung besteht hier in der Optimierung – dem Update – bestehender Strukturen. In den Schwellen- und Drittweltländern hingegen wachsen Städte rasant zu Multimillionenmetropolen. Ihre infrastrukturelle, ökologische und ökonomische Entwicklung wird zur globalen Zukunftsaufgabe. Auch um den fortschreitenden Klimawandel zu bremsen.“ – Das Zukunftsinstitut [1]

 

2. Die Verstädterung Europas im 19. Jahrhundert

Urbanisierung [2] meint, laut dem deutschen Soziologen Jürgen Bähr „die Ausbreitung und Verstärkung städtischer Lebens-, Wirtschafts- und Verhaltensweisen.“ Um 1800 lebte nur etwa ein Viertel der weltweiten Bevölkerung in Städten. Während der Industrialisierung im 19. Jahrhundert begann die große Zeit der Urbanisierung in westlichen Ländern. Durch das Bevölkerungswachstum in ländlichen Gegenden wurde es zunehmend schwer die ländliche Bevölkerung zu beschäftigen und zu ernähren. Es kam zu einer Verarmung in den ländlichen Gegenden. Gleichzeitig wurden Fabriken in Städten gebaut und Arbeitsplätze geschaffen. Die Bevölkerung flüchtete in der Hoffnung auf bessere Lebensbedingungen und Arbeit vom Land in die Stadt (Landflucht). 

 

3. Globale Verstädterung heute

Heute findet der Urbanisierungsprozess vor allem in Staaten mit expandierenden Industrien statt, etwa in China und Indien, aber auch in Ländern, deren ländliche Regionen kaum Erwerbsmöglichkeiten bieten, wie etwa in der Türkei, Nigeria und Mexico, wo die Menschen vom Land in die großen Städte Istanbul (über 14 Millionen Einwohner/Innen), nach Lagos (über 10 Millionen Einwohner/Innen) oder Mexiko-Stadt (über 9 Millionen Einwohner/Innen) flüchten. Dieses Phänomen verstehen wir unter Landflucht. In westlichen Ländern schreitet die Urbanisierung nur noch langsam voran. In Deutschland und Österreich zeigt sich die Urbanisierung eher darin, dass städtische Lebensformen und Strukturen in benachbarte, bisher ländliche Räume eindringen. Kleine Einzelhandels- und Fachgeschäfte werden durch große Supermarktketten oder durch ganze Einkaufszentren ersetzt oder große Umfahrungsstraßen werden nötig. 2008 lebten erstmals mehr Menschen in Städten als auf dem Land, Tendenz steigend.

 

Geschäftsleben
Geschäftsleben
4. Stadtentwicklungsprojekte. Bauliche Maßnahmen

Urbanisierung erfordert bauliche Maßnahmen: Mehr Menschen brauchen mehr Wohnungen, größere Straßen, ein umfassenderes Netz an öffentlichem Verkehr. Eine Stadt braucht eine funktionierende Kanalisation und Müllentsorgung und gute Lebensmittel- und (Nah-)Versorgungsmöglichkeiten. Unterschiedliche Zeiten verlangen eine unterschiedliche Infrastruktur. 

 

 

 

 

Kanalisation-Bauarbeiten
Kanalisation-Bauarbeiten
5. Wien um 1900. Die Wiener Ringstraße, die Wiener Kanalisation und die Wiener Stadtbahn

Der Bau der Wiener Ringstraße als das größte Stadtentwicklungsprojekt im damaligen Kaisertum Österreich verdichtete und vergrößerte die Stadt Wien, indem die ehemaligen Stadtgrenzen durch die Ein- und Anbindung der umliegenden „Dörfer“ und Vorstädte geöffnet wurde (Smartwork: Wiener Ringstraße). 1873 bekam Wien durch die I. Wiener Hochquellenwasserleitung eine flächendeckende Wasserversorgung. Die Abwassermenge nahm mit fortschreitender Anschließung der Wiener Haushalte an das Trinkwasser- und Abwassersystem rasant zu und auch die Kanalisation von Wien musste ausgebaut werden. Im Zuge der Bauarbeiten zu den neuen Kanälen, an denen rund 5.000 Menschen Arbeit fanden, wurde parallel auch die Wiener Stadtbahn errichtet. Das öffentliche Nahverkehrsmittel war eine dampfbetriebene Stadtbahn. Seit 1989 fährt die U6, eineelektronisch betriebene U-Bahn auf der ehemaligen nun modernisierten Stadtbahn Strecke.

6. Brasilia

Brasilien zählt zu den am stärksten verstädterten Ländern Lateinamerikas. Seit 1960 beobachten wir ein verstärktes Abwandern der Landbevölkerung infolge der Industrialisierung. Im Zuge dieser Landflucht wurde die neue brasilianische Hauptstadt unter anderem von dem Architekten Oskar Niemeyer geplant, und ab 1960 gebaut. Im Zeitalter des wirtschaftlichen Aufschwungs und der Blüte der Automobilindustrie wurde in Brasilia unter den Aspekten „Modernes Wohnen, Arbeiten und Mobilität“ Wert auf große Wohnkomplexe und ein Automobil-Straßensystem gelegt. Heute plant und baut man Städte anders als noch in den 1960er Jahren. Energieeffiziente, ressourcenschonende und emissionsarme Maßnahmen haben an Bedeutung gewonnen (siehe das Kapitel 9 SmartCity).

 

Straßenleben
Straßenleben
7. Vienna International Centre 

Auch in Wien wurden in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts gleich mehrere bauliche Maßnahmen umgesetzt. Zwischen 1973 und 1979 wurde das Vienna International Centre (VIC, oft synonym als UNO-City bezeichnet) gebaut. Zur selben Zeit zwischen 1972 und 1988 errichtete man die 21,1 km lange und bis zu 250 m breite künstlich angelegte Donauinsel als wesentlichen Bestandteil der Wiener Donauregulierung und als Naherholungsgebiet. Freizeit- und Sportanlagen, denke zum Beispiel an das Kolloseum in Rom, sind seit es Städte gibt ein Bestandteil ihrer Planung und Struktur. Die Wichtigkeit und Bedeutung solcher Anlagen für das Wohlbefinden der Bevölkerung hat auch der Grafiker Josef Binder mit seinem Plakat zur "Eröffnung Stadtbad Mödling 1928" verdeutlicht.

8. Wien wächst!

Wien wächst. Die Bundeshauptstadt Wien befindet sich seit Jahren in einer demographischen Wachstumsphase [3]. Seit 2014 zählt Wien wieder über 1,8 Millionen Einwohner und Einwohnerinnen und damit die höchste Bevölkerungszahl seit 1934! In Wien lebten aber auch schon einmal mehr Menschen. Rund 2,1 Millionen bevölkerten Wien kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Wien war die siebtgrößte Stadt der Welt. Prognosen zu Folge dürfte Wien bereits im Jahr 2029 die Zwei-Millionen-Grenze wieder erreicht haben. Mit dem Bau der Seestadt Aspern [4] oder dem Ausbau des Wiener Linien Streckennetzes [5] reagiert die Stadt auf diese Entwicklung.

1992 wurde das 240 Hektar große Gelände, das ehemalige Flugfeld Aspern südlich der Donau, zum Großteil vom stadteigenen Wiener Wirtschaftsförderungsfonds beziehungsweise vom Wohnfond Wien erworben. 2005 wurde im Zuge der Ausarbeitung des Stadtentwicklungsplanes die Verlängerung der U-Bahnlinie U2 bis auf das Gelände bestätigt. Seither planten die UrbanistenInnen und StadtentwicklerInnen die Seestadt Aspern – einen ganz neuen Stadtteil mit eigener Infrastruktur – in drei großen Bauetappen umzusetzen. Bis 2028 soll der Bau abgeschlossen sein. 2014 konnten die ersten BewohnerInnen den ersten Bauabschnitt beziehen. Bis jetzt (2016) leben ca. 6000 Personen in der Seestadt Aspern. 2028 sollen es 20.000 BewohnerInnen sein. Zusätzlich sollen 20.000 Arbeitsplätze geschaffen werden.

Neben Wohnhäusern, Schulen, Geschäftsflächen und anderen infrastrukturellen und baulichen Massnahmen sind in der Seestadt Aspern bis zu 50 % der vorhandenen Flächen dem Grünraum sowie Straßen und Wegen gewidmet. Der See und der umliegende Seepark mit über 50.000m2 Fläche ist als zentraler Grünraum umgesetzt sowie eine 44.000m2 große grüne Pufferzone zwischen U-Bahn und Wohngebiet. Quartierbezogenen Parks und Erholungs­flächen dienen sie zur Erweiterung und Auflockerung zwischen den Baufeldern. 

 

9. SmartCity Wien und SmartCity Graz. Weiter gedacht!

Demographische Wachstumsphasen bringen eine große Herausforderung mit sich. Wie wollen und können wir in Zukunft leben. Ist ein Hochhaus ressourcenschonender als mehrere Einfamilienhäuser? Mit dem Begriff „Smart City” verstehen wir eine energieeffiziente, ressourcenschonende und emissionsarme Stadt mit höchster Lebensqualität, wo neueste Energietechnologien zur Anwendung kommen. Das Technologische Museum Wien widmet sich seit Juni 2016 fortlaufend in der mehrjährigen Reihe „weiter_gedacht_“ dem Innovationsprozess in der Stadt der Gegenwart und der Zukunft. Neue Technologien und Entwicklungen in der Stadt der Zukunft, gesellschaftliche Visionen und reale Stadtentwicklungsprojekte werden vorgestellt. Werden wir in der Zukunft flächendeckendes Internet bekommen? Haben wir bereits flächendeckendes Internet? Steuern wir die Rechenzentralen oder steuern die Rechenzentralen uns? Werden wir in Zukunft ganz neue Mobilitäs- oder Kommunikationssysteme bekommen und wie könnten diese aussehen? Der Begriff SmartCity ist nicht nur positiv konnotiert. Kritiker/innen warnen vor einer weiter zunehmenden Privatisierung der Städte durch Groß-Konzerne und der Entmachtung von Bürger/innen.

 

10. Fragen, Anregungen und Lernaufgaben für den Unterricht
  1. Was ist Urbanisierung?
  2. Recherchiere die Einwohnerzahlen von Wien und einer Ortschaft deiner Wahl in den letzen 100 Jahren, zeichne eine demograhische Kurve und vergleiche die beiden Darstellungen. Was erzählt dir diese Graphik?
  3. Ein Gedankenexperiment: Du bist Städteplaner/in und bekommst den Auftrag eine ganze Kleinstadt für 100'000 Einwohner/innen zu planen. Was benötigen die Einwohner/innen der Stadt. Was planst du alles?
  4. Notiere dir einige Gedanken zu der Frage: Was zeichnet eine gute Lebensqualität einer Stadt aus? Genügend Grünflächen? Viele Straßen? Viele Supermärkte? Viele Sportanlagen? Was ist dir wichtig? Hast du vielleicht was vergessen?
  5. Gruppenaufgabe: Informiert euch entweder über das Projekt Seestadt Aspern, die Netzerweiterung der Wiener Linien oder eines der Projekte der SmartCity Wien oder SmartCity Graz. Stellt euer Projekt mit allen Vor- und Nachteilen vor.
11. Bildunterschriften
  1. Stadt Gibeon, Buchmalerei, 1448, Institut für Realienkunde, Copyright CC0 (Creative Commons)
  2. Albert Hilscher, Abbruch des Heinrichshof und Neugestaltung der Opernkreuzung, 1955, Fotografie, s/w, Österreichische Nationalbibliothek, Copyright ÖNB / Hilscher
  3. Joe Heydecker, Geschäftsleben in Istanbul, 1952 Fotografie, Farbe, Österreichische Nationalbibliothek, Copyright ÖNB / Heydecker
  4. Joe Heydecker, Kanalisation-Bauarbeiten, 1965, Fotografie, s/w, Österreichische Nationalbibliothek, Copyright ÖNB / Heydecker
  5. Stadtansicht von Tunis, vor 1914, Fotografie, Sepia, Fotosammlung des Weltmuseums, Copyright Weltmuseum Wien
  6. Johannes Vingboons, Stadtplan von Mexico City, 1660, aquarellierte Feder- und Pinselzeichnung, Österreichische Nationalbibliothek, Copyright ÖNB / Heydecker
  7. Otto Simoner, Wien 12, Wienfluss, 1968, Fotografie, s/w, Österreichische Nationalbibliothek, Copyright ÖNB / Simoner
  8. Besichtigung der U-Bahn-Baustelle Karlsplatz durch den Bürgermeister, 1971 Fotografie, s/w, Österreichische Nationalbibliothek, Copyright ÖNB 
  9. Joe Heydecker, Straßenleben, in Brasila, 1967 Fotografie, s/w, Österreichische Nationalbibliothek, Copyright ÖNB / Heydecker
  10. Joe Heydecker, Vienna International Centre, 1988, Fotografie, Farbe, Österreichische Nationalbibliothek, Copyright ÖNB / Heydecker
  11. Josef Binder, Plakat zur "Eröffnung Stadtbad Mödling", 1928, Nachlass Joseph Binder, MAK, Copyright Legat Carla und Joseph Binder 
11.1 Weiterführende Links und Inhalte

Im Internet gefunden:

Einführung in die Urbanisierung [6] 

Weltweite Verstädterung - soziale und politische Konsequenzen  [7]

Urbanisierung: Die Stadt von morgen [8] 

Megatrend Urbanisierung [9] 

Smart City Graz  [10]

Smart City Wien [11] 

 

Im Museum gesehen:

weiter_gedacht_ im Technischen Museum, Wien  [12]

 

Filme zum Schauen:

Michael Glawogger, Megacities, Dokumentation, Farbe, 90 Minuten, AT  [13]

 

Bücher zum Lesen:

Globale Urbanisierung: Perspektive aus dem All. Hannes Taubenböck,Michael Wurm,Thomas Esch,Stefan Dech (Hrsg.),

Springer Spektrum, Heidelberg, 2015.

 

 

 

11. Impressum

Autorin: Denise Helene Sumi

Erstellungsdatum: 08.10.2016

Dieses Dokument weist Urheber/innenrechte auf und darf von niemandem als eigenes Werk bezeichnet werden.

 

Quellenverzeichnis
Medienrechte

Was wollen Sie
als Nächstes tun?

Anmelden