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Rubens ''Das Haupt der Medusa''

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Medusa [1] ist eine Figur der griechischen Mythologie, die in den „Metamorphosen“ des römischen Dichters Ovid seine Erwähnung findet.
Als Tochter der Meeresgottheiten Phorkys und Keto, ist sie eine der drei Gorgonen.
Einst war sie ein schönes Mädchen mit prächtigem Haar, bis sie mit Poseidon in Athenes Tempel schlief und als Bestrafung für die Entweihung des Tempels von Athene in ein geflügeltes Ungeheuer mit Schlangenhaaren verwandelt wurde. Medusa war die einzig sterbliche unter den drei Schwestern und jeder der sie anblickte erstarrte zu Stein.
Perseus, der Medusa besiegte, schaffte dies nur mit Hilfe von Athene, die ihm ein bronzenes Schild, und Hermes, der ihm geflügelte Sandalen borgte, und einer List. Perseus näherte sich der Medusa, indem er nur ihr Spiegelbild im Schild betrachtete und so ihrem tödlichen Blick entkam. In dem Moment als sie einschlief, enthauptete er sie. Perseus floh mit dem Haupt des Medusa und schwebte mit Hilfe der geflügelten Sandalen über die Wüste Libyens, wo die Blutstropfen, die auf die Erde fielen, sich in Schlangen verwandelten. Perseus nutzte anschließend das Haupt der Medusa an einem Schild befestigt als Waffe, da der Blick seine schreckliche Wirkung behielt und seine Feinde versteinerte. Später brachte Perseus das Medusenhaupt Athene, die es an ihr Ägis heftete. Somit wurde das Haupt der Medusa zu einem Apotropäum, einem magischen Zeichen, das Unheil abwehren soll.

Die Darstellung Peter Paul Rubens zeigt das Haupt der Medusa mit schmerzverzerrten starren Augen, geöffneten Mund und heraushängender Zunge. Der grausige Realismus in der fahlfarbigen Darstellung des blutleeren Gesichts erinnert an die Besessenen des Rubens-Werkes „die Wunder des Hl. Ignatius von Loyola" [2]. Diese Tatsache führte auch zu der Annahme das Medusenhaupt auf 1617/18 zu datieren.

Aus dem abgetrennten Hals der Medusa fließt Blut, welches sich gemäß der Sage in Schlangen verwandelt. Weitere Schlange auf dem Haupt der Medusa winden sich und greifen sich gegenseitig an. Auffällig sind weitere Tiere, wie ein Feuersalamander, Spinnen sowie ein Skorpion, die allesamt giftig und somit Symbole für das Böse sind. Rubens fügte diese Gifttiere ohne literarische Grundlage hinzu und platziert sie in seinem Gemälde isoliert von den Schlangen so als ob er sie bewusst präsentieren wollte.
Weiters ist ein doppelköpfiges hufeisenförmiges Tier dargestellt, welches seine Erwähnung bei Plinius dem Älteren [3], einem römischen Gelehrten, in seiner „Historia Naturalis" unter dem Namen "Amphisbaena" findet. Rubens war sehr belesen und so kann man davon ausgehen, dass er Plinius Werk in seiner Bibliothek hatte. Die Tiere sind zoologisch korrekt dargestellt und auch das auffällige Verhalten einiger Schlangen kann bei Plinius nachgelesen werden. Beispielsweise, dass die Mutterschlange bei der Geburt stirbt, da die Jungen ihren Leib aufbrechen, sowie dass, die weibliche Schlange nach dem Paarungsakt die Männliche tötet. Beide Szenen zeigt Rubens in der rechten Bildhälfte.

 

Insgesamt entspricht das Gemälde, das auf 1617/18 datiert wird, stilistisch der Schaffensperiode Rubens in der er sich an der venezianischen Malerei orientierte. Charakteristisch dafür ist ein glatter und genauer Pinselduktus.
Rubens spielt bewusst mit einer Affektsteigerung durch höchste Detailpräzision und düstere Unklarheit und stellt das "Haupt der Medusa" somit in ein ambivalentes Verhältnis zwischen Schönheit und Grausamkeit.

Der niederländische Dichter Constantijn Huygens (1596-1687) beschreibt eine ähnliche und heute verlorene Version des Medusengemäldes von Rubens im Haus seines Freundes Nicolaas Sohier wie folgt: „Auf diesem Bild ist das abgeschlagene Haupt der Medusa abgebildet, umkränzt von Schlangen, die aus ihrem Haar hervorsprießen. Das Gesicht der wunderschönen Frau hat seine Grazie bewahrt, aber zugleich erweckt es Grausen und Abscheu durch den soeben eingetretenen Tod und durch den Kranz von grässlichen Schlangen. Die Kombination ist so raffiniert ausgeführt, dass der Betrachter durch die plötzliche Konfrontation (normalerweise ist das Gemälde nämlich abgedeckt) schockiert wird, aber zugleich gerührt wird durch die Lebensechtheit und die Schönheit, mit der das grausame Thema wiedergegeben ist.“

Das hier angeführte Zitat skizziert die Wirkung des Werkes auch für die heutige Zeit. Auch ohne das plötzliche Lüften eines Vorhangs, welcher das Gemälde verdeckt, berührt Peter Paul Rubens den Betrachter mit seinem Gemälde auf eine unmittelbare und unerwartete Art und Weise.

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