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Reichskrone

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Als das kostbarste Stück der Reichsinsignien [1] gilt die Reichskrone, mit der deutsche Könige und römisch-deutsche Kaiser gekrönt wurden. Die oktogonale Form der Krone ergibt sich durch die acht mit Scharnieren verbundenen, nach oben zu rundbogig aufgelösten Platten. Die einzelnen Platten der Reichskrone sind aus gediegenem Gold.

Die Reichskrone
Die Reichskrone

Die vier größeren Platten, Stirn-, Schläfen- und Nackenplatten sind unterschiedlich groß und mit Perlen und Edelsteinen in Hochfassungen besetzt. Ordnung und Programm des gesamten Steinschmuckes nahmen Bezug auf Vorstellungen vom Himmlischen Jerusalem. Die Zwölfzahl der großen Steine auf Stirn- und Nackenplatte steht symbolisch für die Zwölfzahl der Apostel sowie der Stämme Israels und der Söhne Jakobs. Insgesamt wurden 144 Edelsteine und etwa gleich viele Perlen verarbeitet. Die Steinplatten wechseln sich alternierend mit den Bildplatten ab. Diese sind die vier kleineren Platten, die mit Bilddarstellungen aus dem Alten und Neuen Testament im Senkschmelzverfahren verziert sind. Senkschmelz bedeutet, dass Vertiefungen mittels Flachpunzen in die Goldplatten getrieben wurden, in denen anschließend mit Hilfe von Stegen Zellen gebildet werden. Diese Zellen werden mit Email aufgefüllt und gebrannt.

Die Emailplatten sind inhaltlich aufeinander bezogen. Drei Bildplatten beziehen sich auf das alte Testament und stellen König David, König Salomo und Ezechias mit dem Propheten Iasais dar. Die Personen können anhand von Überschriften identifiziert werden. Schriftbänder verdeutlichen die Herrschaftstheologie. König David hält ein Spruchband mit der Aufschrift „HONOR REGIS IUDICIUM DILIGIT“ (Die Ehre des Königs liebt den Rechtsspruch) und symbolisiert so die staatsmännische Gerechtigkeit. König Salomo, der auf der linken Schläfenplatte dargestellt ist, hält das Schriftband „TIME DOMINUM ET RECEDA A MALO“ (Fürchte Gott und meide Unrecht). Auf der dritten alttestamentarischen Platte verkündet der Prophet Isaias dem König Ezechias das Wort Gottes „ECCE ADICIAM SUPER DIES TUOS XV ANNOS“ (Siehe, ich will zu deinen Lebenstagen noch fünfzehn Jahre hinzufügen).
Die vierte Platten mit Figurenprogramm, die sogenannte Majestas-Domini-Platte, zeigt den Christus Pantokrator flankiert von zwei Engeln mit der Überschrift „PER ME REGES REGNANT“ (Durch mich herrschen die Könige) und wird als Zeichen des Gottesgnadentums gedeutet.

Neben den Platten besteht die Reichskrone aus einem aufgesteckten Kronenkreuz und einem achtlappigen Bügel, die beide eine Hinzufügung des frühen 11. Jahrhunderts sind. Die „Schauseite" des in Größe und Form wohlproportionierten Kreuzes ist als „crux gemmata", als edelsteinbesetztes Triumphzeichen, ausgebildet. Auf der Rückseite ist die Inschrift „IHC NAZARENUS REX JUDEORUM“ (Jesus aus Nazareth König der Juden). Der Bügel weist mit seinen aus kleinen Perlen gebildeten Inschriften „CHUONRADUS DEI GRATIA" (auf der linken Seite) „ROMANORU(M) IMPERATOR AUG(USTUS)" (auf der rechten Seite) (Konrad, von Gottes Gnaden erhabener Kaiser der Römer) auf Kaiser Konrad II. (römisch-deutscher Kaiser 1027-1039) hin. Die Krone selbst wird in die zweite Hälfte des 10. Jahrhunderts datiert.

Die Reichskrone gilt als das imperiale Sinnzeichen und als künstlerische und rechtliche Ausprägung eines theologisch begründeten Herrschaftsanspruches.

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