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Maria Lactans

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„Maria lactans" bezeichnet das Bildmotiv der stillenden Maria.
Der Bildtypus tauchte bereits in der alten ägyptischen Kultur auf, wo die Göttin Isis den Horusknaben stillt, was symbolhaft für die Fruchtbarkeit stand.

Göttin Isis mit Harpokrates
Göttin Isis mit Harpokrates

In Ägypten galt Isis als Göttin der Liebe, als Meersgöttin, als Gottes- und Sonnenmutter.
Forscher halten es für möglich, dass der Marienkult teilweise seinen Ursprung aus dem bis in christliche Zeiten verbreiteten Isis-Glauben hat. Somit dient die Isis-Ikonographie, vor allem „Isis mit dem Horusknaben" (isis lactans) als Vorbild für die späteren Darstellungen der „Maria mit dem Jesuskind".
Die Rundplastik aus der Ägyptischen Sammlung des KHM zeigt Göttin Isis auf einem nicht erhaltenen Thron sitzend und ihrem Sohn Horus die Brust reichend. Sie trägt über der Perücke die Geierhaube. Ihre Krone besteht aus dem Kuhgehörn mit Sonnenscheibe. Der auf dem Schoß seiner Mutter sitzende Horus hat - ebenso wie sie - an der Stirn die Uräus-Schlange. Sie dient als apotropäisches, also Unheil abwendendes, Schutzsymbol. Wie vorhin schon erwähnt wird die Darstellungsform der stillenden Isis mit dem göttlichen Kind in der Forschung als Vorläufer für die im Christentum verbreitete „Maria lactans" mit dem Jesuskind bezeichnet.

Seit dem frühen Mittelalter ist die Darstellung des natürlichen Vorgangs, Mutter und Kind in der innigen Verbindung beim Stillen, in der christlichen Ikonographie durch zahllose Andachts- und Gnadenbilder bekannt. Hier wird die Brustweisung Mariens als klassisches Symbol ihrer Barmherzigkeit verstanden. Im byzantinischen Reich und auch in Westeuropa des 14. und 15. Jahrhunderts wurde dem Bildtypus der „Maria lactans" eine andere Bedeutung beigemessen: Das Christuskind ist Gott, der über die Brust der Mutter mit der Menschheit in Verbindung tritt.

Maria lactans
Maria lactans

Eine weitere Interpretation des Bildtypus verweist durch den Akt des Stillens des Jesuskinds auf die tiefe Menschlichkeit der Christusfigur.
Die Miniatur eines Breviers der Universitätsbibliothek Graz (Codex 832) zeigt eine mittelalterliche Darstellung der „Maria Lactans". Ursprünglich stammt die Handschrift aus der Klosterbibliothek des Augustiner Chorherrenstifts Seckau, welches 1782 aufgehoben wurde.
Die Federzeichnung zeigt Maria frontal auf einem Thron sitzend in einer Rundbogenarchitektur. Auf ihrem linken Arm hält sie das Jesuskind, welches beinah zu schweben scheint. In der rechten Hand hält Maria einen runden Gegenstand. Sie stillt das Jesuskind, wobei die linke Brust nur durch einen Schlitz im Gewand hervortritt. Ansonsten ist Maria vollkommen bekleidet.  

Zwei Zeichnungen von Michelangelo Buonarroti (Caprese 1475 - Rom 1564)und Raffaello Santi (Urbino 1483 - Rom 1520) zeigen Studien zum Thema "Maria Lactans" in Feder ausgeführt.

Die linke Zeichnung ist 37,9 x 19,5 cm groß und weist mehrere Fehl-, Falt-, und Bruchstellen im Papier auf, die verklebt, unterlegt und an Fehlstellen nachgezogen wurden. Durch die Beschriftung 'Buonarota' in Kreide kann die Zeichnung Michelangelo Buonarroti zugeschrieben werden.

Die rechte Federzeichnung, 17,6 x 13,7 cm, auf geröteltem Papier weist am rechten unteren Rand die Beschriftung 'Raphael Urb' in Tinte auf.

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