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Kaiser-Huldigungsfestzug 1908

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Anlässlich des sechzigsten Regierungsjahres des Kaiser Franz Josephs I. fand am 12. Juni 1908 der Kaiser-Jubiläums-Huldigungsfestzug in Wien statt.
Ursprünglich sollte die Veranstaltung unter den Aspekten Rückblick und Demonstration stehen. Der Festzug hatte jedoch, weit über seine spektakuläre theatralische Gestaltung, auch eine eminent politische Bedeutung. Er war weniger eine Huldigung für den Kaiser als eine Huldigung für das Reich, den großen österreichischen Vielvölkerstaat, der eingebunden war in den Jahrhunderte alten Reichsgedanken.
Der symbolische Aspekt des Festzuges war eine Legitimation der Dynastie und des Vielvölkerstaats, sowie eine Manifestation des übernationalen Bewusstseins einer Staatsraison und Staatsidee. Der Zug defilierte auf der Ringstraße, die auf kaiserlichen Befehl seit Mitte des 19. Jahrhunderts an Stelle der alten Stadtmauer neu errichtet wurde. Die Gliederung in zwei Teile, einerseits in einen historischen Teil, der die habsburgische Vergangenheit, die jahrhunderte alte Geschichte in 19 Gruppen zeigte, und andererseits einen ethnischen Teil, der von den einzelnen Nationalitäten des Habsburgerreiches gestaltet wurde, wurde erst im Laufe der Planung festgelegt. Ursprünglich sollten sich nur drei Gruppen mit der sechshundertjährigen Vergangenheit Habsburgs beschäftigen und acht Gruppen mit der Illustration der sechs Regierungsjahrzehnte Kaiser Franz Josefs. Aus der Huldigung an den Kaiser wurde eine politische Demonstration, eine Huldigung an den Gedanken und die Ideen eines liberalen „Großösterreichs", an das Reich der Donaumonarchie.
Realisiert wurden die 19 Gruppen der Darstellung der habsburgischen Vergangenheit von Künstlern des Hagenbundes [1], einer jungen Wiener Künstlervereinigung, die 1900 von Heinrich Lefler und Joseph Urban gegründet wurde. Die künstlerische Oberleitung des Festzuges, sowie die Zusammenstellung der historischen Gruppen, hatte Heinrich Lefler. Der Architekt Joseph Urban war für die Ausgestaltung des Festplatzes und der Kaisertribüne verantwortlich.
Der Zug bestand aus insgesamt 12.000 Personen, 4000 in den historischen, 8000 in den Nationalitätengruppen und dauerte drei Stunden.

Kaiser-Huldigungs-Festzug in Wien 1908, I. Gruppe (Rudolf von Habsburg)
Kaiser-Huldigungs-Festzug in Wien 1908, I. Gruppe (Rudolf von Habsburg)

Die Fotografien von dem Kaiser-Huldigungsfestzug vom 12. Juni 1908 stammen von Louis Held [2], einem Hoffotografen aus Weimar.
Die erste Gruppe wurde von Rudolf I. von Habsburg, dem Gründer des damaligen Österreichs, angeführt.

Kaiser-Huldigungs-Festzug in Wien 1908, III. Gruppe (Rudolf IV., 14. Jahrhundert)
Kaiser-Huldigungs-Festzug in Wien 1908, III. Gruppe (Rudolf IV., 14. Jahrhundert)

Die dritte Gruppe führte in die Mitte des 14. Jahrhunderts, in die Zeit Rudolf IV. des Stifters, der den Ausbau der Stephanskirche ermöglicht hatte. Die Gruppe zeigte den Augenblick der Grundsteinlegung und führte auch ein Modell derselben mit.

Kaiser-Huldigungs-Festzug in Wien 1908, IX. Gruppe (Belagerung Wiens 1683, Kaiser Leopold & Herzog von Lothringen)
Kaiser-Huldigungs-Festzug in Wien 1908, IX. Gruppe (Belagerung Wiens 1683, Kaiser Leopold & Herzog von Lothringen)

Die neunte Gruppe brachte die Rückkehr Kaiser Leopold I. aus Dürnstein nach der zweiten Türkenbelagerung Wiens, 1683, gefolgt von den Verteidigern der Stadt.

Über eine halbe Million Zuschauer verfolgten das Spektakel, wobei das Publikum nicht nur aus Wien, sondern auch aus den Kronländern kam. Alles in allem war der Festzug Ausdruck eines noch vorhandenen kollektiven Gedächtnisses, das in der Folge immer mehr psychologisiert, subjektiviert und individualisiert wurde.

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