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Jugendstil

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1. Einführung

Dieses Smartwork beschäftigt sich mit der internationalen Strömung Jugendstil im Allgemeinen. Den Wiener Jugendstil, auch genannt Reformstil oder Secessionsstil (1) im Speziellen behandelt fortführend das Smartwork: Wiener Jugenstil / Seccesionsstil.

 

Jugendstil war eine internationale kunstgeschichtliche Epoche während des Fin de Siècle (2), an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Im Französischen und Italienischen bezeichnete man den Epochenstil auch als Art Nouveau, im Englischen Modern Style und im Italienischen auch Stile Floreale genannt.

 

(1)   benannt nach der Wiener Secession

(2)   Fin de Siècle bedeutet übersetzt „Das Ende des Jahrhunderts“. Das Fin de Siècle bezeichnet eine künstlerische Bewegung in der Zeit von etwa 1890 bis 1914. 

 

 

2. Der Ursprung des Jugendstils

Kunstgeschichtlich steht der Jugendstil zwischen dem Historismus und der klassischen modernen Kunst. Die Stilrichtung Jugendstil dauerte circa 20 bis 25 Jahre, etwa von 1890 bis zum Ausbruch des 1. Weltkriegs 1914. Der deutschsprachige Begriff Jugendstil geht auf die Ende des 19. Jahrhunderts in München gegründete Zeitschrift „Jugend“ zurück. Der Jugendstil war eine Gegenbewegung junger Künstler/Innen, Kunsthandwerker/Innen und Architekt/Innen zum rückwärtsgewandten Historismus (siehe das Smartwork: Wiener Ringstraße [1]). Als Gegenreaktion auf den emblematischen, großbürgerlichen Mal- und Architekturstil der sich an den Alten Meistern orientierte, erprobten Vertreter/Innen und Anhänger/Innen des Jugendstils neue und offenere Formen und Stile. Zentrales Anliegen des Jugendstils war der sogenannte „moderne“ Stil, ein „Stil unserer eigenen Zeit“. An der Front-Fasade der Wiener Secession prangt in goldenen Lettern der Wahlspruch der Secession: Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit (von Ludwig Hevesi).

 

3. Jugendstil. Kunst und Leben als Gesamtkunstwerk

Das internationale Phänomen Jugendstil entwickelte sich aus der britischen Arts and Crafts Bewegung heraus. Die Arts and Crafts Bewegung war eine gestalterische Gegenbewegung zur Industrialisierung und der damit einhergehenden „seelenlosen“ Massenanfertigung von Industrieprodukten. Das Kunsthandwerk (3) stand im Vordergrund. Ausschlaggebend für das stilprägende Design der Arts and Crafts Bewegung waren einfache Schönheit, Nützlichkeit und Qualität. 


Das gestalterische und gemeinsame Stilverständnis der heterogenen internationalen Bewegung offenbarte sich in der Forderung der Wiedereinbeziehung der Kunst in das Alltägliche, im Sinne einer umfassenden künstlerischen Neugestaltung aller alltäglichen Dinge. Die Innenarchitektur, die Architektur, Möbel- und Produktdesign, Textildesign oder Malerei bedienten sich dieser Idee vom „neuen Stil“, wobei den dekorativen Künsten ein besonderes Gewicht zukam. Dadurch, dass unterschiedliche Disziplinen sich des Stils der Zeit bedienten, kreierten Architekten/Innen, Designer/Innen und bildende Künstler/Innen gemeinsam im Kollektiv große gesamtkünstlerische Gestaltungen, wie etwa das Palais Stoclet in Brüssel. In dem Palais wurde alles vom äußeren Bauwerk bis zur dekorativen Innenausstattung, bis zu den Möbeln und den Gebrauchsgegenständen einheitlich im Jugendstil durchgestaltet.


(3) Ehemals Kunsthandwerk, vereint dieser Begriff die Tätigkeit von Designer/Innen, welche Alltagsgegenstände und Dekorationselemente herstellen: Schmuck, Teppiche, Stoffe, Kleinmöbel, Vitrinen, Schatullen, Geschirr und andere Dinge.

 

4. Stilmerkmale des Jugendstils

Nicht nur das Kunsthandwerk und die Designentwürfe der Arts & Craft Bewegung hatten einen großen Einfluss auf den neuen Stil, sondern allen voran auch Kunst aus Japan. Japanische Stilelemente fanden über Großbritannien Eingang in den europäischen Binnenkunstmarkt und sollten zu prägenden Bestandteilen der Jugendstilkunst werden. Mitte des 19. Jahrhunderts fanden in London zwei große Ausstellungen japanischer Kunst statt. Nachdem Großbritannien und Japan zur selben Zeit ein Handelsabkommen vereinbarten, wurde eine große Anzahl Japanischer Holzschnitte, Möbel, Keramiken und Lackarbeiten nach Großbritannien importiert.


Äußerlich kennzeichnende Teile oder Elemente des Jugendstils sind dekorativ geschwungene Linien. Viele florale aber gleichsam flächenhafte Ornamente kommen zum Einsatz. Graphische Elemente, welche Symmetrien unterstützen, finden sich oft in Jugendstil-Entwürfen. Vom Althergebrachten stark abweichend, mit neuen, gewagt humoristischen und phantastischen Motiven, entwickelte sich ein neuer, stilvoller Schwung. Aber auch langgezogene Linien, Blattwerk und Wellen an sich werden zu formalen Bedeutungsträgern. Der Schwan mit seinem langen, geschwungenen Hals und den weichen Federn auf Wellen schwimmend wird zu einer Ikone des Jugendstils. Die intensive Suche nach neuen dekorativen Gestaltungsmöglichkeiten setzte den avantgardistischen Entwürfen kaum Grenzen. In der Architektur kamen vor allem neue Materialien wie Beton oder Eisen und neue Baumethoden zum Einsatz.

 

5. Weiterführende Links und Inhalte
6. Fragen und Anregungen für den Unterricht
  1. Was war das zentrale Anliegen der Vertreter und Vertreterinnen des Jugendstils?
  2. Von wem oder was wollte sich der internationale Jugendstil abheben?
  3. Vergleiche auf dem Bild "Secession" das Gebäude im Vordergrund mit dem im Hintergrund. Welche Unterschiede kannst du erkennen?
  4. Was sind die Stilmerkmale des internationalen Jugendstils?
  5. Kreiere einen „Stil deiner eigenen Zeit“! Zeichne einen Stoffentwurf, entwirf eine Handyhülle oder einen Gebrauchsgegenstand deiner Wahl. Vergleicht eure Entwürfe. Könnt ihr stilistische Gemeinsamkeiten feststellen? Was sind Stilmerkmale eurer eigenen Zeit.

 

7. Bildunterschriften
  1. Aubrey Vincent Beardsley, Children´s Books, 1894, Druckgraphik, Plakatsammlung Albertina, Copyright Albertina Wien
  2. Textilentwurf im Jugendstil der Textilfabrik Hackl u. Söhne, um 1900, s/w Fotografie, Topographische Sammlung, Copyright Niederösterreichische Landesbibliothek
  3. Angelo Jank, Titelbild für Jugend (Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst u. Leben, 1898, Druckgraphik, Plakatsammlung, Copyright Albertina Wien
  4. Ansicht auf die Hauptfassade der Wiener Secession, 1949, Fotografie, Österreichische Nationalbibliothek, Copyright ÖNB
  5. Palais Stoclet in Brüssel, Innenansicht, nicht datiert, s/w Fotografie, Österreichische Nationalbibliothek, Copyright ÖNB
  6. E. Butters, Keramische Werkstätten München-Herrsching, um 1910, Druckgraphik, Plakatsammlung, Plakatsammlung, Copyright Albertina Wien
  7. Michael Moser, Porzellan und Keramiken aus verschiedenen Provinzen Japans, 1872-73, Fotografie, Österreichische Nationalbibliothek, Copyright ÖNB
  8. Josef Hoffmann, Jugendstil-Deckeldose, nicht datiert, Fotografie, Österreichische Nationalbibliothek, Copyright ÖNB
  9. Josef Hoffmann, Schmuckkästchen / Intarsia., 8. Ausstellung der Wiener Secession, Fotografie, Österreichische Nationalbibliothek, ÖNB
  10. Ausstellungsplakat Altes Japan / Rudolphinum April-Juni von 9-6, 1900, Druckgraphik, Plakatsammlung, Copyright Albertina Wien
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