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Giorgione (1477-1510)

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Der italienische Renaissance-Maler Giorgio da Castelfranco, gen. Giorgione wurde 1477 in Castelfranco Veneto geboren und starb am 25. Oktober 1510 in Venedig. Gemeinsam mit Tizian lernte Giorgione in der Werkstatt von Giovanni Bellini.

Er gilt heute als Vaterfigur der modernen venezianischen Malerei des 16. Jahrhunderts, als Vorbild Tizians und anderer. Bis heute sind nur wenige Werke aus Giorgiones Oeuvre erhalten und auch über sein Leben ist wenig bekannt. Er kombinierte die „sfumato“-Maltechnik Leonardos, die anhand einer Lasurschicht eine durchschimmernde und gebrochene Farbtönung erzeugt mit einer Farbwahl, die an niederländische Malerei denken lässt und erzeugt so seinen eigenen, revolutionären Malstil.


Das „Bildnis einer jungen Frau („Laura“)“ ist ebenso wie Giogiones andere Arbeiten nicht signiert. Auf der Rückseite des Gemäldes befindet sich allerdings die Beschriftung „1506. adj. primo zugno fo fatto questo da ma de maistro zorzi da chastel fra(nch)cholega de maistro vinzenzo chaena ad istanzia de mis giacmo...“ Durch diese Inschrift kann das Werk gesichert Giorgione zugeschrieben und eine Datierung auf 1506 festgelegt werden. Außerdem wird als Auftraggeber „Meister Giacomo“ angegeben.

Das Brustbild zeigt eine junge, halbbekleidete Frau im Halbprofil. Sie öffnet den roten pelzverbrämten Mantel leicht und gibt so den Blick auf ihre rechte halbentblößte Brust frei. Der Lorbeer (lat. laurus), der auch namensgebend für das Gemälde ist, kann als verschlüsselter Hinweis auf den Namen der Portraitierten oder als Attribut der Dichtkunst auggefasst werden. Besonders reizvoll ist der Vorschlag, es handle sich um Laura, die Geliebte des italienischen Dichters Francesco Petrarcas (1304 – 1374). In der Forschung wird die von Petrarca benannte Laura mit Laura de Noves identifiziert. Er traf die verheiratete Frau 1327 und verehrte sie zeitlebens. Als Dichter strebte er nach Ruhm und Lorbeer (lat. laurus) und fand in dieser Frauengestalt eine dauerhafte Quelle seiner dichterischen Inspiration. Möglicherweise nahm Giorgione diese Thematik in sein Gemälde auf und stellte eine Art Wettbewerb der Malerei mit der Poesie dar. Das Gemälde als Huldigung an die weibliche Schönheit.


Ihre halbentblößte Brust sowie der Lorbeer haben allerdings zu weiteren verschiedenen, sogar einander widersprechenden Deutungen Anlass gegeben.
Da Lorbeer in venezianischen Doppelbildnissen von Liebes- oder Ehepaaren auch als Symbol der Treue und Keuschheit galt, wäre als Gegenstück ein Portrait des auf der Rückseite genannten "Giacomo", des Auftraggebers, denkbar.

Das "poetische" Talent Giorgiones hat ihn wohl auch zu malerisch-technischen Neuerungen geführt, vor allem zur atmosphärischen Auflösung der Konturen, dem sfumato und zu gleichsam getränkten leuchtenden Farben.

Das Gemälde „Die drei Philosophen“ wird um 1508/09 datiert und zeigt eine Gruppe von drei Männern, unterschiedlichen Alters und Nationalität, in einer Landschaft.
Der noch heute übliche Titel des Werkes „Die drei Philosophen“ geht auf die Beschreibung des Venezianers Marcanton Michiel zurück, der das Gemälde im Haus des Kunstsammlers Taddeo Contarini sah. Michiel schreibt in seinen Aufzeichnungen: „Das Ölgemälde auf Leinwand mit den drei Philosophen in einer Landschaft, zweien, die aufrecht stehen, und einem, der sitzt und die Sonnenstrahlen betrachtet, mit diesem so wunderbar gemalten Felsen...". Die in dieser 1525 verfassten Notiz als „Philosophen“ identifizierten drei Männer sind laut neuen Forschungsergebnissen Pythagoras (sitzend) und seine beiden Lehrer Pherekydes und Thales, die in der Renaissance als die ersten Philosophen des Abendlandes galten.

Zwei der drei Männer sind mit Attribute ausgestattet. Der Älteste unter ihnen hält eine Steintafel und einen Zirkel in seinen Händen, der jüngste sitzende Mann hantiert mit einem Zirkel, einem Winkellineal und einem weiteren länglichen Gegenstand.
Die Diskussion über den Bildinhalt ist trotz der oben erwähnen Beschreibung bis heute noch aktuell. Die Spekulationen beinhalten verschiedensten Thesen wie beispielsweise, dass es sich beim Inhalt des Gemäldes um die drei Lebensalter handelt, oder aber um die Vertreter dreier philosophischer Richtungen oder mathematischer Schulen oder um die Heiligen Drei Könige.


Neuartig war die hauptsächlich auf Farbwirkungen abzielende Malweise. An die Stelle der geometrisch konstruierten Zentralperspektive setzte er die optische Erfahrung der "Luftperspektive", das sfumato, das räumliche Tiefe durch in der Entfernung verschwimmende Farben und Umrisse suggeriert. Der Blick des Betrachters wird durch zwei Diagonalen, die von links unten nach rechts oben und von links oben nach rechts unten verlaufen, geleitet. Der Schnittpunkt der Diagonalen und somit auch das Hauptaugenmerk liegt auf den Händen des sitzenden Jünglings. Allerdings muss darauf hingewiesen werden, dass das Gemälde „Die drei Philosophen“ auf der linken Seite stark beschnitten wurde und somit ursprünglich auch der Mittelpunkt des Werkes ein anderer war. Einen Eindruck vom originalen Werk Giorgiones liefert eine Arbeit des flämischen Malers David Teniers dem Jüngeren (1610 – 1690).

Es zeigt die Gemäldegalerie des Erzherzogs Leopold Wilhelm. In der linken oberen Ecke der Galeriewand befindet sich Giorgiones „Die drei Philosophen“. Deutlich zu sehen ist, dass um 1651, als Teniers Werk entstanden sein dürfte, am linken Bildrand „Der drei Philosophen“ die Höhle noch vollständig zu sehen ist. In späteren Jahrzehnten dürfte das Gemälde der, vor allem im 18. Jahrhundert gebräuchlichen, Ausstellungspraxis einer Beschneidung zum Opfer gefallen sein.

Quellenverzeichnis
Aus dem Kulturpool
Medienrechte
  • Giorgione - Österreichische Nationalbibliothek, ÖNB

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