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Allegorie des Fruehlings

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1. Allgemeine Ikonographie der vier Jahreszeiten

Das Motiv der vier Jahreszeiten kann von der Antike bis in die Kunst der Gegenwart nachgewiesen werden. Doch nicht nur eine weite Verbreitung in den verschiedenen Epochen, sondern auch die Bearbeitung des Themas in den unterschiedlichsten Materialien zeugt von einer großen Beliebtheit. Vor allem im mitteleuropäischen Raum finden Jahreszeiten-Darstellungen ihre Verbreitung. Die Ikonographie der vier Jahreszeiten hat also in der bildenden Kunst Europas zu jeder Zeit eine wichtige Rolle gespielt.

Als vierteiliger Zyklus angelegt, symbolisierte die Abfolge von Frühling, Sommer, Herbst und Winter den ewigen Kreislauf der Natur, dem der Mensch unterworfen ist, das Werden und Vergehen, Wachsen und Reifen, Vergänglichkeit und Erneuerung. Die Jahreszeiten versinnbildlichen sowohl das Vergehen der Zeit als auch die regelmäßige, endlose Wiederkehr der natürlichen Rhythmen. Einzeldarstellungen von Frühling, Sommer, Herbst oder Winter beschäftigen sich hingegen meist mit der Veranschaulichung eines abstrakten Begriffes in Form einer allegorischen Personifikation oder einer Genreszene.

2. Historischer Abriss der Jahreszeitendarstellungen

Zu den frühesten nachweisbaren Jahreszeiten-Darstellungen im europäischen Raum gehören diejenigen aus archaischer Zeit (6. Jahrhundert v.Chr.) in Griechenland. Die häufigsten Darstellungen in dieser Zeit findet man in der Vasenmalerei. Die Jahreszeiten werden zunächst als Göttinnen der griechischen Mythologie, genauer gesagt als Horen, dargestellt und treten meist nicht als Einzelpersonen, sondern in Prozessionen und mythologischen Szenen auf.

Erst in der frühen hellenistischen Epoche (am 300-150 v.Chr.) wurden zum ersten Mal nachweisbar personifizierte Jahreszeiten als Symbol für ein geordnetes Universum mit den zum Teil auch später üblichen Attributen dargestellt. Die ikonographischen Typen der Jahreszeiten-Darstellungen werden aus der Antike übernommen.

Die typologische sowie die kompositionelle Vielfalt der Jahreszeitendarstellungen der Antike reduzierte sich im Mittelalter auf eine geringere Anzahl von verschiedenen Darstellungen.

In romanischer und gotischer Zeit finden wir Jahreszeiten-Darstellungen zumeist in der Architektur als Portalfiguren vor allem an französischen Kathedralen oder auf Kapitellen.

Die Jahreszeiten werden oft zusammen mit den vier Elementen, den vier Winden, den vier Paradiesströmen, den Tierkreiszeichen und den Monaten dargestellt. Der schon in der Antike entstandene Gedanke, dass Jahreszeiten-Darstellungen als Repräsentanten der Lebensalter fungieren setzt sich im Mittelalter fort.

Vom 13. Jahrhundert an lässt sich ein wachsendes Interesse für Naturbeobachtungen feststellen, welches sich in Landschaftsporträts manifestiert.

In der Renaissance-Malerei werden die Jahreszeiten-Darstellungen wieder etwas zahlreicher und eine allmähliche Loslösung von der Antike macht sich bemerkbar. Die Jahreszeiten werden vermehrt auch einzeln und nicht mehr als Zyklus dargestellt. Im 17. und 18. Jahrhundert sind Jahreszeitenbilder besonders zahlreich vertreten, da die allegorische Darstellungsweise sehr beliebt ist und auch die Mythologie sowie die christliche Symbolik wieder an Bedeutung gewinnen. Eine neue Darstellungsform sind Genreszenen, die eine Verknüpfung von Landschaftsbildern mit Schilderungen des Landlebens beziehungsweise Schilderungen von Tätigkeiten in einer bestimmten Jahreszeit zeigen.

Wiederum müssen wir feststellen, dass die Jahreszeiten oftmals nicht als Zyklus, sondern als Einzelbilder vorgestellt werden.

Was den Typus der personifizierten Jahreszeitendarstellungen anbetrifft finden wir auch in der Kunst des Barock und des Rokoko keine grundsätzlichen neuen Darstellungsarten.

Im 19. und 20. Jahrhundert gibt es nur noch wenige Beispiele von Jahreszeitendarstellungen in der Kunst. Die Mythologie und die Symbolik, die um Barock eine so große Rolle gespielt haben verlieren zunehmend an Bedeutung. Das tradierte Motiv der vier Jahreszeiten existiert zwar noch vereinzelt, aber es hat einen Bedeutungsverlust erlitten.

3. Frühling

Innerhalb der Jahreszeiten symbolisiert der Frühling die Erneuerung des Lebens oder Auferstehung nach dem Tode.

Im Allgemeinen sowie auch speziell auf Frühlingsbilder bezogen können die Darstellungen in zwei Typologien unterteilt werden. Einerseits die Allegorien und andererseits saisonal geprägte, typisierte Landschaften, die oft mit Menschen, die eindeutige zeitgebundene landwirtschaftliche Tätigkeiten verrichten, gestaltet sind.

3.1 Allegorie des Frühlings

In der bildenden Kunst tritt die Allegorie besonders in der Sonderform der Personifikation auf, die durch Attribute und Handlungsweisen als Versinnfälligung eines abstrakten Begriffs agiert.

Der personifizierte Frühling wird meist in der Gestalt einer jungen Frau dargestellt, die einen Blumenkranz als Kopfschmuck trägt, Blumenzweige in den Händen hält oder eine Blumenkette bindet. Neben dem Hauptattribut der Blumen erkennt man die Allegorie des Frühlings auch anhand anderer Attribute wie Füllhorn, Korb mit Pflanzen, Hase, Lamm oder Früchte.

Die Statuette „Allegorie des Frühlings“ ist eine von vier die Jahreszeiten repräsentierende Trägerfigur eines drei Meter hohen silbernen Brunnens, der 1748 eingeschmolzen wurde. Die vier Karyatiden aus vergoldeter Bronze, die von dem Nürnberger Goldschmied Wenzel Jamnitzer [1]ab 1569 für Kaiser Maximilian II. bearbeitet wurden, blieben erhalten. Die Entwürfe für die Figuren stammten von dem Bildhauer Johann Gregor von der Schardt. Geliefert wurden die 71,2 cm hohen Statuetten erst 1578 an Kaiser Rudolf II. Der Frühling wird als junge Frau dargestellt, die in ihrer ausgestreckten rechten Hand eine Blume hält. Die Nacktheit der feuervergoldete Bronzefigur wird einzig durch einen zarten Zweig mit Blättern und Blüten verdeckt. Das Haar wird ebenfalls mit dem Attribut der Blumen geschmückt.

Die Allegorie des Frühlings wird oftmals auch als Göttin Flora [2]dargestellt. Sie war in der römischen Mythologie die Göttin der Blüte, im Besonderen der Getreideblüte.

Ein Beispiel hierfür zeigt das Gemälde des flämischen Künstlers Jan Boeckhorst [3]der 1630er.

Das Werk weist eine typische barocke Bildsprache auf. Die Betonung von Licht und Schatten, sowie eine kontrastreiche Anwendung von Farben charakterisieren es. Eine enge Mitarbeit von Jan Boeckhorst mit Peter Paul Rubens zeigt sich vor allem in den üppigen Rundungen der Figur. Flora wird als Halbfigur nahezu formatfüllend abgebildet. Ihr nackter Körper ist im Profil dargestellt und wird mit einem wehenden gelben Tuch mehr ent- als verhüllt. In ihrer linken Hand hält sie ein dunkles Tuch, welches ihren Schoß bedeckt und in dem ein Strauß Blumen liegt. Auffällig dabei sind die Maiglöckchen, als Frühlingsboten. Flora wendet ihr Gesicht dem Betrachter zu, blickt ihn jedoch nicht an. Auf ihrem Kopf trägt sie einen Blumenkranz.

Die Frühlingsgöttin wird sehr menschlich dargestellt. Die vielen Attribute kennzeichnen sie erst als Flora.

Allegorie des Frühlings: Drei junge Frauen mit Blumengirlanden
Allegorie des Frühlings: Drei junge Frauen mit Blumengirlanden

Ebenfalls eine Allegorie des Frühlings, jedoch mit vielen Unterschieden zeigt eine signierte Federzeichnung von Angelika Kauffmann [4]von vor 1781. Die Zeichnung zeigt drei junge Frauen, die damit beschäftigt sind Blumenketten zu binden. Im Vordergrund kniet eine der Frauen mit dem Rucken zum Betrachter auf dem Boden und greift mit ihrer rechten Hand in einen flachen Korb mit Blüten. Die zweite Frau sitzt auf einem Felsvorsprung, hat den Blick in Richtung Betrachter gewendet. Es scheint so als würde sie darauf warten bis sie der Dritten im Bunde die nächste Blume reichen kann. Die dritte Frau hält stehend eine Blumenkette in beiden Händen. Alle drei Figuren tragen luftige Kleider und haben ihr Haar hochgesteckt. Sie tragen keine offensichtlichen Attribute wie Blumenkränze, sondern der Frühling wird hier vielmehr durch ihre Tätigkeit dargestellt.

3.2 Das Motiv des Frühlings in der Landschafts- und Genremalerei

Die Landschaftsdarstellung des Frühlings wird oft durch Pflügen und Säen oder Blumenpflücken charakterisiert. Häufig finden wir auch einen Mann mit Spaten, das pflanzen oder beschneiden von Bäumen, harken und gießen oder das hüten von Schafen und Ziegen. Neben den bäuerlichen Arbeiten zeigen die Genreszenen des Frühlings auch vergnügliche Aktivitäten wie Tanzen und Spielen.

Der Frühling
Der Frühling

Die Zeichnung von Pieter Bruegel d.Ä. [5] von 1565 ist ein gutes Beispiel für Frühlingsdarstellungen, die sich mit Hilfe von Tätigkeiten, die dargestellt werden, identifizieren lassen.

Pieter Bruegel d.Ä. zeigt eine ganze Vielzahl an Aktivitäten, die mit dem Frühling in Verbindung stehen. Männer wie Frauen bestellen eine Garten, sie Schaufeln, Bewässern, Bepflanzen und Rechen. Auch das vorhin schon erwähnte Hüten von Schafen wird thematisiert. Im Hintergrund stellte Bruegel eine Schloss- beziehungsweise Burgarchitektur dar, vor der eine Figurengruppe musiziert. Am Himmel sieht man eine Formation von Vögeln, die ebenfalls als Bote des Frühlings gelten. Die Beschriftung am unteren Rand mit „de Lenten, Mert, April, Meij“ lässt keinen Zweifel mehr offen, dass es sich bei diesem Blatt um eine Frühlingsdarstellung handelt.

Ein weiteres Beispiel von Frühlingsdarstellung, jedoch mit einem anderen Hintergrund, stellt Francesco Bassanos [6]Gemälde „Frühling – Vertreibung aus dem Paradies“ dar. Wie der Titel schon offenbart ist das Gemälde allerdings keine reine Jahreszeitendarstellung, sondern verbindet damit eine alttestamentarische Darstellung. Das nach 1576 entstandene Werk enthält rechts im Hintergrund die Szene der Vertreibung Adams und Evas aus dem Paradies. Im Vordergrund sind Alltagsszenen aus einem bäuerlichen Umfeld dargestellt, die eine Verbindung zum Frühling herstellen.

Eine Genreszene der flämischen Malerei des 16. Jahrhunderts zeigt eine andere Herangehensweise. Um 1590 entstanden in der Werkstatt Frederik I. van Valckenborchs [7] vier verschiedene Marktszenen, wobei der Blumenmarkt erwartungsgemäß den Frühling symbolisiert. Das Gemälde ist in zwei Hälften unterteilt, die in starkem Kontrast hinsichtlich Nah- bzw. Fernsichtigkeit, Tiefenwirkung und Farbigkeit zueinander stehen.

Links im Vordergrund ist eine Marktszene dargestellt und rechts im Hintergrund sind verschiedene Elemente von Gartenlandschaft, Architektur und Figurengruppen zu sehen. Die Vordergrundszene ist eher dunkel und erzeugt die Atmosphäre eines Innenraumes. Die monochrome Umgebung steht im großen Gegensatz zu dem kontrastreichen Gewand der Figuren und den vielzähligen Blumen.

Diese Monochromie negiert auch jegliche Erzeugung von Tiefenraum. Die Vordergrundszene des Blumenmarkts beinhaltet drei Personen. Der Mann in der Mitte nähert sich einer der beiden Damen, die im Vordergrund sitzt, beugt sich zu ihr und stützt sich mit seiner linken Hand auf die Sessellehne. Die Frau beschäftigt sich gerade damit Blumen zu einem Arrangement zusammenzusuchen. In ihrer Linken hält sie einen Strauß Blumen und mit ihrer rechten Hand greift sie in einen Korb, der mit Blumen gefüllt ist. Ihren Blick richtet sie auf die rechte Hand des Mannes, die auf dem Tisch vor ihm ruht und ebenfalls einen kleinen Blumenstrauß hält. Die zweite Frau steht links neben dem Mann und hält mit beiden Händen eine Vase mit Blumen, die auf dem Tisch steht. Alle drei Personen tragen eine Kopfbedeckung beziehungsweise Kopfschmuck, der mit Blumen verziert ist. Die Dominanz der Blumen wird vor allem vor dem Tisch sichtbar. Hier stehen drei überquellende Blumenkörbe und auch auf dem Boden liegen flächendeckend  Blumen verstreut. Den Übergang in den Hintergrund bildet eine Treppe und ebenfalls Körbe mit Blumen, die allerdings weniger überfüllt sind wie die im Vordergrund, hin zu einer Person mit einer Topfpflanze in Händen.

Im Hintergrund eröffnet sich dem Betrachter ein Ausblick in einen Garten mit Brunnen, Gartenarchitektur, Gebäuden und Personen. Bilddiagonal angelegte Architekturelemente Erzeugen eine Tiefenwirkung. Die Figuren sind mit unterschiedlichen Aktivitäten beschäftigt, beispielsweise die Gruppe auf den Stufen, die musiziert oder zwei Männer, die eine Kiste mit Kakteen tragen. Die meisten Hintergrundfiguren unterhalten sich gesellig.

Die Thematik des Frühlings wird in diesem Gemälde also anhand von typischen Attributen, die in genrehaften Alltagsszenen wiedergegeben sind symbolisiert.

 

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