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Montag, 22. August 2022


Freitag, 30. September 2022 um 10:12:53 von Kulturpool Redaktion

Der Hagenbund und Gumpendorf

Anlass
Der Hagenbund und Gumpendorf

In Gumpendorf drunt auf ein Eck Numm’ro zwa
steht a dreistöckig’s Haus und das g’hört dem Papa,
in ein’ Zimmer da drinn’ steht a Kassa allan,
den Schlüssel dazu den hat die Frau Mama.
Drum fehlt uns a ’s ganze Jahr niemals an Geld,
um dös zu verputzen san mir auf der Welt;
wann von arbeiten g’redt wird, da kieg’n ma an Grant,
denn unser Vater is’ a Hausherr und a Seidenfabrikant,
denn unser Vater is’ a Hausherr und a Seidenfabrikant.

Den Text zu den D' Hausherrnsöhnl'n schrieb Wilhelm Wiesberg, die Musik stammt von dem berühmten Wienerlied Komponisten Johann Sioly, der gesamte Text ist Teil der Sammlung des Wiener Volksliedwerkes und unter diesem Link abrufbar:

https://www.wienervolksliedwerk.at/VMAW/VMAW/Liedtexte/dhausherrnsoehnln.htm

D' Hausherrnsöhnl'n
(wienervolksliedwerk.at)

D' Hausherrnsöhnl'n interpretiert und gesungen von Insingizi

Insingizi
https://youtu.be/AydikSxLU1U
Jubiläumsproduktion im Rahmen der 120 Jahre Casino Baumgarten und 60 Jahre Preiser Records
konzipiert und kuratiert von Martin Pusch und Dominik Nostitz
2012
Aus den Sammlungen von Preiser Records

Gumpendorf scheint in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine lebendige und gesellige Gegend gewesen zu sein. Außerhalb der Inneren Stadt gelegen, dennoch relativ zentral, zwischen Wien Fluss und Mariahilf und nah an den vielen zentralen und sozialen Treffpunkten der Stadt. Ein Spaziergang durch die Gumpendorfer Straße als Hauptachse und - ader der Gegend lässt noch heute diesen Eindruck erwecken. Gumpendorf war zu dieser Zeit schon eingemeindet in die Stadt Wien als fünfter Bezirk, neben den Vorstädten Mariahilf, Windmühl, Magdalenengrund und Laimgrube. So hat jedes Haus in der Gasse seine besondere Geschichte. Ein Stück Weltgeschichte hat das Haus "Zum blauen Freihaus" als Namensgeber und Dreh- und Angelpunkt einer sich dort regelmäßig einfindenden losen Gruppe an KünstlerInnen, deren Bezeichnung sich vom Wirten ihres Stammtisches ableitete: Josef Haagen, der dieses Gasthaus 1881 eröffnete und nach ihm sich später der "Hagenbund", der dort als Haagengesellschaft seinen Sitz hatte, formierte und nannte.


Zum Blauen Freihaus
Gumpendorferstraße 7
(heute auf Stelle Nr. 9, Orignalhaus wurde abgerissen)
or 1902
Aus Geschichte.Wiki.Wien

Im sogenannten "Blauen Haus" waren auf Befehl Karls VI. sämtliche in Wien anwesenden Spielkarten- Erzeuger und Kartenmaler samt ihren Familien untergebracht. Sie durften nirgends anders als in diesem magistratischen Freihaus wohnen, da der Kaiser streng gegen die in Wien "eingerissene Spielwuth" vorging und daher viele einschränkende Verordnungen erließ. Das Haus kam später in den Besitz von Privaten. 1881 eröffnete der Gastwirt Josef Haagen das Gasthaus "Zum blauen Freihaus".
(GeschichteWiki.Wien)

"6., Gumpendorfer Straße 9 - "Zum blauen Freihaus" (Anfang des 20. Jhdt. demoliert), Ansichtskarte"
Freihaus
Zum blauen Freihaus
Datierung 1906
Aus der Grafik- und Fotosammlung des Wien Museums

Die Haagengesellschaft könnte man einen künstlerischen Stammtisch nennen, bestehend aus jungen Künstlern, Architekten, Malern und Bildhauern, die sich regelmäßig ab den 1870er Jahren in Josef Haagens Gasthaus einfanden, dort diskutierten, Erfahrungen austauschten und neue Ideen kennenlernten. Aus vielen dieser Protagonisten wurden dann Künstler der Wiener Secession beziehungsweise des Hagenbundes.

Der Hagenbund wurde im Jahr 1900 gegründet und versteht sich als Abspaltung aus der Gesellschaft der bildenden Künstler Wiens, kurz auch das Künstlerhaus genannt. In dieser Zeit war es für Bildende Künstler ausschlaggebend, Teil einer Vereinigung zu sein. Das damals durchgesetzte Vereins- und Versammlungsrecht ermöglichte das Bilden von Vereinigungen und Gesellschaften, die für die weiteren Erfolgschancen damals wirkender junger KünstlerInnen wesentlich und auschlaggebend waren. Das Künstlerhaus wurde 1865 - 1868 errichtet und ist als Gesellschaft bildender Künstlerinnen und Künstler die älteste noch bestehende Künstlervereinigung Österreichs. Sie galt vor Abspaltung der Wiener Secession und des Hagenbundes als die maßgebliche Interessensvertretung aller Wiener Künstler.

Hagenbund
Hagenbund
Urban, Joseph (Entwurf)
Hagenbund (Auftraggeber)
Christoph Reisser's Söhne <Wien> (Druckerei)
1904
Aus der Bibliothek und Kunstblättersammlung des Museum für angewandte Kunst, Wiens (MAK)

Viele progressivere jüngere Kräfte waren unzufrieden mit den Umgängen und Gepflogenheiten der Gesellschaft der bildenden Künstler und formierten eine neue Vereinigung im Jahr 1887, die Wiener Secession. (lat: secessionem = Abspaltung, Trennung). Unter den ca. 20 Künstlern befanden sich unter anderem Gustav Klimt (in Folge 1. Präsident der Wiener Secession), Koloman Moser, Josef Hoffmann und Joseph Maria Olbrich. Drei Jahre später, gründeten eine Reihe von weiteren Künstlern, darunter maßgeblich beteiligt die Künstler Joseph Urban und Heinrich Lefler, den Hagenbund am 3. Februar 1900. Diese blieben kurze Zeit noch räumlich im Künstlerhaus, quasi als Club mit Ausstellungsrecht, sehr bald kam es aber zu Streitigkeiten und die Suche nach einem eigenen Sitz war die Folge.

Berühmt und bezeichnend wurden die Ausstellungen in der Zedlitzgasse und an weiteren Orten. Eine Blütezeit des Hagenbundes als Plattform der Moderne, war die Zwischenkriegszeit.

"Mit dem Einmarsch deutscher Truppen, war auch das Ende des Hagenbundes besiegelt. Noch im Jahr 1938 wurde die Vereinigung aus politischen, rassischen und künstlerischen Gründen aufgelöst. Viele Mitglieder mussten Österreich verlassen, da sie rassisch nicht den neuen Machthabern entsprachen (z. B. Georg Merkel, Georg Ehrlich, Albert Reuss, Viktor Tischler, Georg Mayer-Marton). Andere Mitglieder verließen Österreich aus politischen Gründen (Carry Hauser, Otto Rudolf Schatz), einige, die blieben, erhielten Ausstellungsverbot. Zwei weitere Künstler, die nicht oder nicht weit genug fliehen konnten, wurden in Konzentrationslagern ermordet (Fritz Schwarz-Waldegg, Robert Kohl)". (wikipedia)

Das Gasthaus "Zum Blauen Freihaus" in Gumpendorf ist keine 400 Meter entfernt von den ehemaligen Hofstallungen, dem späteren Messepalast und nun dem Museumsquartier mit dem Leopold Museum, das derzeit eine sehenswerte Ausstellung des Hagenbundes zeigt:

AUSSTELLUNG "HAGENBUND" im Leopold Museum
Von der gemäßigten zur radikalen Moderne
16.09.2022 bis 06.02.2023


Terzetta
Robert Kloss
1922
Foto: Graphisches Atelier Neumann
Aus der Sammlung Oesterreichische Nationalbank

"Der Künstlerbund Hagen wurde im Jahr 1900 als Reaktion auf den Konservativismus des Künstlerhauses gegründet und etablierte sich spätestens in den 1920er-Jahren als „heute radikalste Gruppe“ (Robert Musil, 1922) innerhalb der Wiener Künstlervereinigungen. Das 1902 erstmals bespielte Ausstellungshaus Zedlitzhalle im 1. Wiener Bezirk diente nicht nur als identitätsstiftender Präsentationsort für die Mitglieder, sondern auch als Halle für innovative Ausstellungskonzepte und internationale Kunstpräsentationen.

Nach Präsentationen bei der Kunstschau Wien 1908 und 1909 erreichte der Hagenbund in den 1910er-Jahren einen bedeutenden Status als Plattform für junge, zeitgenössische Kunst. Legendär ist die Sonderausstellung Malerei und Plastik 1911 mit Werken von Oskar Kokoschka, Anton Faistauer, Anton Kolig oder etwa Albert Paris Gütersloh, ebenso wie jene mit den eben genannten Protagonisten des Umfeldes der Neukunstgruppe und zahlreichen Werken Egon Schieles. Insbesondere die 1920er-Jahre gelten als die Blütezeit des Hagenbundes, wo letztendlich der Schritt von einer gemäßigten hin zu einer radikalen Moderne gesetzt wurde. Wenngleich weder ein einheitliches Stilwollen noch ein künstlerisches Manifest seitens des Hagenbundes existierte, so ist doch eine Betonung auf Ausformungen der Neuen Sachlichkeit sowie post-expressionistische Tendenzen mit kubistischen Versatzstücken charakteristisch.

Der Hagenbund erlebte in seiner fast vier Jahrzehnte währenden Existenz eine äußerst wechselvolle Geschichte, die von der Monarchie über die Ausrufung der Ersten Republik, vom austrofaschistischen Ständestaat bis hin zur Machtübernahme der Nationalsozialisten führte. Letztere veranlassten schließlich – wegen zu moderner und liberaler künstlerischer Ansichten, der hohen Anzahl von Künstler*innen mit jüdischen Wurzeln und eines linken Flügels unter den Mitgliedern – im September 1938 die Auflösung der Künstlervereinigung. Eine große Anzahl der Mitglieder wie Georg und Bettina Ehrlich-Bauer, Josef Floch, Carry Hauser, Lilly Steiner, Otto Rudolf Schatz oder Felix Albrecht Harta mussten emigrieren oder wurden – wie Robert Kohl oder Fritz Schwarz-Waldegg – im Konzentrationslager ermordet."
Ausstellungstext Leopold Museum


Hagenbund - 12. Ausstellung
#PredmetAutor:3617749
Museum of Decorative Arts in Prague
Europeana /Narodni Museum
Alfred Keller
1904


Herbsausstelung Hagenbund
#PredmetAutor:3616449
Museum of Decorative Arts in Prague
Europeana /Narodni Museum

Parallel zu der Ausstellung im Leopold Museum gibt es immer wieder auch in diversen Galerien Ausstellungen von KünstlerInnen aus dem Hagenbund, so derzeit in der Galerie Wienerroither & Kohlbacher.

JOSEF FLOCH – AN ARTIST OF THE HAGENBUND

Maternité
Josef Floch
Öl auf Leinwand, 60,3 x 73,6 cm
um 1928-30

Laufzeit der Ausstellung
Freitag 23.9.2022 - Freitag 25.11.2022
W&K - WIENERROITHER & KOHLBACHER
Strauchgasse 2
1010 Wien