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Montag, 24. Oktober 2016



Donnerstag, 30. Juni 2016


Donnerstag, 22. September 2016 um 14:49:41 von Kulturpool Redaktion

Skilift - Ansichtskarte - Sehnsuchtsmaschine

Anlass
Vorarlberger Landesrepositorium neu auf Kulturpool

Tief verschneite Berge. Sehnsuchtslandschaften der Wintersportler. Nostalgische Schlepplifte. Tausende solcher Fotos und Ansichtskarten aus der Sammlung der Vorarlberger Landesbibliothek sind nun digitalisiert und somit auch online einzusehen. Sie sind Teil einer noch viel umfangreicheren Sammlung von Fotos, die dank „volare“, dem Vorarlberger Landesrepositorium, nun von landeskundlich Forschenden, aber auch von der interessierten Öffentlichkeit einfach gefunden und genutzt werden können. „volare" erleichtert den Zugang nicht nur für die Regional-, Sozial- und Kulturgeschichtsforschung, sondern auch für jene, die ihren Heimatort oder ihr Urlaubsziel neu entdecken oder ganz allgemein in der Vergangenheit schmökern wollen.

Alpengasthof Fuchswaldhaus mit Skilift (links) und Skilift in Gaschurn (rechts)

Durch die Einbindung in den Kulturpool, Österreichs Webportal zu Kunst, Kultur und Bildung, das seinerseits mit der europäischen Datenbank Europeana (http://www.europeana.eu) vernetzt ist, stoßen Interessierte nun auch dann schnell auf die Vorarlberger Digitalisate, wenn ihnen die Provenienz nicht bekannt ist.

Allein das Firmenarchiv des ehemaligen Ateliers und Ansichtskartenverlags Risch-Lau, das 1990 von der Landesbibliothek erworben wurde, besteht aus über 41.000, nun auch digital verfügbaren Aufnahmen (Glasplatten- und Zelluloid-Negative, Positive), das zu einem großen Teil Landschaftsfotos aus Vorarlberg enthält und nicht nur eine wertvolle Quelle für die österreichische Tourismusgeschichte darstellt, sondern auch einen Hinweis auf einen noch kaum erforschten Aspekt der Fotografiegeschichte liefert, in der Frauen schon früh eine bis heute unterschätzte Rolle gespielt haben.

Skilift in Damüls (links, 1952) und in Schröcken (rechts, 1954) 

Die Ateliergründung anno 1885 geht nämlich auf die Geschwister Anna Katharina und Barbara Lentsch zurück, zwei Pionierinnen der Fotografie in Österreich. 1847 reisten die beiden Geschwister auf einem Floß nach Wien, um dort die Daguerreotypie zu erlernen und ihre Kenntnisse anschließend als reisende Lichtbildnerinnen zu nutzen. Von Anna Katharina ist bekannt, dass sie bis in die Türkei, nach Russland, auf den Balkan, nach Deutschland und in die Schweiz gekommen ist. (vgl. Timm Starl: „Frauenberuf und Liebhaberei Fotografinnen in Österreich bis zum Ersten Weltkrieg“ - http://timm-starl.at/download/Starl_Fotografinnen.pdf). Schließlich ließ sie sich in Bregenz nieder und wurde - gemeinsam mit ihrer Tochter Ida, die zunächst mit dem Fotografen Wilhelm Lau aus Hohenzollern und später mit dem Fotografen Carl Risch verheiratet war - zur Begründerin der Fotografen-Dynastie Risch-Lau.

Skigebiet Hochtannberg (links, 1966) und Zürs am Arlberg (rechts, 1941) 

Das Atelier und der daraus hervorgegangene Ansichtskartenverlag produzierten u.a. prägende Stereotype von Wintersportlandschaften, die Betrachter auf der ganzen Welt erreichten und alpine Landschaftsbilder in den Köpfen der Menschen beeinflussten, die jahrzehntelang große Wirkung auf Reise- und Urlaubsentscheidungen hatten. Die Bildpostkarte war um die Wende zum 20.Jahrhundert und noch weit bis in die 1950er und 1960er Jahre ein zentrales Alltagskommunikationsmittel, mit dem Touristen indirekt Werbung für die Orte machten, aus denen sie verschickt wurden. Sie waren der Inbegriff einer „desire-producing knowledge-machine“ (als die der britische Kultursoziologe John Urry die kommerzielle Fotografie bezeichnet; vgl. „The Tourist Gaze: Leisure and Travel in Contemporary Societies", London 1990), welche bei den Betrachtern den Wunsch entstehen lässt, seinen Körper an die dargestellten Orte zu „transportieren“.

Skilift in Damüls (links) und in Zürs (rechts)

Da Bildpostkarten immer auch mit Wissenssubtexten über die abgebildete "Natur" unterlegt sind, eignen sie sich daher auch als Quellen für die Umwelt- und Regionalgeschichte, die in den (österreichischen) Alpen immer auch eine Geschichte des durch den Tourismus evozierten Wandels ist. Einen Eindruck davon gibt nicht zuletzt die umfangreiche Serie der Skiliftmotive aus dem Firmenarchiv des Ateliers Risch-Lau.