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Montag, 29. Februar 2016



Freitag, 29. Januar 2016


Dienstag, 16. Februar 2016 um 20:04:34 von Kulturpool Redaktion

Venedig in Wien

Anlass
250 Jahre Wiener Prater

In der Tradition der Jahrmärkte – seit dem Mittelalter Treffpunkt und Bühne für Gaukler, Tänzer und Akrobaten – entwickelte sich Ende des 19. Jahrhunderts der Vergnügungspark als ein neuer Typ von Volksfest, als eine Art Volksfest des mechanischen Zeitalters, das nicht nur der billigen Unterhaltung des rasch wachsenden städtischen Proletariats diente, sondern - wenn auch zum Teil räumlich getrennt (der „Nobelprater“ an der Hauptallee, der Volkspartei nahe dem Praterstern) - auch zahlreiche Attraktionen für das Bürgertum bot, wie Musik- und Theaterveranstaltungen (u.a. regelmäßige Konzerte von Strauss, Lanner und Ziehre), Zirkusvorführungen und Restaurants.

"Venedig in Wien" - Fotografie vom Riesenrad Richtung Praterstern (1900)

Mit der Eröffnung des Vergnügungsparks „Venedig in Wien“, einem der ersten großen Themenparks der Welt, im Mai 1895 hatte der Prater, der nach dem Börsenkrach 1873 zur Insolvenz vieler Unterhaltungsetablissements führte, wieder neuen Glanz bekommen. Die Nutzung des zwischen Praterstern, Ausstellungsstraße und Prater Hauptallee gelegenen Kaisergartens als Ort für die Errichtung dieses Themenparks geht auf 1890/91 zurück, als Kaiser Franz Joseph I. die Liegenschaft an die englische Investorengruppe „Kaisergarten-Syndicate limited" verkaufte. In den folgenden Jahren errichtete der Unternehmer Gabor Steiner gemeinsam mit dem Architekten Oskar Marmorek (1863--1909) auf dem Gelände der heutigen Kaiserwiese eine 5000 m² (andere Quellen nennen 8000 m²) große bauliche Anmutung Venedigs.

"Vendig in Wien" - Fotografien

Die ganze Anlage war um drei große Plätze (campi) gruppiert, die jeweils von verschiedenen nachgebauten historischen Palazzi umsäumt wurden. Außerhalb dieser Bauten wurden die drei Plätze von einem künstlichen Wasserlauf umspült, der an mehreren Stellen beiderseits von Häusern begrenzt wurde. Der etwa 1 km lange Kanal wies eine Mindestbreite von fünf Metern auf sowie ein schwaches Gefälle, um Fließwasser zu erzielen. Zwei große Bassins, Erweiterungen des Kanals, dienten zum Ein- und Aussteigen sowie zur Aufnahme des dadurch bedingten größeren Gondelverkehrs. Die auf dem Kanal angebotenen Bootsfahrten fanden in original venezianischen Gondeln statt, die von echten venezianischen Gondolieri bewegt wurden. Neben "romantischen Gondelfahrten" durch die Kulissenstadt konnte man auch zahlreichen Theater- und Musikproduktionen beiwohnen, die neuesten technischen Errungenschaften und Unterhaltungsangebote bestaunen (Phonopraphen, Kinemathographen, Wasserrutschbahn, Riesenrad etc.) oder einfach in einer der zahlreichen Gaststätten verweilen.

Werbeplakate für "Venedig in Wien" (Druckgrafiken, Sammlung Albertina)

Das Projekt war in den ersten Jahren ein großer Publikumserfolg, das Menschen aller Schichten in Massen anzog. In den ersten Tagen der Eröffnung besuchten bis zu 20.000 Besucher täglich das Ausstellungsareal. Angeblich sollen in der ersten Saison 2 Millionen Besucher Venedig in Wien besucht haben. Bereits 1901 wurden die venezianischen Bauwerke aber wieder abgetragen und durch Bauten zu neuen Themen (etwa „Alt Wien“) ersetzt.

"Venedig in Wien" - Fotografien