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Montag, 29. September 2014



Sonntag, 21. September 2014


Sonntag, 21. September 2014 um 23:10:15 von Kulturpool Redaktion

Als die Bardot noch brünett war

Anlass
80 Geburtstag einer Sex-Ikone

Brigitte Anne-Marie Bardot (geboren am 28.September 1934) - kurz „B.B.“ - war das Sexsymbol der 1950er und 1960er Jahre, eine der begehrtesten und meistfotografierten Frauen der Welt und - auch wegen ihrer Ehe mit dem „Gentleman Playboy“ Gunter Sachs - Liebling der Boulevard-Magazine. Mit Filmen wie „Die Wahrheit“ (1960, Regie: Henri-Georges Clouzot ), „Die Verachtung“ (1963, Regie: Jean-Luc Godard) und „Viva Maria“ (1965, Regie: Louis Malle) schrieb die Bardot Filmgeschichte. Der internationale Durchbruch gelang ihr jedoch schon 1956 mit Roger Vadims erstem Film „Und immer lockt das Weib“, der auch in Amerika ein großer Erfolg wurde und den Mythos B.B. begründete.

Die Bardot in Wien (1955): Mit Isabelle Pia vor der Wiener Staatsoper, mit Marc Allégret bei der Ankunft am Westbahnhof und beim Strumpf-Einkauf in einem Palmers-Geschäft

Ein Jahr davor drehte Brigitte Bardot - gemeinsam mit Isabelle Pia und Jean Marais - auch in Wien. Und auch wenn sie damals noch nicht das „blonde Gift“ war, als das sie später in die Annalen eingehen sollte, verdrehte sie nicht nur im Film den Männern den Kopf, sondern während der Dreharbeiten auch den Wiener „Adabeis“, die sie auf Schritt und Tritt verfolgten: Bei der Ankunft am Westbahnhof, beim Strumpf-Einkauf in einem Palmers-Geschäft, beim Frühstücken im Hotel, beim Bummeln durch die Stadt.

Die Bardot in Wien (1955): Mit Isabelle Pia bei den Proben im Konservatorium, beim Frühstücken im Hotel und im Orient Express bei der Ankunft in Wien 

Dass der Mythos B.B. trotzdem nicht in Wien geboren wurde, lag nicht nur an dem Film, einer kinematographisch schlecht umgesetzten Adaption eines Romans der österreichischen Schriftstellerin Vicki Baum in der Regie der Bardot-Entdeckers Marc Allégret, der unter verschiedenen Titeln lanciert wurde („Futures vedettes“, „School for Love“, “Joy for Love" sowie - in der deutschen Fassung - „Reif auf jungen Blüten“), sondern wohl auch daran, dass die Bardot damals noch gar nicht blond war.

Bei den Dreharbeiten zu "Futures Vedettes" (1955) mit Isabelle Pia (vor dem Wiener Konzerthaus) und Szenen aus dem Film nach einem Roman von Vicki Baum (mit Jean Marais)

Dennoch: schon als Brünette deutete sie ihren unwiderstehlichen Sex-Appeal an. Und in der Rolle der jungen Gesangsschülerin am Wiener Konservatorium gelingt es ihr leicht, ihre blonde, aber eher romantische, ans Herz appellierende Gegenspielerin (gespielt von Isabelle Pia) beim Wettlauf um die Verführung des attraktiven Gesangslehrers und gefeierten Tenors Eric Walter (gespielt von Jean Marais) auszuspielen.

Spätere Besuche der Bardot in Wien gaben weniger Anlass zur Freude der Adabeis. Nachdem sie 1973 ihre Filmkarriere an den Nagel hängte, machte sie bald nur mehr Schlagzeilen mit rassistischen Statements, als naiv-radikale Tierschützerin und Parteigängerin von Jean-Marie Le Pen. Ideologisch hat sie noch einmal ihre Haarfarbe gewechselt. Aus der Sex-Ikone ist eine Muse der französischen Rechtsradikalen geworden.

Link zum Trailer des Films „Futures vedettes“: http://www.youtube.com/watch?v=N0InaNNgQ3Q

Montag, 29. September 2014 um 23:55:44 von Kulturpool Redaktion

Ferdinand Bauer - Die Kunst der botanischen Illustration

Anlass
Ausstellung im Naturhistorischen Museum

Botanische Illustrationen haben eine lange Tradition und werden doch als eigenständige Kunstform selten ausreichend gewürdigt. Dies liegt vermutlich daran, dass die Kunst der Darstellung von Pflanzen primär der naturwissenschaftlichen Forschung diente und dass Zeichnungen oder mit Wasserfarben gemalte Bilder von Pflanzen vor allem in botanischen Büchern und Magazinen veröffentlicht wurden, die sich nicht in erster Linie an Kunstinteressierte wandten.

Pflanzenstudien: Links eine Zeichnung von Ferdinand J.W.Laufenberger, 1857 (Albertina, Wien) und rechts eine Zeichnung von Rudolf Schick, 1867 (Albertina, Wien)

Schon in frühen pharmazeutischen Büchern wurde die schriftliche Beschreibung verschiedener Kräuter und Heilpflanzen durch entsprechende Illustrationen ergänzt. Das älteste noch erhaltene derartige Buch, der „Codex Vindobonensis“, ist Teil der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek. Es handelt sich dabei um eine im 6.Jahrhundert erstellte (und um andere Texte erweiterte) Kopie des bis ins 16.Jahrhundert einflussreichen medizinischen Werks von Pedanios Dioskurides, des berühmtesten Pharmakologen des Altertums. Die 491 Pergamentblätter des auch „Wiener Dioskurides“ oder Anicia-Juliana-Kodex genannten Buches enthalten an die 400 Abbildungen von Pflanzen und Tieren. Die Kopie wurden vermutlich um 1560 in Istanbul von einem zur Entourage Ferdinand I (1503-1564), dem Begründer der österreichischen Linie der Habsburger, gehörenden Diplomaten entdeckt und fand so ihren Weg nach Wien. Seit 1997 zählt sie zum UNESCO-Weltdokumentenerbe.

Der „Wiener Dioskurides“ („Codex Vindobonensis“) zählt seit 1997 zum UNESCO-Weltdokumentenerbe  (Österreichische Nationalbibliothek, Wien)

Mit Ferdinand Lucas Bauer (1760-1826) hat Österreich auch einen der bedeutendsten Künstler botanischer Zeichnungen und Gemälde hervorgebracht. Bauer war der erste Europäer, der die einzigartige Tier- und Pflanzenwelt Australiens detailliert und umfassend festhielt. Obwohl als „Leonardo der Naturmalerei" bezeichnet, ist der Künstler heute kaum mehr bekannt.

Bauer: Der Leonardo der Naturmalerei

Er arbeitete mit Baron Nikolaus von Jacquin, Professor für Botanik und Chemie an der Universität Wien und Direktor des Botanischen Gartens, und dem bedeutenden britischen Botaniker John Sibthorp zusammen. 1784 bat Sibthorp Bauer, ihn als naturhistorischer Zeichner auf einer Reise nach Griechenland und zu den griechischen Inseln zu begleiten. Anschließend kehrten sie gemeinsam nach England zurück, wo Bauer die Zeichnungen für seine „Flora Graeca" fertigstellte. Dort lernte er Sir Joseph Banks kennen, der ihn 1801 als botanischen Zeichner für die Expedition nach Terra Australis unter Kapitän Matthew Flinders vermittelte. Bei dieser Reise wurde der australische Kontinent zum ersten Mal umsegelt.

Ferdinand Bauers "Flora Graeca" (links) und Bauers Illustrationen von australischen Pflanzen  (rechts)

Vier Jahre später kehrte Bauer nach England zurück, im Gepäck 11 Kisten mit 1.542 Zeichnungen von australischen Pflanzen, 180 von Pflanzen der Norfolk Inseln und über 300 von Tieren. Der Großteil dieser Zeichnungen befindet sich heute im British Museum, die originalen Wasserfarbenbilder, die Bauer für Sibthrop und Lambert’s „Flora Graeca“ anfertigte, im Archiv der Universität von Oxford.

Bildnis des Pedanios Dioskurides (links) und kolorierte Zeichnung aus dem "Wiener Dioskurides"(rechts)

Nach seiner Rückkehr aus Australien arbeitete Ferdinand Bauer fünf Jahre lang an seinem Werk „Illustrationes Florae Novae Hollandiae“, eher er Im August 1814 nach Wien zurückkehrte, wo er seine herausragende Arbeit fortsetzte und wesentlich zum „Codex Liechtenstein“ beitrug, einem wichtigen Nachschlagewerk mit mehr als 3.000 botanischen Zeichnungen. Mehr als 2.000 seiner Bleistiftskizzen und Zeichnungen befinden sich heute im Bestand des Wiener Naturhistorischen Museums, das dem Künstler nun eine eigene Ausstellung widmet. Kein geringerer als Johann Wolfgang von Goethe wusste die Meisterschaft Ferdinand Bauers zu schätzen und war „beim Anblick dieser Blätter bezaubert; die Natur ist offenbar, die Kunst versteckt, die Genauigkeit groß, die Ausführung mild, die Gegenwart entschieden und befriedigend.“