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Dienstag, 17. Juni 2014



Dienstag, 17. Juni 2014


Samstag, 14. Juni 2014 um 09:42:17 von Kulturpool Redaktion

Wandern durch Europas digitale Archive

Anlass
Neue Kulturpool-Suchfunktion

Anders als die Bildergalerie des Google Art Projects funktionieren die mit Europeana kooperierenden und vernetzten digitalen Archive als virtuelle Flaniermeilen durch das kulturelle Erbe Europas. Nationale Provider wie kulturpool.at führen die digital erfassten Kunstwerke auf einer Plattform zusammen, sodass der Besucher nicht nur virtuell durch die Sammlung eines bestimmten Museums schlendern kann, sondern gleich durch die gesamten bisher digitalisierten und in die Kulturpool-Datenbank eingespeisten Bestände aller beteiligten Museen und Archive, die in ihrer Gesamtheit das kulturelle Erbe Österreichs repräsentieren.

Der „digitale Streuner“ kann sich damit viel assoziativer durch die Bestände und Sammlungen bewegen als der reale Museumsbesucher, auch assoziativer als der Besucher der Online-Kunst-Datenbank von Google. Das eröffnet eine neue Art der Kunstbetrachtung, die nicht in Konkurrenz steht zum realen Museumsbesuch.

Zwei von über 1000 Bildern, die nach der Eingabe des Stichworts "Richter" in der Kulturpool-Datenbank zu finden sind: Portrait des Biedermeier-Künstlers Ludwig Richter (links) und Fotografie der Schauspielrin und Filmproduzentin Ellen Richter (rechts)

Wer zum Beispiel auf Kulturpool das Stichwort „Richter“ eingibt, findet nicht nur alle Maler, Schriftsteller, Schauspielerinnen und Musiker mit dem Namen Richter, etwa den deutschen Künstler Ludwig Richter (1803-1884) oder die österreichische Schauspielerin und Filmproduzentin Ellen Richter (1891-1969), sondern stößt unter anderem auch auf ein Ölgemälde mit dem Titel „Phyrne vor den Richtern“ des Künstlers Heinrich Friedrich Füger (1751-1818) und von dort auf andere „verwandte Objekte aus dem Kulturpool“, zum Beispiel auf weitere Werke dieses bedeutenden Malers des Klassizismus.

Mit der seit Mai 2014 aktiven Zusatzfunktion werden nun auch verwandte Objekte aus der gesamteuropäischen Datenbank Europeana angezeigt; das heißt man „stolpert“ mit der Eingabe “Richter“ nach der Auswahl eines Detailergebnisses dann mitunter auch über eine Handschrift von Christianus Richter aus dem 17.Jahrhundert, die zu den Beständen der Königlichen Bibliothek der Niederlande gehört. Auf der Objekt-Seite von Europeana gelandet kann man sich endlos weitertreiben lassen zu „other items you may be interested in“.

„Phyrne vor den Richtern" von Heinrich Friedrich Füger (ein weiteres Suchergebnis zum Stcihwort "Richter")

Natürlich kann man sich auf diesem Weg auch leicht verirren - schließlich enthält Europeana mittlerweile über 33 Millionen Digitalisate. Aber man kann - wie beim Flanieren durch eine unbekannte Stadt ohne Stadtplan - auch viele überraschende Entdeckungen machen, nicht nur die kanonisierten Sightseeing- bzw. Sammlungs-Highlights sehen, sondern auch auf Objekte stoßen, die man nie und nimmer irgendwo original zu sehen bekommt, weil sie in Tiefenspeichern und in für Otto Normalverbraucher nicht zugänglichen Archiven gelagert werden. Wir nennen das Flanieren durch die digitalen Kulturdatenbanken „finden ohne zu suchen“.

Dienstag, 17. Juni 2014 um 08:59:30 von Kulturpool Redaktion

Fussball auf Radern

Anlass
Fußballweltmeisterschaft 2014

Es gibt absurdere Dinge als 22 erwachsene Männer, die auf einem abgesteckten Rasen einem Ball hinterherrennen. Auch wenn Deutschland nicht gewinnt. Zum Beispiel acht Männer, die auf röhrenden Motorrädern sitzen und einem Ball hinterherfahren.

In Russland tun sie es in professioneller Manier. In wenigen anderen Ländern zumindest auf Amateurbasis: Vor allem in Frankreich, in Holland, in den baltischen Staaten sowie in Weißrussland und - natürlich in der benachbarten Bundesrepublik, wo heute 16 Clubs jedes Jahr eine Deutsche Meisterschaft austragen.

In Österreich treiben sie es nicht mehr, auch wenn heimische Männer einst zu den Pionieren der „schnellste Mannschaftssportart der Welt“ zählten. Die Rede ist von Motoball, auch Motorrad-Fußball genannt. Das belegt zumindest ein Bild des legendären österreichischen Sportfotografen Lothar Rübelt aus der Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek, datiert mit 1920. Und es straft die im Internet kursierende Mähr Lügen, dass diese seltsame Nischensportart erstmals in Frankreich der 1930er Jahre praktiziert wurde.

Motoball 1920 in Wien: Foto von Lothar Rübelt (Österreichische Nationalbibliothek)

Glaubhafter, wenn auch noch nicht ausreichend historisch erforscht, dürfte der motorisierte Fußball auf britische Armeeangehörige zurückzuführen sein, die sich nach dem 1.Weltkrieg in ihren Kasernen langweilten und genug Motorräder und Mechaniker nutzlos herumstehen hatten. Bald wurde sowohl eine Club-Meisterschaft als auch ein nationaler Cup-Wettbewerb ausgetragen und noch in den 1960er Jahren erfreute sich der Sport auf der Insel großer Beliebtheit bis auch ihn das Speedway-Schicksal ereilte.

Für die späten 1920er Jahre ist Motoball auch für die Vereinigten Staaten belegt - dort allerdings unter dem edler klingenden Namen „Motorcycle Polo“. Mit der Wirtschaftskrise und dem Beginn des 2.Weltkriegs ist das Spiel, das vorwiegend auf alten Harley Davidsons und Indians ausgetragen wurde, in den USA aber ausgestorben und konnte - anders als in Teilen Europas - danach nicht wieder Fuß fassen.

Motoball einst und jetzt: In Frankreich in den 1950er Jahren (links) und heute in Russland (mitte und rechts)

In der UdSSR gab es Motoball seit dem Jahre 1937, als Studenten von der Moskauer Hochschule für Körperkultur und Sport dafür Interesse zeigten. Die ersten offiziellen Wettkämpfe wurden 1962 auf Initiative der Zeitschrift „Sa ruljom“ („Am Steuer“) ausgerichtet. Die ersten Meister waren Mitglieder der Mannschaft „Kometa“ aus der Stadt Elistà. Bei den jährlich ausgetragenen Europameisterschaften (an denen sich freilich nur wenige Nationen beteiligen) hat sich die russische Mannschaft bis heute als Seriensieger etabliert.

Glaubt man den spärlichen (und kaum überprüfbaren) Quellen, dann waren es aber wohl die Österreicher, die in den 1920er Jahren ein Motoball-Spiel zum ersten Mal als Nationalteam bestritten hatten - gegen Ungarn, wen sonst?

Österreichs Motoball-Nationalteam? Das Bild zeigt angeblich die Motoball-Nationalmannschaften von Österreich und Ungarn vor einem Länderspiel in den 1920er Jahren (aus: http://mscpuma.de/Motoball%20einst.htm).

Ein Motoball-Team besteht übrigens aus 4 motorisierten Feldspielern und einem (nicht-motorisierten) Tormann. Auch die beiden Schiedsrichter müssen zu Fuß laufen und sich durch die über das Fußballfeld rasenden Maschinen der 250er Klasse schlängeln. Der Torwart genießt einen besonderen Schutz durch einen 5,75 Meter großen Halbkreis, den die Feldspieler nicht befahren dürfen und der Torwart seinerseits nicht verlassen darf. Bei dem Spielball handelt es sich um einen luftgefüllten Lederball mit einem Durchmesser von ca. 40 cm und einem Gewicht von 800 bis 900 Gramm. Er darf, wie beim Fußball, nur mit dem Fuß getreten werden; die Ballberührung mit dem Vorderrad gilt als „Hands“.

Ein Spiel geht über vier Viertel zu je 20 Minuten mit jeweils 10 Minuten Pausen, in denen die Motorräder repariert werden dürfen. Und die Spieler verarztet ….

Da das „normale“ Fußballspiel längst keine Männerdomäne mehr ist, dafür die Verletzungsgefahr hier immer noch deutlich höher, gilt Motoball als letztes mannschaftssportliches Refugium für „richtige Männer“ (siehe auch: http://www.youtube.com/watch?v=JbO6ynXuX1g).

Und das verleiht dem Begriff „Nischensportart“ noch einen ganz subtilen Nebensinn.

Freitag, 27. Juni 2014 um 08:21:30 von Kulturpool Redaktion

Im Digitalen Zeitungslesesaal

Anlass
100.Jahrestag der Ermordung des Thronfolgers Franz Ferdinand

Rechtzeitig zum 100. Jahrestag des Attentates auf den Thronfolger Franz Ferdinand in Sarajewo geht die Volltext-Suche im Digitalen Zeitungslesesaal der Österreichischen Nationalbibliothek bei Zeitungen aus den Jahren 1914 bis 1918 online. Somit können jetzt auch digitalisierte Zeitungen, Extraausgaben und Verlustlisten aus dem Ersten Weltkrieg auf Namen, Orte und Stichworte durchsucht werden. Über 810.000 Seiten stehen als wichtige Primärquelle zum „Großen Krieg“ für die zielgenaue Recherche zur Verfügung – kostenlos, weltweit und rund um die Uhr.

Unter den rd. 70.000 digitalisierten Zeitungsausgaben samt Extraausgaben und Verlustlisten befinden sich so bekannte Medien wie die „Arbeiter Zeitung“, die „Wiener Zeitung“, die „Neue Freie Presse“ oder die „Reichspost“. Aber auch zahlreiche tschechische, polnische, slowenische, ungarische und kroatische Zeitungen aus der zerfallenden Habsburgermonarchie können jetzt im Volltext durchsucht werden. Die Suchmaske ist frei zugänglich unter anno.onb.ac.at.


Die Ermordung des Thronfolgerpaares 1914 in Sarajewo: Titelseiten verschiedenerer Tageszeitungen (Österreichische Nationalbibliothek)

Unabhängig davon bietet das Bildarchiv der ÖNB eine umfassende Dokumentation der Kriegsereignisse zum Ersten Weltkrieg. Auch diese Objekte (Plakate, Flugblätter, Postkarten, Extrablätter, Kinderzeichnungen und Schulaufsätze, Vivatbänder, Brief- und Verschlussmarken etc.) sind zum Teil schon digitalisiert.

Insgesamt sind von den historischen Zeitungen aus den Jahren 1568 bis 1943 bereits über 12,5 Millionen Seiten online; ein Service, der täglich von rd. 2.500 LeserInnen genutzt wird, da insbesondere Zeitungen neben der internationalen auch die regionale und lokale Geschichte, Politik, Kultur und Gesellschaftsfragen dokumentieren.

Mit der Digitalisierung wird nicht nur die Zugänglichkeit für breiten Bevölkerungsschichten, Schüler, Studenten und Wissenschafter verbessert, da nun ortsunabhängig und vom Schreibtisch aus nach Beiträgen und Ereignissen gesucht werden kann; auch aus archivarischer Perspektive bietet die Digitalisierung große Vorteile. Denn gerade Zeitungen mit ihren Großformaten und dem brüchigen Papier sind bei der analogen Nutzung starker physischer Belastung ausgesetzt.

Kurz vor dem Attentat: Franz Ferdinand und seine Gemahlin Sophie verlassen den Zug in Sarajewo (links) und und besteigen das Auto, in dem sie die tötlichen Schüsse treffen werden (rechts)

Die Digitalisierung bietet aber noch einen weiteren unschätzbaren Vorteil für die Nutzer: Da kaum eine Bibliothek lückenlose Ausgaben alter Zeitungen besitzt, bietet sich durch die Digitalisierung erstmals die Möglichkeit durch das Nachscannen aus Exemplaren einer anderen Bibliothek virtuell vollständige Ausgaben und Jahrgänge zu erzeugen.

Recherchen auch deutlich einfacher und schneller: Man kann online einen Zeitungstitel oder ein bestimmtes Datum auswählen, die einzelnen Ausgaben ansehen, von Seite zu Seite vor- und zurückblättern, zur nächsten Ausgabe springen oder gleich ein neues Datum wählen. Man muss nicht wissen, welche Zeitung an einem bestimmten Tag erschienen ist, sondern wählt das Datum und es wird angezeigt, welche Zeitungen von diesem Tag schon gescannt vorliegen. So lassen sich vom Schreibtisch oder Sofa aus spannende Reisen in die Vergangenheit unternehmen.