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Montag, 28. Oktober 2013



Samstag, 5. Oktober 2013


Dienstag, 15. Oktober 2013 um 18:00:11 von Kulturpool Redaktion

Bilder von Bildern

Anlass
„Kokoschka - Das Ich im Brennpunkt“ - Ausstellung im Leopold Museum/Wien

Oskar Kokoschka (1886-1980) zählt zu den wichtigen Protagonisten der Moderne. Sein Oeuvre als Maler und Grafiker, aber auch als Dramatiker, Essayist und Bühnenbildner ist enorm und hat einen festen Platz in der Kunst- und Literaturgeschichte. Seine allgegenwärtige Leidenschaft für alle Kunst- und Lebensbereiche faszinierte schon viele Zeitgenossen, darunter bedeutende Literaten, Komponisten, Bühnenstars, Wissenschaftler und Politiker. In der Ära des Austrofaschismus (1933-1938) und später des Nationalsozialismus (1938-1945) wurde er nicht nur seiner Kunst wegen diffamiert, sondern auch aufgrund seiner offenen Gegnerschaft zu den totalitären Regimen.

Oskar Kokoschka porträtiert Bürgermeister Körner, 1949 Foto: Franz Blaha, ÖNB

Schon 1934 sah er sich daher gezwungen zunächst nach Prag und, nach der „Mobilmachung“ in der Tschechoslowakei im Mai 1938, nach London zu flüchten. Die Nationalsozialisten, die insgesamt 417 seiner Gemälde konfiszierten und zum Teil vernichteten, diffamierten Kokoschka als „Entartetster unter den Entarteten“. In London engagierte sich Hitlers „Kunstfeind Nr. 1“ für den nationalsozialistischen Widerstand. In dieser Zeit entstanden auch die Bilder „Das rote Ei“ (1940) und „Anschluss – Alice in Wonderland“ (1942), deren Erlös er dem „Free Austria Movement“ spendete. Ab 1946 besaß er die britische Staatsbürgerschaft; erst 1975 - fünf Jahre vor seinem Tod - wurde er wieder Staatsbürger seiner Heimat, aus der er 40 Jahr zuvor vertrieben wurde.

Oskar Kokoschka und Konrad Adenauer vor dem Adenauer-Porträt, 1966 Foto: Emil Korner, Universität für Angewandte Kunst Wien/Oskar Kokoschka Zentrum (links); Oskar Kokoschka vor dem Gemälde "Anschluß - Alice in Wonderland", 1942/43 Foto: Sven Simon,Universität für Angewandte Kunst Wien/Oskar Kokoschka Zentrum (rechts)

Bisher kaum bekannt war die Tatsache, dass Kokoschkas Leben und Schaffen auch durch eine Vielzahl von Fotos dokumentiert ist. Zwar befinden sich im Archiv der Österreichischen Nationalbibliothek einige Fotos, die auch - über Kulturpool - online zur Verfügung stehen; im Nachlass des Künstlers aber haben sich rund 5.000 Fotos erhalten, die sich heute in der Universität für angewandte Kunst Wien befinden und im Rahmen der Ausstellung im Leopold Museum erstmals - in einem kuratorisch interessanten Kontext - einer breiteren Öffentlichkeit präsentiert werden (http://www.leopoldmuseum.org/de/ausstellungen/50/kokoschka-das-ich-im-brennpunkt).

Bild von Oskar Kokoschka, das von der Gestapo in vier Teile zerrissen wurde, bei einer Ausstellung deutscher Kunst in London 1938 Foto: Wide World Photo, ÖNB

Die fotografische Aufnahmen aus Kokoschkas Arbeitsumfeld und Privatleben vermitteln nicht nur ein reiches, intensives Künstlerleben und ein Stück Kultur- und Zeitgeschichte des 20. Jahrhunderts, sie erlauben in der direkten Gegenüberstellung mit einzelnen Werken des Künstlers auch einen neuen Blick auf Kokoschkas Schaffen und Arbeitsweise. So sind in der Ausstellung etwa einige seiner berühmten Porträts zu sehen, deren Entstehungsprozess an Hand der fotografischen Dokumentation der Porträtsitzungen im Detail nachvollziehbar wird.

Oskar Kokoschka malt die Wiener Staatsoper, 1956 Fotos: Alfred Cermak, ÖNB