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Freitag, 14. Juni 2013



Donnerstag, 6. Juni 2013


Dienstag, 11. Juni 2013 um 21:50:55 von Kulturpool Redaktion

Clemens Holzmeister am Taksim Platz

Anlass
Protestbewegung in der Türkei

Die Pläne zur Umgestaltung des Gezi Parks in Istanbul haben eine Welle des Protests ausgelöst, die die Türkei seit Tagen in Atem hält. Was als Demonstration gegen ein gigantisches Bauprojekt rund um den Taksim-Platz mit einem Einkaufszentrum, einer neuen Mosche, einer Oper sowie anderen Kultureinrichtungen begonnen hat, wandelte sich mittlerweile in Wut gegen die Politik der konservativ-islamischen Regierung unter Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan, der den Widerstand gegen das Projekt zunächst nicht ernst genommen hat und nun zu kriminalisieren versucht.

Taksim Platz/Istanbul (11.Juni 2013) Foto: Reuters

Gleichwohl keimte die allgemeine Wut gegen Erdoğans Politik schon im Protest gegen die Baupläne. Kritiker sind der Ansicht, dass die Pläne zu schnell und ohne öffentliche Debatten entschieden wurden, zumal an einem Ort, der historisch und politisch als sensibel gilt. (Der Taksim Platz war in der jüngsten türkischen Geschichte schon mehrmals Ort blutiger politischer Auseinandersetzungen). Darüber hinaus wird geargwöhnt, dass mit der Kalyon Group ein Generalunternehmer beauftragt wurde, dem (zu) enge Verbindungen mit Erdoğans Adalet ve Kalkınma Partisi (AKP, dt. Partei für Gerechtigkeit und Aufschwung) nachgesagt werden.

Widerstand regte sich zunächst nicht nur, weil dem Projekt eine der wenigen Grünflächen in der dicht bebauten Mega-City zum Opfer fallen würde. Auch der Plan, das Shopping-Centre im Stil der 1940 abgerissenen Kaserne aus der Osmanischen Ära zu errichten, wurde als politisches Symbol verstanden. Manchen Quellen zur Folge - so berichtete zuletzt BBC - war die Kaserne zu Beginn des 20.Jahrhunderts das Zentrum einer Initiative zur Einführung der Scharia. Nicht weniger, dass bei den Neubauplänen auch der Abriss des 1969 erbaute Atatürk Kültüt Merkezi (AKM, dt. Atatürk-Kulturzentrum) überlegt wurde, das erst anlässlich der Europäischen Kulturhauptstadt 2010 renoviert worden war.

Plan zur Neugestaltung des Taksim Platzes Foto: Istanbul Municipality

Die Gezi Park geht auf einen Entwurf des französischen Architekten und Stadtplaners Henri Prost (1874-1959) zurück, den der Republiksgründer Mustafa Kemal Atatürk 1936 eingeladen hatte, die Neugestaltung des Gesamten Areals um den Taksim-Platz zu planen. Nach dem Abriss der Kaserne und längeren Umbauarbeiten wurde der Park 1951 (nach anderen Angaben bereits 1947) unter dem Namen İnönü Park (zu Ehren des zweiten Präsidenten Ismet Inöni) eröffnet.

Doch nicht nur Prost, auch Clemens Holzmeister (1886-1983), einer der bedeutendsten und international bekanntesten österreichischen Architekten des 20.Jahrhunderts befasste sich mit Plänen zum Taksim-Platz. Im Zentrum seiner Pläne zu Beginn der 1940er Jahre standen Überlegungen zu einem „Idealentwurf eines Theaters“, die er gemeinsam mit dem deutschen Schauspieler und Theaterregisseur Carl Ebert angestellt hatte (und die später in Holzmeisters Pläne für das Salzburger Festspielhaus einfließen sollten). Sowohl Ebert als auch Holzmeister waren im Zuge der Machtergreifung der Nationalsozialisten in die Türkei übersiedelt, wo er bereits in den Jahren zuvor mit großen Bauvorhaben beauftragt wurde (u.a. mit dem Entwurf des Kriegsministeriums in Ankara).

Gestaltung der Promenade Ismet Inönü und des Taksim Platzes (1941)
Clemens Holzmeister/Albertina

Doch während Holzmeister in der Türkei rund ein Dutzend Staatsgebäude nach seinen Plänen errichten konnte (u.a. auch das Parlamentsgebäude in Istanbul und das Palais Atatürks in Cankhja in Ankara), blieben seine Entwürfe für das Theater unrealisiert. Die Entwurfszeichnungen, die auch die Gestaltung der Ismet Inöni-Promenade und des Taksim-Platzes enthalten, befinden sich heute im Archiv der Albertina.

(Anm.: Aufgrund technischer Probleme funktionierte bei Abfassung dieses Beitrags der Link zur Originalseite nicht).