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Dienstag, 11. Juni 2013



Dienstag, 11. Juni 2013


Donnerstag, 6. Juni 2013 um 15:58:45 von Kulturpool Redaktion

The Origin of Creatures

Anlass
Ars Electronica Archiv neu im Kulturpool

In ihrer spezifischen Ausrichtung und langjährigen Kontinuität ist Ars Electronica eine weltweit einmalige Plattform für digitale Kunst und Medienkultur, die von vier Säulen getragen wird: einem avantgardistischem Festival, einem Wettbewerb mit Best-of-Charakter, einem Museum mit Bildungsauftrag und einem Medienkunstlabor, das Kompetenzen aus Kunst, Design und Wissenschaft verbindet. Nun ist das Archiv der Ars Electronica auch an den Kulturpool, das zentrale Übersichts- und Suchportal des digitalen österreichischen Kulturerbes, angebunden, das einen übergreifenden Zugang zu den digitalisierten Beständen Österreichischer Museen, Bibliotheken und Archiven ermöglicht.

"The Origin of Creatures" (2010) Floris Kaayk (Ars Electronica Archiv)

Eines der ersten 180 an den Kulturpool angebundenen Werke aus dem Ars Electronica Archiv ist Floris Kaayks Animationsfilm „The Origin of Creatures“ (2010), der auch mit dem Prix Ars Electronica, einem der weltweit bedeutendsten Auszeichnungen im Bereich elektronischer und interaktiver Kunst, ausgezeichnet wurde. Kaayks Kurzfilm, der sich durch eine virtuose Verbindung von avancierter 3-D-Computergrafik und atemberaubender Kameraführung auszeichnet, nimmt inhaltlich sowohl auf die alttestamentarische Geschichte vom Turmbau zu Babel Bezug als auch auf Charles Darwins bahnbrechendes Werk „Die Entstehung der Arten“ (1849).

Floris Kaayk (geb. 1982) bezeichnet seinen Film (http://www.youtube.com/watch?v=84Ln-5E29Vk) als eine „futuristischer Vision einer Welt nach einem apokalyptischem Disaster“. Die Protagonisten bestehen aus einzelnen und wieder in neuen Kombinationen zusammengesetzten menschlichen Körperteilen, die aus den Ruinen einer völlig zerstörten Stadt ameisenartig ein imposantes, gen Himmel strebendes Bauwerk errichten, damit die Königin genug Sonnenlicht bekommt, um weitere Körperteile zu gebären und die Kolonie der postapokalyptischen Kreaturen zu vergrößern.

"Turmbau zu Babel"(1563) Pieter Bruegel d. Ä. (Kunsthistorisches Museum)

Am Ende ereilt dem Bauwerk ein ähnliches Schicksal wie dem Turm zu Babel, der in der Kunst schon seit Jahrhunderten das Symbol menschlicher Hybris ist. Häufig dargestellt ist besonders Pieter Bruegels d.Ä. „Wiener Version“ aus dem Jahr 1563 in die Kunstgeschichte eingegangen. Das sich im Besitz des Kunsthistorischen Museums befindende Gemälde gilt als Hinweis auf die Vergänglichkeit alles Irdischen und der Vergeblichkeit allen menschlichen Strebens, es Gott als Schöpfer gleichzutun. Zwar scheint der Bau zu gelingen, aber er neigt sich leicht zur Stadt hin. Wenig deutet darauf hin, dass dieses Bauwerk von Dauer ist ...

Dienstag, 11. Juni 2013 um 21:50:55 von Kulturpool Redaktion

Clemens Holzmeister am Taksim Platz

Anlass
Protestbewegung in der Türkei

Die Pläne zur Umgestaltung des Gezi Parks in Istanbul haben eine Welle des Protests ausgelöst, die die Türkei seit Tagen in Atem hält. Was als Demonstration gegen ein gigantisches Bauprojekt rund um den Taksim-Platz mit einem Einkaufszentrum, einer neuen Mosche, einer Oper sowie anderen Kultureinrichtungen begonnen hat, wandelte sich mittlerweile in Wut gegen die Politik der konservativ-islamischen Regierung unter Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan, der den Widerstand gegen das Projekt zunächst nicht ernst genommen hat und nun zu kriminalisieren versucht.

Taksim Platz/Istanbul (11.Juni 2013) Foto: Reuters

Gleichwohl keimte die allgemeine Wut gegen Erdoğans Politik schon im Protest gegen die Baupläne. Kritiker sind der Ansicht, dass die Pläne zu schnell und ohne öffentliche Debatten entschieden wurden, zumal an einem Ort, der historisch und politisch als sensibel gilt. (Der Taksim Platz war in der jüngsten türkischen Geschichte schon mehrmals Ort blutiger politischer Auseinandersetzungen). Darüber hinaus wird geargwöhnt, dass mit der Kalyon Group ein Generalunternehmer beauftragt wurde, dem (zu) enge Verbindungen mit Erdoğans Adalet ve Kalkınma Partisi (AKP, dt. Partei für Gerechtigkeit und Aufschwung) nachgesagt werden.

Widerstand regte sich zunächst nicht nur, weil dem Projekt eine der wenigen Grünflächen in der dicht bebauten Mega-City zum Opfer fallen würde. Auch der Plan, das Shopping-Centre im Stil der 1940 abgerissenen Kaserne aus der Osmanischen Ära zu errichten, wurde als politisches Symbol verstanden. Manchen Quellen zur Folge - so berichtete zuletzt BBC - war die Kaserne zu Beginn des 20.Jahrhunderts das Zentrum einer Initiative zur Einführung der Scharia. Nicht weniger, dass bei den Neubauplänen auch der Abriss des 1969 erbaute Atatürk Kültüt Merkezi (AKM, dt. Atatürk-Kulturzentrum) überlegt wurde, das erst anlässlich der Europäischen Kulturhauptstadt 2010 renoviert worden war.

Plan zur Neugestaltung des Taksim Platzes Foto: Istanbul Municipality

Die Gezi Park geht auf einen Entwurf des französischen Architekten und Stadtplaners Henri Prost (1874-1959) zurück, den der Republiksgründer Mustafa Kemal Atatürk 1936 eingeladen hatte, die Neugestaltung des Gesamten Areals um den Taksim-Platz zu planen. Nach dem Abriss der Kaserne und längeren Umbauarbeiten wurde der Park 1951 (nach anderen Angaben bereits 1947) unter dem Namen İnönü Park (zu Ehren des zweiten Präsidenten Ismet Inöni) eröffnet.

Doch nicht nur Prost, auch Clemens Holzmeister (1886-1983), einer der bedeutendsten und international bekanntesten österreichischen Architekten des 20.Jahrhunderts befasste sich mit Plänen zum Taksim-Platz. Im Zentrum seiner Pläne zu Beginn der 1940er Jahre standen Überlegungen zu einem „Idealentwurf eines Theaters“, die er gemeinsam mit dem deutschen Schauspieler und Theaterregisseur Carl Ebert angestellt hatte (und die später in Holzmeisters Pläne für das Salzburger Festspielhaus einfließen sollten). Sowohl Ebert als auch Holzmeister waren im Zuge der Machtergreifung der Nationalsozialisten in die Türkei übersiedelt, wo er bereits in den Jahren zuvor mit großen Bauvorhaben beauftragt wurde (u.a. mit dem Entwurf des Kriegsministeriums in Ankara).

Gestaltung der Promenade Ismet Inönü und des Taksim Platzes (1941)
Clemens Holzmeister/Albertina

Doch während Holzmeister in der Türkei rund ein Dutzend Staatsgebäude nach seinen Plänen errichten konnte (u.a. auch das Parlamentsgebäude in Istanbul und das Palais Atatürks in Cankhja in Ankara), blieben seine Entwürfe für das Theater unrealisiert. Die Entwurfszeichnungen, die auch die Gestaltung der Ismet Inöni-Promenade und des Taksim-Platzes enthalten, befinden sich heute im Archiv der Albertina.

(Anm.: Aufgrund technischer Probleme funktionierte bei Abfassung dieses Beitrags der Link zur Originalseite nicht).

Freitag, 14. Juni 2013 um 17:30:58 von Kulturpool Redaktion

Die neuen Zugänge zu Kultur

Anlass
Diskussionsveranstaltung im MAK

Die Digitalisierung hat die Archive erreicht und sowohl kulturelle Produktion als auch Distribution weitgehend transformiert. Im Rahmen der derzeit in Wien stattfindenden Konferenz „Shared Digital Futures“ diskutieren KünstlerInnen, ForscherInnen, KritikerInnen, UnternehmerInnen und ein engagiertes Publikum über die gesellschaftlichen Konsequenzen, die die Digitalisierung mit sich bringt sowie die Herausforderungen, die in der digitalen Zukunft auf uns warten:

° Wie kann ein erweiterter Zugang zu digitalen Netzwerken eine diversifizierte Kulturlandschaft fördern?
° Welche Möglichkeiten ergeben sich durch die Auflösung der Grenzen zwischen KünstlerInnen und Publikum?
° Was bedeutet es, wenn kulturelle Arbeiten als fertiggestelltes Werk und gleichzeitig als Basis für neue Arbeiten aufgefasst werden?

Den Auftakt bildeten vergangenen Mittwoch Workshops und eine Podiumsdiskussion im MAK unter dem Titel „Die neuen Zugänge zur Kultur“. Dabei stand - jenseits technischer, rechtlicher und finanzieller Probleme, die vordergründig viele Diskussionen beherrschen - insbesondere die Frage im Zentrum, welche Zukunftschancen die Digitalisierung für bestehende Institutionen wie Museen, Bibliotheken und Archive eröffnet und welche Rolle staatliche Kulturinstitutionen in der digitalen Informationslandschaft übernehmen können.

Die neuen Zugänge zu Kultur (Podiumsdiskussion im Museum für angewandte Kunst am 12.6.2013)

Die anwesenden VertreterInnen österreichischer Kulturinstitutionen - Gabriele Fröschl (Mediathek), Bettina Kann (Nationalbibliothek) und Christoph Thun-Hohenstein (MAK) - begrüßten vorbehaltslos die Digitalisierung ihrer Bestände und die damit ermöglichten neuen, demokratischen Zugänge. So hielt Gabriele Fröschl Skeptikern in anderen Kulturinstitutionen entgegen, dass mit der Digitalisierung „öffentliches Gut bewahrt und besser zugänglich gemacht wird“ und dass es sich bei den Beständen der Archive, Museen und Bibliotheken „eben nicht um privaten oder institutionellen Besitz handelt“, zu dem man den Zugang beschränken kann. Die Digitalisierung und freie Verfügbarkeit der digitalen Daten, betonte Thun-Hohenstein, erzeuge „Momente der Aufmerksamkeit“, die auch im Interesse der Institutionen sei, sie ermöglicht - so Bettina Kann - Wissenschaftern auch neue Fragen an die Bestände zu stellen und gebe auch den Institutionen Anstöße, sich mit den eigenen Beständen neu auseinander zu setzen. Sie bringe nicht nur einen großen internen Professionalisierungsschub sondern förderte in der Nationalbibliothek auch Bestände zu Tage, „von denen man gar nicht wusste, dass man sie hat.“ Auch dadurch werde der große organisatorische und finanzielle Aufwand, der mit der Digitalisierung verbunden ist, mehr als gerechtfertigt.

Marc Sands (Director of Media and Audiences, Tate Gallery London) strich darüber hinaus hervor, dass es durch die Digitalisierung und damit die weltweite Zugriffsmöglichkeit auf Daten auch zur Bildung neuer, interessierter (globaler) Communities komme, die einen Paradigmenwechseln gegenüber der Print-Öffentlichkeit darstellten, der schon jetzt entscheidende Folgen auch für die wissenschaftliche und kuratorische Arbeit habe. Daher müsse die Digitalisierung im allgemeinen Interesse weiter vorangetrieben werden.

Das bestehende Urheberrecht sollte an diesem Abend zwar explizit nicht diskutiert werden, am Beispiel der Österreichischen Mediathek zeigt sich aber, dass ohne sinnvolle Änderungen des Urheberrechts die Digitalisierung oft nur konservatorische Funktion (konkret die Bestandserhaltung von Audio- und audiovisuellen Dokumenten) erfüllen kann, aber keinen direkten Vorteil für die interessierte Öffentlichkeit erbringt: Von den bislang digitalisierten Beständen (ca. 18.000 Stunden Ton- und Filmmaterial) sind - aufgrund fehlender oder nicht geklärter Rechte - nur 4 bis 5 Prozent auch tatsächlich online verfügbar. Diese Problematik ist eines der weiteren Themen, die auf der Konferenz noch heute Freitag und morgen Samstag diskutiert werden sollen.

Link zum Kongressprogramm: http://world-information.net/sdf/shared-digital-futures-programme/