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Samstag, 25. Mai 2013



Dienstag, 19. März 2013


Donnerstag, 28. März 2013 um 15:17:09 von Kulturpool Redaktion

Big Beautiful Woman

Anlass
Ausstellung „Bosch, Bruegel, Rubens, Rembrandt. Meisterwerke der Albertina (bis 30.Juni 2013)

Selbst wer noch nie ein Museum betreten hat, weiß was eine Rubensfigur ist. Der niederländische Maler Peter Paul Rubens (1577-1640) hat sich mit seinen zahlreichen Bildern von Frauen mit üppigen Rundungen in unser kulturelles Bewusstsein gemalt. Die analogischen Begriffe „Rubensfigur“ und „Rubensfrau“ sind in der Alltagssprache vor allem im Zusammenhang von Auseinandersetzungen über Schönheitsideale und sexuelle Attraktion etabliert, in denen die unterschiedlichen Standpunkte anhand von Bildwerken der Kunst und der Fotografie verdeutlicht werden sollen.

Peter Paul Rubens "Einsiedler und schlafende Angelica"

Rubens Frauen erinnern uns aber auch daran, dass das Schönheitsideal im Laufe der Geschichte immer wieder neu definiert wurde und dass das heute vorherrschende Schlankheitsideal im historischen und interkulturellen Vergleich eher Seltenheitswert hat. Insbesondere weibliche Attraktivität wurde und wird in den meisten Gesellschaften mit einem wohlgerundeten Körper und insbesondere mit vollen Hüften in Verbindung gebracht. Auch ethnografische Studien zeigen, dass weltweit mehrheitlich dickere Frauen als attraktiv gelten, auch wenn sich das westliche Schlankheitsideal im Zuge der der Globalisierung immer stärker ausbreitet.

Peter Paul Rubens "Cimon und Efigenie"

Die barocke Üppigkeit a la Rubens jedoch ist auch in der Kunstgeschichte einmalig. In ihr spiegelt sich wohl nicht nur der damalige gesellschaftliche Trend wider, sondern auch der besondere persönliche Geschmack des Malers. Im klassischen Altertum dagegen, insbesondere bei den Griechen, standen ausgewogene körperliche Proportionen stellvertretend für ein erstrebenswertes Schönheits-Ideal. Zwar hatten der Kopf und die weibliche Brust möglichst klein zu sein, ein insgesamt gertenschlankes Erscheinungsbild - wie es uns heute in fast jedem Modejournal entgegentritt - war mit der hellenistischen Forderung nach Harmonie von Körper und Geist aber nicht gemeint. Im Gegenteil: Wie an klassischen Statuen (etwa der Venus von Milo) zu sehen ist, entsprach ein für heutige Begriffe kräftiges Becken eher den Idealmaßen.

Der Wandel des Schönheitsideals von der Renaissance zum Barock: „Die drei Grazien“ von Lukas Granach (1531; Musée du Louvre) und von Peter Paul Rubens (ca. 1620, Museo Nacional del Prado)

Dass im Mittelalter bei der Darstellung von Frauen eher schlanke, jugendliche Formen bevorzugten wurden, hat vor allem mit dem sich durchsetzenden christlichen Weltbild zu tun, in dem jegliches Augenmerk auf (erotisierende) Körperlichkeit verpönt war. Die "edeliu schoene Frouwe reine", wie Walther von der Vogelweide das Frauenideal im 13. Jahrhundert in seinen Minneliedern umschrieb, sollte vor allem eines sein: ansehnlich, aber schmucklos, schlicht und möglichst unauffällig.

In der Renaissance kamen die Normen und Werte des Mittelalters wieder auf den Prüfstand, die Darstellung unverhüllter Körper war wieder erlaubt und wurde ausgiebig praktiziert. Arme und Beine sollten möglichst grazil sein, Bauch, Gesäß und Taille durften hingegen deutliche Rundungen aufweisen. Im Barock schließlich - als Rubens seine Frauen malte - vollzog sich (wohl erstmals in dieser Ausprägung) der schrittweise Übergang von wohlgenährten zur korpulenten Figur.
Kurz darauf jedoch, im Klassizismus (zw. 1770 und 1840), wird das Schönheitsideal aus der Antike wiederbelebt; forciert durch das Korsett, das die weibliche Leibesfülle mehr und mehr in die bis ins 20.Jahrhundert beliebte „Sanduhrform“ zwängte.

Peter Paul Rubens "Krönung des Siegers"

Mit der Jugendbewegung breitete sich das später auch von den Nazis verfolgte Ideal des schlanken, jugendlichen, durch Sport geformten Körpers aus, das - mit Ausnahme der 50-er Jahre, in denen, angeführt von Idolen wie Marilyn Monroe und Sophia Loren, üppigere Formen eine kurze Renaissance erlebten - das gesamte Jahrhundert bestimmen und mit der ebenso nüchtern wie magisch klingende Formel 90-60-90 vielen Frauen bis heute schlaflose Nächte bereiten sollte.