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Samstag, 16. Februar 2013



Dienstag, 12. Februar 2013


Dienstag, 12. Februar 2013 um 09:35:40 von Kulturpool Redaktion

Das Archiv der oeffentlichen Diplomatie

Anlass
Ausstellung „Ironimus. Die Qual der Wahl. Von Figl bis Faymann“ im Karikaturenmuseum Krems

Dass Ironimus (alias Gustav Peichl) ein bedeutender und durch alle Bevölkerungsschichten vielleicht sogar der bekannteste Karikaturist Österreichs ist, belegt nicht nur die aktuelle Ausstellung seiner innenpolitischen Karikaturen seit Mitte der 1950er Jahre in Krems. Ironimus gilt als der Lyriker unter Österreichs Karikaturisten, der mit Eleganz und Ironie, mit sensiblem und sparsamem Strich und hintergründigem Humor seine Sicht der heimischen Dinge aufs Papier bringt, als verhalten leidenschaftlicher Patriot, dem nichts Österreichisches fremd ist.

"Ironimus 1928 "Ironimus 1928 "Ironimus 1928

Als satirischer Chronist Österreichs weckte Ironimus schon früh auch das Interesse des United States Information Service, kurz USIS, einer 1953 auf Anregung des damaligen US-Präsidenten Dwight „Ike“ David Eisenhower gegründeten Behörde an der Schnittstelle zwischen „Public Diplomacy“, imperialistischer Propaganda, Öffentlichkeitsarbeit und Beobachtung gesellschaftlicher Entwicklungen vor allem auch in den von den Nazis befreiten Ländern.

Die „Pictorial Section“ des USIS entwickelte sich rasch zu einer hochprofessionellen zivilen Institution, in der unter Aufsicht amerikanischer Presseoffiziere im Stil der amerikanischen Reportagefotografie über Österreich berichtet und ein umfangreiches Archiv aufgebaut wurde, das von österreichischen und internationalen Nachrichtenmedien genützt werden konnte. Rund 40 österreichische Fotografen arbeiteten von 1945-1955 für USIS. Ihre Aufgabe war es, die Fortschritte im Wiederaufbau Österreichs zu dokumentieren und mit ihren Bildberichten die wirtschaftlichen und sozialen Hilfsmaßnahmen der Amerikaner in Österreich zu begleiten und zu unterstützen und damit nicht zuletzt auch die Akzeptanz dieser Maßnahmen in den USA zu fördern:

Ob es um die Eröffnung einer Ausstellung von Arik Brauer, ein Burgtheater-Gastspiel oder den Besuch eines österreichischen Landeshauptmannes ging, schien dabei nebensächlich zu sein, die Berichterstattung über Österreich in den USA war bemerkenswert umfangreich. Und so finden sich unter den zahlreichen Bildinformationen aus und über Österreich, die das United States Information Service in der Ära des Kalten Krieges gesammelt hat, auch über 30 Karikaturen Gustav Peichls, die den österreichischen Alltag in den 1950-er Jahren, insbesondere die Tücken der mit Amerika assoziierten gesellschaftlichen „Modernisierung“ zum Thema haben: Etwa den Umgang mit Staubsaugern, Haarföhn und Nylonstrümpfen. Sie sind, wie über 15 Tausend andere Fotos aus USIS-Archivs, heute Bestandteil des Bildarchivs der Österreichischen Nationalbibliothek und können dort beziehungsweise hier auf kulturpool.at online angesehen werden.

° Tipp: Ausstellung „Ironimus. Die Qual der Wahl. Von Figl bis Faymann“ vom bis 1,September 2013 im Karikaturenmuseum Krems (http://www.karikaturmuseum.at)
° Mehr Informationen zu Ironimus: http://www.ironimus.com

Samstag, 16. Februar 2013 um 17:38:01 von Kulturpool Redaktion

Von der Miss zum Star?

Anlass
Miss Austria Wahlen 2013

Die Zeiten als ein Miss-Titel der Anfang einer glänzenden Karriere als Schauspielerin war (oder zumindest die Basis für eine einträgliche Eheschließung) sind längst vorbei. Populäre TV-Casting-Formate haben den klassischen Miss-Wahlen, die in den 1920-er Jahren erfunden wurden, im wahrsten Sinn des Wortes die Show gestohlen. Sie sind zu einem medialen Nischenprodukt verkommen und der Promotion-Effekt eines Titels wie Miss Austria, von dem man auch finanziell Nutzen ziehen könnte, ist kurzfristig. Er ist verpufft, sobald eine andere Attraktion die Berichterstattung dominiert.

Daran wird sich wohl auch nichts ändern, wenn die Misswahlorganisatoren heuer mit einem privaten Fernsehsender (PULS4) erstmals gemeinsam Sache machen und die Formate verschränken, um Miss Austria 2013 erstmals im Rahmen einer Live-Castingshow zu küren.

Nadja Tiller Maria von Tasnady Zsa Zsa Gabor

Schön und erfolgreich - Misses von anno dazumal: Miss Austria 1949 (Nadja Tiller), Miss Ungarn 1931 (Maria von Tasnady), Miss Ungarn 1936 (Zsa Zsa Gabor) - v.l.n.r

Ante telehorarsis (also im fernsehlosen Zeitalter bis in die 1950-er Jahre) war dies zumindest noch ab und an realistisch: Maria von Tasnady (1911 in Österreich-Ungarn geboren) konnte den Titel Miss Ungarn (1931) für eine - 1939 von den Nationalsozialisten unterbrochene - Filmkarriere in Deutschland, Italien und Ungarn nützen; Lucia Bose, die 1947 gegen Gina Lollobrigida die Wahl zur Miss Italy gewonnen hatte, erhielt danach ihre erste Filmrolle bei Dino Risi und wirkte später in Filmklassikern von Roberto Fellini, Lui Bunuel, Michelangelo Antonioni und Jean Cocteau mit. Miss France 1930 (Yvette Labrousse alias Begum) machte als jahrzehntelang vom Boulevard umworbene Gattin des legendären Ismailiten-Führers Aga Khan III Starkarriere; und Nadja Tiller, Miss Austria 1949, gilt bis heute als eine der größten deutschsprachigen Filmstars. Ähnlich wie bei Zsa Zsa Gabor (Miss Ungarn 1936) beruht ihre Kinokarriere aber kaum auf dem Kick-Start durch den Miss-Titel, den sie viele Jahre vor Beginn ihrer künstlerischen Laufbahnen errungen hatten. Für manche künstlerische Laufbahnen kann der Miss-Titel sogar kontraproduktiv sein: Die Violinistin Céline Roschek konnte vom 2002 errungenen Miss-Austria-Titel beruflich jedenfalls nicht profitierten. Statt - wie vor zehn Jahren erhofft - mit den Wiener Philharmonikern musiziert sie heute bloß im Rahmen von Touristen-Unterhaltungsprogrammen.

Tiller, Gabor, Bose und Co. dagegen findet man - anders als viele Schönheitsköniginnen im Fernsehzeitalter, die vielleicht noch ab und zu (meist mit der etwas despektierlichen „Berufsbezeichnung“ Ex-Miss tituliert) in den „Seitenblicken“ und bei „Adabei“ auftauchen - in den Fotoarchiven österreichischer Museen und Sammlungen - niemals jedoch unter dem Suchbegriff „Miss“.

-> Miss Austria 2013: http://www.puls4.com/highlights/Alfons-Haider-moderiert-Miss-Austria-Wahl-auf-PULS/artikel/10667