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Dienstag, 29. Januar 2013



Mittwoch, 9. Januar 2013


Mittwoch, 9. Januar 2013 um 09:46:16 von Kulturpool Redaktion

Menschenbilder

Anlass
Dauerausstellung "Hominidenevolution" im Naturhistorischen Museum Wien

In der Frühgeschichte der Fotografie zählen ethnographische und anthropologische Sujets zu den beliebtesten Motiven. Schon Charles Darwin (1809-1882) nutzte das neue Medium bei seiner Arbeit. Gemeinsames Kennzeichen der frühen anthropologischen und ethnografischen Fotografie ist der Glaube an die "Präzision" und die "unzweifelhafte Genauigkeit" der Fotografie. Wie die Fülle an Abbildungen in wissenschaftlichen Berichten um 1900 zeigt, galt die Fotografie in der ethnologischen Forschung lange Zeit als wichtiges „Beweismittel“. Skepsis gegenüber dem Wahrheitsgehalt der Fotografie kommt erst später auf.

Maskentänzer in BamumTotentänze der Orarimugudoge-Indianer

Fotografien aus der ab 1880 angelegten Fotosammlung des Museums für Völkerkunde

Auch in der Anthropologisch-Ethnographischen Abteilung des k. k. Naturhistorischen Hofmuseums wurde daher schon 1880 eine Fotosammlung gegründet, die mittlerweile - dem Museum für Völkerkunde zugeordnet - über 75.000 Bilder enthält. Die nun zum Teil auch online zugänglichen Bilder (Positive und fotomechanische Drucke) stellen eine Auswahl aus den einzigartigen älteren Konvoluten dar, von welchen die Alben und Mappen schon in vollem Umfang digitalisiert werden konnten.

Zum ursprünglich rein dokumentarischem Interesse an einem Medium zur vermeintlich „objektiven“ Abbildung der Wirklichkeit traten nach und nach Einsichten in die ästhetischen und damit auch subjektiven Aspekte der Fotografie. Vor allem wurde man sich bewusst, wie sehr das fotografische Bild unseren Blick auf die Welt und ihre Bewohner prägt und Vorurteile schürt oder festigt.

Die Fotografie eignet sich insbesondere auch zur Inszenierung des Primitiven (mit pittoresken Aufnahmen von Eingeborenen, die nicht selten in Studios nachgestellt wurden) und zu rassistischen Darstellungen unter dem Anschein der Objektivität, wovon die völkische und nationalsozialistisch geprägte Anthropologie, deren Spuren bis heute in naturhistorischen, ethnologischen und anthropologischen Museen und Sammlungen zu sehen sind, beredtes Beispiel geben.

Bororo-HäuptlingBoulgroun.20ans.Femme mariee;sant efant.Race pure

Wie die Fotografie so prägt auch die Inszenierung anthropologischer Schauräumen und Ausstellungen das Bild, das sich der Besucher von (fremden) Menschen macht. Unrühmliche Bekanntheit erreichte in diesem Zusammenhang die 1978 eröffnete „Anthropologische Dauerausstellung“ im Naturhistorischen Museum (insbesondere der sog. „Rassensaal“), die nach internationaler Kritik (der britische Anthropologe Adam Kupfer verurteilte den Schauraum als Manifestation nazi-ähnlicher Rassenforschung) seit Ende der 1990er Jahre geschlossen wurde und ab 30.Jänner 2013 durch eine neu konzipierte Dauerausstellung unter dem Titel „Hominidenevolution“ ersetzt wird.

Mit der neu konzipierten Ausstellung soll auch der fundamentalen Verschiebung der anthropologischen Blickrichtung Rechnung getragen werden: Die Museumsbesucherinnen und -besucher sollen die Entstehung des Menschen nicht nur als historischen biologischen Prozess verstehen, sondern auch die kulturelle Entwicklung als bedeutende Komponente der Menschwerdung wahrnehmen.

Dienstag, 29. Januar 2013 um 14:28:15 von Kulturpool Redaktion

Kunst und Plakat

Anlass
Max Ernst-Retrospektive in der Albertina vom 23.01.bis 05.05.2013

Kunstausstellungen müssen, wie alle übrigen Veranstaltungen, wie Produkte und Ideologien, beworben werden, um genügend Besucher, Käufer oder Wähler zu erreichen. Das Plakat zählt seit dem 16.Jahrhundert, als in den Niederlanden während der Zeit des Befreiungskampfes gegen die spanischen Besatzer erstmals auf Papier geschriebene Mitteilungen an Hauswände geklebt („geplackt“) wurden, bis heute zu einem der wichtigsten Medien, um in der Öffentlichkeit Botschaften zu vermitteln.

Von der Propaganda zur Kunst

Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts lagen Entwurf und Herstellung von Plakaten fast ausschließlich in den Händen von Druckern und Lithographen. Mit den gestiegenen Anforderungen an die Qualität von Plakaten nahmen sich ab 1850 auch immer mehr Künstler der Sache an, zuerst in England und dann besonders in Frankreich, wo Jules Chéret als Pionier des künstlerischen Bildplakats in die Geschichte einging. Chéret Credo, „der Plakatkünstler [...] muss etwas erfinden, das selbst den Durchschnitts- menschen anhält und anregt, wenn er vom Pflaster oder Wagen aus das Bild der Straße an seinen Augen vorbeieilen lässt“, ist bis heute unbestritten. Auch das von ihm verwendete zentrale Motiv, eine attraktive, relativ leicht bekleidete junge Frau, die für Vergnügungsstätten oder Konsumprodukte wirbt, hat sich bis heute erhalten.

Plakat für Rene Drouin

Durch Chérets Erfolge und die Popularität des neuen Mediums ermutigt, entstanden in jener Zeit auch die ersten Meisterwerke des lithografischen Künstlerplakats; man denke nur an Henri de Toulouse-Lautrec (Moulin Rouge – La Goulue, 1891) oder an die Art Nouveau-Plakate von Alphonse Mucha. Damit etablierte sich eine neue ästhetische Gattung: Das Kunstplakat, das vor allem nach ästhetischen, nicht primär nach propagandistischen Kriterien bewertet wurde und wird. Öffentliche und private Plakatsammlungen entstanden, Kunsthändler spezialisierten sich auf Plakate und Ausstellungen informierten über die neuesten Entwicklungen.


Die Fresken der Moderne

Auch für die Wiener Secession war das Plakat um 1900 ein wichtiges Medium mit künstlerischem Anspruch. Im 1898 erschienenen ersten Heft von „Ver sacrum“ hieß es: „Wir kennen keine Unterschiede zwischen ‚hoher Kunst’ und ‚Kleinkunst’, zwischen Kunst für die Reichen und Kunst für die Armen. Kunst ist Allgemeingut.“ Tatsächlich war das erste Plakat der Secession, entworfen von Gustav Klimt, mehr die Verkündung einer neuen Kunsthaltung – Skandal miteingeschlossen – als die Ankündigung einer Ausstellung. Kunst und Alltag miteinander zu verbinden und mit eigenen ungewöhnlichen Arbeiten im öffentlichen Raum für neue Sichtweisen zu intervenieren, war ein Ziel der Secessionisten, das konsequent mit ihren zeitweise großformatigen Plakaten umgesetzt wurde.

Basel 1974; Galerie Beyeler; max ernst

In der Folge gelang es einer Reihe von jungen Künstlern, wie etwa Egon Schiele oder Oskar Kokoschka (sein Plakat für die Kunstschau 1909 war eine der ersten öffentlichen Proklamationen des Expressionismus), ihre Positionen in Plakaten deutlich werden zu lassen. „Im Rahmen der bildenden Kunst“, so gab sich etwa der Grafiker Victor Th. Slama 1929 noch selbstbewusst, „ist das Plakat vielleicht die sinnfälligste Äußerung dieser neuen Zeit. So wie die Renaissance ihre Fresken, so wie die neuere Zeit ihre Staffeleibilder, so hat die beginnende Epoche das Plakat als charakteristisches Werkzeug in den Dienst ihrer Idee gestellt.“

Jenseits profaner Werbeästhetik

Die vielfach daran geknüpfte idealistische Hoffnung, mit Plakaten Verständnis für gute Kunst auch in Kreisen wecken zu können, die sonst nicht mit ihr in Berührung kommen, verlor freilich zunehmend an Bedeutung. Bei sachlicher, wissenschaftlicher Bewertung der Reklame stellte sich bald heraus, dass ein künstlerisch hochwertiges Plakat - von Sujets, die „Skandale“ auslösten, einmal abgesehen - nicht unbedingt auch das wirkungsvollste Werbemittel war. Dennoch haben auch danach praktisch alle Strömungen der Bildenden Kunst deutliche Spuren in der Werbegrafik hinterlassen.

Plakat für La Hune I:Max Enst

Neben den der politischen Propaganda und der Produktwerbung dienenden Plakate (für die bald nur mehr sog. „Gebrauchsgrafiker“ beauftragt wurden) hat das Kunstplakat, das von Künstlern gestaltet wird, aber bis heute einen besonderen Stellenwert, vor allem zur Bewerbung der Kunst selbst: zur Ankündigung von Ausstellungen in Galerien und Museen, selbst wenn dabei mitunter wichtige Informationen wie Ort und Dauer der Ausstellung oft kaum zu lesen sind. Meist handelt es sich hierbei um Plakate, für die der jeweilige Künstler eigens eine Originalgrafik gefertigt hat - größtenteils Original-Lithographien, aber auch Radierungen, Holz- oder Linolschnitte sowie Siebdrucke sind darunter zu finden.

Profane Werbeästhetik interessierte die meisten Künstler, die sich diesem Genre intensiv widmeten, wie Max Ernst oder Jean Cocteau, Picasso, Braque, Miro und Chagall eher nicht, sie haben das Plakat aus dem Bereich der puren Gebrauchsgrafik auf künstlerisches Niveau gehoben und es damit zu einem Werk gemacht, das einerseits auf dem Kunstmarkt gehandelt werden kann, andererseits aber auch - so hat es Gerwald Rockenschaub 1992 beschrieben - versucht, sich aus den engen Grenzen des Kunstbetriebs zu befreien: „Das künstlerische Arbeiten mit dem Medium Plakat ist für mich unter anderem deshalb so interessant, weil hier Kunst nicht mehr über den privaten Markt konsumiert werden muss, sondern öffentlich zur Verfügung steht, und durch den temporären Charakter solcher Arbeiten die Aura und damit auch der Wert des zeitlosen Kunstwerks relativiert bzw. aufgehoben wird.“

Der große Bedeutung des Plakats als politisches, kommerzielles und künstlerisches Ausdrucksmittel belegen die zahlreichen Plakatsammlungen österreichischer Museen, Bibliotheken und Archive:
° http://www.albertina.at/die_sammlung/grafische_sammlung/sammlungsbestaende/plakatsammlung
° http://www.wienbibliothek.at/bestaende-und-sammlungen/plakatsammlung/
° http://plakatarchivaustria.onb.ac.at/