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Dienstag, 27. November 2012



Dienstag, 19. Juni 2012


Freitag, 9. November 2012 um 09:24:22 von Kulturpool Redaktion

Analoge Architekturvisualisierung - Josef Frank als Aquarellist

Anlass
Ausstellung „Werkbundsiedlung Wien 1932 - Ein Manifest des neuen Wohnens“ im Wien Museum

Heute sind 3-D-Perspektiven bei der Visualisierung von Architekturprojekten eine Selbstverständlichkeit. Doch ehe Computer und die passende Software zum Handwerkszeug der Architektur- und Immobilienbüros wurden, mussten Bauherren sich vielfach mit technischen Konstruktionszeichnungen, Bauplänen und Skizzen begnügen, um sich das fertige Gebäude vorstellen zu können. Oder sie hatten Architekten, die es verstanden mit Farbe und Pinsel so umzugehen wie Josef Frank, der sich nicht nur als Architekt und Designer verstand, sondern - heute kaum noch bekannt - auch als Maler.

Einfamilienhaus - gemalt von Josef Frank
D-Houses
Einfamilienhaus - gemalt von Josef Frank
13 Häuser für Dagmar Grill

Josef Frank (1885 - 1967) war einer der wichtigsten Architekten und Designer seiner Zeit. Seine Entwürfe sind zeitlos und gleichzeitig modern. Die von Frank gestalteten Einrichtungsgegenstände und Textilwaren zählen zu den Klassikern des europäischen Designs. In Baden 1885 geboren, ging Frank nach Wien, um bei Carl König an der Technischen Hochschule Architektur zu studieren, ließ jedoch bald das traditionell orientierte Werk seines Lehrers hinter sich und wurde zum Vertreter einer kritischen Moderne. Wie viele seiner Mitstreiter kam Frank aus dem assimilierten jüdischen Bürgertum. Um 1913 realisierte er seine ersten Einfamilienhäuser und 1925 gründete er mit Oskar Wlach das Einrichtungshaus "Haus und Garten". Frank war Verfechter der "Siedlerbewegung". 1930-1932 wurde unter Franks Leitung die Wiener Werkbundsiedlung errichtet, der das Wien Museum bis Mitte Jänner 2013 eine Ausstellung widmet. Kurz danach emigrierte Frank, getrieben vom ansteigenden antisemitischen Hass in Österreich, mit seiner schwedischen Ehefrau Anna 1933 nach Stockholm, wo er vor allem Möbel und Stoffe entwarf. Nach der Besetzung Dänemarks durch die Nazis ging er nach Amerika und kehrte nach Kriegsende wieder nach Schweden zurück.

Josef Frank gilt zu Recht als bedeutender Funktionalismuskritiker. Er stellte sich entschieden gegen die Neue Sachlichkeit sowie den Konstruktivismus und lehnte jegliche Normierung und Systematisierung ab. Demgegenüber verfocht er moderne Individualität, die Orientierung am Menschen sowie eine unpathetische Einfachheit. In der Verbindung von zweckentsprechender Funktionalität mit Eleganz und Wohnlichkeit hat Frank im Möbelbau bahnbrechende Akzente gesetzt und tonangebend auch die Entwicklung des schwedischen Designs beeinflusst.
Als Architekt zählt er neben Adolf Loos und Josef Hoffmann zu den federführenden Protagonisten der „zweiten Wiener Moderne“ bzw. der „gemäßigten Moderne“, die ihre weltweite Nachwirkung bis weit in die zweite Hälfte des 20.Jahrhunderts hinauf entfaltete.

Die Häuser und Gebäude auf seinen Aquarellen (Fotos links), von denen zahlreiche im Besitz der Albertina sind, machen Franks Vorstellungen von einer Architektur, die moderne Individualität, unpathetische Einfachheit und Wohnlichkeit verbinden, auf eindrückliche Weise anschaulich.

TIPPS:

  • „Werkbundsiedlung Wien 1932 - Ein Manifest des neuen Wohnens“. Ausstellung im Wien Museum bis 13.Jänner 2013. - Tagung „Wie wohnen? im Rahmen der Ausstellung: 29.und 30.November 2012.
  • Permanente Dokumentation Werkbundsiedlung im Bezirksmuseum Hietzing, Am Platz 2, 1130 Wien
  • Werkbundsiedlung im Internet: www.werkbundsiedlung.at.tf und www.werkbundsiedlung-wien.at. „Werkbundsiedlung Wien“ gibt es auch als App für Smartphones.