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Mittwoch, 9. Mai 2012



Mittwoch, 18. April 2012


Montag, 23. April 2012 um 14:16:10 von Kulturpool Redaktion

Der Altmeister des Comics

Anlass
180.Geburtstag von Wilhelm Busch

Heinrich Christian Wilhelm Busch (1832 bis 1908) war einer der einflussreichsten humoristischen Dichter und Zeichner des 19. Jahrhunderts. Heute gilt er als einer der größten Virtuosen der Bilderzählung und damit als Urvater des Comics.

“Busch
Wilhelm Busch (1832 - 1908)

Schon seine frühen Bildergeschichten (die ersten erschienen ab 1859) unterscheiden sich deutlich von denen seiner Zeitgenossen und zeigen eine zunehmende Konzentration auf die Hauptfiguren, sind sparsamer in der Binnenzeichnung und weniger kleinteilig im Ambiente. Die Pointe entwickelt sich aus einem dramaturgischen Verständnis der ganzen Erzählung heraus. Alle Bildergeschichten folgen einem Handlungsablauf, der wie in einem Film in Einzelsituationen zerlegt wird. Damit vermittelt Busch, zuweilen durch Perspektivwechsel verstärkt, den Eindruck von Bewegung und Aktion. Nach Ansicht von Gert Ueding ist die Bewegungsdarstellung, die Busch trotz der Beschränkung des Mediums gelingt, bislang unerreicht geblieben.

Zu seinen bekanntesten Bildergeschichten zählt neben „Max und Moritz“ die Knopp-Trilogie, von der die Grafische Sammlung der Wiener Albertina zahlreiche Originalzeichnungen besitzt, die als Vorlage für die mit Hilfe der damals neuen Drucktechnik der Zinkografie hergestellten Publikationen dienten. Dafür wurden die Originale fotografiert und auf eine lichtempfindliche Zinkplatte übertragen.

Das Werk entstand in den 1870er Jahren und fällt damit in die mittlere Schaffensphase von Wilhelm Busch. „Abenteuer eines Junggesellen“ war der erste Teil, deren Fortsetzungen als „Herr und Frau Knopp“ 1876 und „Julchen“ 1877 erschien.

Erstmals ist hier der Bürger nicht Opfer handlungsstarker Plagegeister, wie es in „Max und Moritz“ oder „Hans Huckebein, der Unglücksrabe“ der Fall war, sondern durchgängig die handelnde Hauptperson. So greift er in seinen Bildergeschichten die Selbstzufriedenheit und zweifelhafte Moralauffassung des Spießbürgers und die Frömmelei bürgerlicher und geistlicher Personen an.

“Herr und Frau Knopp: Heimkehr (7)" “Herr und Frau Knopp: Heimkehr (16)" “Herr und Frau Knopp: Heimkehr (17)"
"Herr und Frau Knopp: Heimkehr" (1875-77) - Grafische Sammlung Albertina

Nach Ansicht seines Biographen Berndt Wessling hat Wilhelm Busch sich mit dieser Trilogie auch den eigenen Wunsch nach einer Ehe vom Leib geschrieben.Busch lebte zu der Zeit in Lebensumständen, die in einzelnen Merkmalen der seines Helden Tobias Knopp entsprach. Er fand seine Haushälterin in seiner Schwester Fanny, die mit dem Pastor Hermann Nöldeke verheiratet war. Seine Versuche, mit einer Frau eine langfristige Verbindung einzugehen, waren alle zuvor gescheitert.

Zu Beginn des ersten Teils lässt Busch seinen Helden Tobias Knopp der eigenen Vergänglichkeit gewahr werden:

Rosen, Tanten, Basen, Nelken
Sind genötigt zu verwelken;
Ach - und endlich auch durch mich
Macht man einen dicken Strich.

Von der Möglichkeit, eines Tages unbetrauert sterben zu müssen, überwältigt, beschließt er sich durch Heirat einer trauernden Hinterbliebenschaft zu sichern.

Dieses ist ja fürchterlich
Also Knopp, vermähle dich.

Um der Leere seines Daseins zu begegnen macht er seiner Haushälterin einen Heiratsantrag, der nach Meinung Buschs Biografen Joseph Kraus der kürzeste der deutschen Literaturgeschichte ist:

Mädchen, – spricht er – sag mir ob
Und sie lächelt: Ja, Herr Knopp!

“Herr und Frau Knopp: Eheliche Ergötzlichkeiten (7)"
"Herr und Frau Knopp: Eheliche Ergötzlichkeiten" (1875-77) - Grafische Sammlung Albertina

Zum neuen Lebensinhalt wird Tochter Julchen. Und nachdem Tobias Knopp ein zufriedenes Eheleben lang von einer Mahlzeit zur anderen duselt und schließlich auch seine Tochter verheiratet hat, wird sein Leben wieder gänzlich bedeutungslos.

Knopp der hat hienieden nun
Eigentlich nichts mehr zu tun.
Er hat seinen Zweck erfüllt.
Runzlich wird sein Lebensbild.