(Suche nach Tags: z.B. <Highlight>)

Vorheriger Monat April 2012 Nächster Monat
So Mo Di Mi Do Fr Sa
1 2 3 4 5 6 7
8 9 10 11 12 13 14
15 16 17 18 19 20 21
22 23 24 25 26 27 28
29 30          


Mittwoch, 18. April 2012



Donnerstag, 29. März 2012


Donnerstag, 5. April 2012 um 11:02:09 von Kulturpool Redaktion

Wellness in der Kunst

Anlass
Ausstellung "Splash! Das Bad der Philippine Welser" im Schloss Ambras

Baden ist menschliches Urbedürfnis, ist Luxus oder Notwendigkeit, Lust oder Zwang zur geforderten Sauberkeit. Das Bad verbindet sich mit tradierten Ritualen, mit sozialen oder religiösen Praktiken. Es kann Ort der Ruhe und Entspannung, der Freizeit, der Lust sein, aber auch ein Ort des Verbrechens, des Selbsthasses, des verbotenen Hinschauens, der Scham und des Ekels. In der Kunst spiegelt das Motiv des Badens seit der Antike unterschiedliche Vorstellungen vom Körper, von Schönheit, von Verletzlichkeit und Intimität. Sie bildet zeitgenössischen Meinungen über das Baden ab und reflektiert bildlich über die kulturellen Werte, die sich im Badeakt bündeln: Schönheitsideale der Zeit, Hierarchien und Status, Vorstellungen von Schamgefühl, Umgang mit Nacktheit, die Frage nach Sauberkeit und Hygiene, Körperwahrnehmung und -pflege, Religion und Sexualität.


*Links: Anonym: "Philippine Welser" - KHM Mitte: Fransesco Terzio: "Erzherzog Ferdinand II" (um 1550) - KHM Rechts: Tintoretto: "Susanna im Bade" (um 1555/1556) - KHM


Einige der berühmtesten Geschichten aus der Bibel und der antiken Mythologie ranken sich um das Motiv des Badens, so etwa von „Susanna im Bade“, der biblischen Bathseba oder der römischen Jagdgöttin Diana. Momente des verbotenen Hinschauens und des heimlichen Erkennens spielen dabei eine zentrale Rolle. Profane Badeszenen boten den Künstlern seit Albrecht Dürer auch die Möglichkeit, den ansonsten verborgenen weiblichen Körper nackt zu betrachten und darzustellen. In der Moderne befragen Künstlerinnen und Künstler wie Norbert Tadeusz, Joseph Beuys, Fernando Botero, Mary Kelly, Ernst Ludwig Kirchner, Édouard Manet oder Louise Bourgeois bisherige Schönheits- aber auch Moralvorstellungen. Die Intimität der selbstvergessenen Beschäftigung mit dem Körper im Bad führt den Menschen in besonderer Weise zu sich und lässt Reflexionen über die eigene Vergänglichkeit zu. Auch die mit der Nacktheit verbundene Schutzlosigkeit hat Eingang in Bilder gefunden, die Grenzüberschreitungen und Tabubrüche visualisieren.

Hans von Aachen: "David und Bathseba" (1612-1615) - Kunsthistorisches Museum, Gemäldegalerie

Wasser diente jedoch seit jeher nicht nur zur körperlichen, sondern auch zur spirituellen oder moralischen Erneuerung. Es kann den Menschen verwandeln, ihn verjüngen, ihm sogar seine Unschuld zurückgeben. Eingetaucht ins Wasser verliert der Körper seine Schwere und seine Bodenhaftung. In der Taufe, bei der rituellen Fuß- oder Handwaschung reinigt sich der Mensch in seiner körperlich-seelischen Ganzheit. Der Leitgedanke der umfassenden Erneuerung, der sich etwa im Bild des Jungbrunnens ausdrückt, hat bis heute in der Konzeption moderner Wellness-Oasen überdauert und wird ebenfalls künstlerisch reflektiert.

Das Bad der Philippine Welser mit verzinnter Badewanne von 1567 - copyright KHM Schloss Ambras


Schloss Ambras besitzt mit dem sogenannten Bad der Philippine Welser (1527 - 1580), der nicht standesgemäßen Ehefrau von Erzherzog Ferdinand II,  das wohl besterhaltene und -dokumentierte Badezimmer aus der frühen Neuzeit und damit ein einzigartiges Kulturdenkmal, das nicht nur von der hoch entwickelten Badekultur des 16.Jahrhunderts zeugt, sondern im holzvertäfelten Ankleidezimmer mit Fresken von „Diana im Bade“ und dem „Jungbrunnen“ auch von der langen Tradition der künstlerischen Beschäftigung mit dem Bade-Motiv.

° „Splash. Das Bad der Philippine Welser.“ Ausstellung im Schloss Ambras in Kooperation mit dem Osterfestival Tirol, 30. 3. – 30. 6. 2012, täglich 10 – 17 Uhr