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Mittwoch, 19. Mai 2010



Mittwoch, 19. Mai 2010


Mittwoch, 12. Mai 2010 um 11:31:31 von Kulturpool Redaktion

Maria Lactans

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Smartwork Maria Lactans

Maria lactans" bezeichnet das Bildmotiv der stillenden Maria.
Der Bildtypus tauchte bereits in der alten ägyptischen Kultur auf, wo die Göttin Isis den Horusknaben stillt, was symbolhaft für die Fruchtbarkeit stand.

Göttin Isis mit Harpokrates

In Ägypten galt Isis als Göttin der Liebe, als Meersgöttin, als Gottes- und Sonnenmutter.
Forscher halten es für möglich, dass der Marienkult teilweise seinen Ursprung aus dem bis in christliche Zeiten verbreiteten Isis-Glauben hat. Somit dient die Isis-Ikonographie, vor allem „Isis mit dem Horusknaben" (isis lactans) als Vorbild für die späteren Darstellungen der „Maria mit dem Jesuskind".
Die Rundplastik aus der Ägyptischen Sammlung des KHM zeigt Göttin Isis auf einem nicht erhaltenen Thron sitzend und ihrem Sohn Horus die Brust reichend. Sie trägt über der Perücke die Geierhaube. Ihre Krone besteht aus dem Kuhgehörn mit Sonnenscheibe. Der auf dem Schoß seiner Mutter sitzende Horus hat - ebenso wie sie - an der Stirn die Uräus-Schlange. Sie dient als apotropäisches, also Unheil abwendendes, Schutzsymbol. Wie vorhin schon erwähnt wird die Darstellungsform der stillenden Isis mit dem göttlichen Kind in der Forschung als Vorläufer für die im Christentum verbreitete „Maria lactans" mit dem Jesuskind bezeichnet.

Seit dem frühen Mittelalter ist die Darstellung des natürlichen Vorgangs, Mutter und Kind in der innigen Verbindung beim Stillen, in der christlichen Ikonographie durch zahllose Andachts- und Gnadenbilder bekannt. Hier wird die Brustweisung Mariens als klassisches Symbol ihrer Barmherzigkeit verstanden. Im byzantinischen Reich und auch in Westeuropa des 14. und 15. Jahrhunderts wurde dem Bildtypus der „Maria lactans" eine andere Bedeutung beigemessen: Das Christuskind ist Gott, der über die Brust der Mutter mit der Menschheit in Verbindung tritt.

Maria lactans

Eine weitere Interpretation des Bildtypus verweist durch den Akt des Stillens des Jesuskinds auf die tiefe Menschlichkeit der Christusfigur.
Die Miniatur eines Breviers der Universitätsbibliothek Graz (Codex 832) zeigt eine mittelalterliche Darstellung der „Maria lactans". Ursprünglich stammt die Handschrift aus der Klosterbibliothek des Augustiner Chorherrenstifts Seckau, welches 1782 aufgehoben wurde.
Die Federzeichnung zeigt Maria frontal auf einem Thron sitzend in einer Rundbogenarchitektur. Auf ihrem linken Arm hält sie das Jesuskind, welches beinah zu schweben scheint. In der rechten Hand hält Maria einen runden Gegenstand. Sie stillt das Jesuskind, wobei die linke Brust nur durch einen Schlitz im Gewand hervortritt. Ansonsten ist Maria vollkommen bekleidet.

Zwei Zeichnungen von Michelangelo Buonarroti (Caprese 1475 - Rom 1564)und Raffaello Santi (Urbino 1483 - Rom 1520) zeigen Studien zum Thema "Maria lactans" in Feder ausgeführt.

'Maria Lactans' von Michelangelo Buonarroti 'Maria Lactans mit Engeln' von Raffaello Santi

Die linke Zeichnung ist 37,9 x 19,5 cm groß und weist mehrere Fehl-, Falt-, und Bruchstellen im Papier auf, die verklebt, unterlegt und an Fehlstellen nachgezogen wurden. Durch die Beschriftung 'Buonarota' in Kreide kann die Zeichnung Michelangelo Buonarroti zugeschrieben werden.

Die rechte Federzeichnung, 17,6 x 13,7 cm, auf geröteltem Papier weist am rechten unteren Rand die Beschriftung 'Raphael Urb' in Tinte auf.

Mittwoch, 19. Mai 2010 um 10:36:19 von Kulturpool Redaktion

Gustav Klimt im Burgtheater

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Smartwork Gustav Klimt im Burgtheater

1886 wurde die „Künstler-Kompanie", Gustav Klimt, sein Bruder Ernst Klimt und Franz Matsch, beauftragt die beiden Prunkstiegenhäuser des Burgtheaters mit Deckengemälden zu verzieren. Die Arbeiten dauerten bis 1888 und zeigen das Thema „Geschichte des Theaters", welches die Darstellung der Entwicklungsgeschichte von der Antike bis ins 18. Jahrhundert zum Gegenstand hat. Vier der insgesamt zehn Deckengemälde stammen von Gustav Klimt.
Eines der Gemälde der Erzherzogstiege beschäftigte er sich mit der Darstellung des antiken Theaters in Taormina in Sizilien. Die Kaiserstiege behandelt Shakespeares Globe Theater und zeigt die Schluss-Szene aus „Romeo und Julia".
Ebenfalls von Gustav Klimt stammen die Gemälde „Dionysosaltar" und „Thespiskarren".
Das Dionysostheater gilt als die Geburtsstätte der griechischen Theaters der Antike und des Dramas im Allgemeinen. Die Thespiskarren stellen die ersten Wanderbühnen dar und gehen auf Thespis, den ersten griechischen Tragödiendichter, zurück.
Die Albertina zeigt einige Studien für die Deckengemälde des Burgtheaters.

"Kopfstudie eines liegenden Mädchens - zwei Handschuhe" von Gustav Klimt "Kopfstudie eines liegenden jungen Mannes nach links - darunter Kopf im verlorenen Profil nach links" von Gustav Klimt
Zwei davon „Schlafendes Mädchen" und „Kopfstudie eines liegenden jungen Mannes nach links, darunter Kopf im verlorenen Profil nach links" zeigen die Vorzeichnungen für Romeo und Julia.

Mittwoch, 19. Mai 2010 um 10:49:48 von Kulturpool Redaktion

Rubens "Das Haupt der Medusa"

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Smartwork Peter Paul Rubens "Das Haupt der Medusa"

Medusa ist eine Figur der griechischen Mythologie, die in den „Metamorphosen“ des römischen Dichters Ovid seine Erwähnung findet.
Als Tochter der Meeresgottheiten Phorkys und Keto, ist sie eine der drei Gorgonen.
Einst war sie ein schönes Mädchen mit prächtigem Haar, bis sie mit Poseidon in Athenes Tempel schlief und als Bestrafung für die Entweihung des Tempels von Athene in ein geflügeltes Ungeheuer mit Schlangenhaaren verwandelt wurde. Medusa war die einzig sterbliche unter den drei Schwestern und jeder der sie anblickte erstarrte zu Stein.
Perseus, der Medusa besiegte, schaffte dies nur mit Hilfe von Athene, die ihm ein bronzenes Schild, und Hermes, der ihm geflügelte Sandalen borgte, und einer List. Perseus näherte sich der Medusa, indem er nur ihr Spiegelbild im Schild betrachtete und so ihrem tödlichen Blick entkam. In dem Moment als sie einschlief, enthauptete er sie. Perseus floh mit dem Haupt des Medusa und schwebte mit Hilfe der geflügelten Sandalen über die Wüste Libyens, wo die Blutstropfen, die auf die Erde fielen, sich in Schlangen verwandelten. Perseus nutzte anschließend das Haupt der Medusa an einem Schild befestigt als Waffe, da der Blick seine schreckliche Wirkung behielt und seine Feinde versteinerte. Später brachte Perseus das Medusenhaupt Athene, die es an ihr Ägis heftete. Somit wurde das Haupt der Medusa zu einem Apotropäum, einem magischen Zeichen, das Unheil abwehren soll.

"Haupt der Medusa" von Peter Paul Rubens
Die Darstellung Peter Paul Rubens zeigt das Haupt der Medusa mit schmerzverzerrten starren Augen, geöffneten Mund und heraushängender Zunge. Der grausige Realismus in der fahlfarbigen Darstellung des blutleeren Gesichts erinnert an die Besessenen des Rubens-Werkes „die Wunder des Hl. Ignatius von Loyola". Diese Tatsache führte auch zu der Annahme das Medusenhaupt auf 1617/18 zu datieren.

Aus dem abgetrennten Hals der Medusa fließt Blut, welches sich gemäß der Sage in Schlangen verwandelt. Weitere Schlange auf dem Haupt der Medusa winden sich und greifen sich gegenseitig an. Auffällig sind weitere Tiere, wie ein Feuersalamander, Spinnen sowie ein Skorpion, die allesamt giftig und somit Symbole für das Böse sind. Rubens fügte diese Gifttiere ohne literarische Grundlage hinzu und platziert sie in seinem Gemälde isoliert von den Schlangen so als ob er sie bewusst präsentieren wollte.
Weiters ist ein doppelköpfiges hufeisenförmiges Tier dargestellt, welches seine Erwähnung bei Plinius dem Älteren, einem römischen Gelehrten, in seiner „Historia Naturalis" unter dem Namen "Amphisbaena" findet. Rubens war sehr belesen und so kann man davon ausgehen, dass er Plinius Werk in seiner Bibliothek hatte. Die Tiere sind zoologisch korrekt dargestellt und auch das auffällige Verhalten einiger Schlangen kann bei Plinius nachgelesen werden. Beispielsweise, dass die Mutterschlange bei der Geburt stirbt, da die Jungen ihren Leib aufbrechen, sowie dass, die weibliche Schlange nach dem Paarungsakt die Männliche tötet. Beide Szenen zeigt Rubens in der rechten Bildhälfte.

Insgesamt entspricht das Gemälde, das auf 1617/18 datiert wird, stilistisch der Schaffensperiode Rubens in der er sich an der venezianischen Malerei orientierte. Charakteristisch dafür ist ein glatter und genauer Pinselduktus.
Rubens spielt bewusst mit einer Affektsteigerung durch höchste Detailpräzision und düstere Unklarheit und stellt das "Haupt der Medusa" somit in ein ambivalentes Verhältnis zwischen Schönheit und Grausamkeit.

Der niederländische Dichter Constantijn Huygens (1596-1687) beschreibt eine ähnliche und heute verlorene Version des Medusengemäldes von Rubens im Haus seines Freundes Nicolaas Sohier wie folgt: „Auf diesem Bild ist das abgeschlagene Haupt der Medusa abgebildet, umkränzt von Schlangen, die aus ihrem Haar hervorsprießen. Das Gesicht der wunderschönen Frau hat seine Grazie bewahrt, aber zugleich erweckt es Grausen und Abscheu durch den soeben eingetretenen Tod und durch den Kranz von grässlichen Schlangen. Die Kombination ist so raffiniert ausgeführt, dass der Betrachter durch die plötzliche Konfrontation (normalerweise ist das Gemälde nämlich abgedeckt) schockiert wird, aber zugleich gerührt wird durch die Lebensechtheit und die Schönheit, mit der das grausame Thema wiedergegeben ist.“

Das hier angeführte Zitat skizziert die Wirkung des Werkes auch für die heutige Zeit. Auch ohne das plötzliche Lüften eines Vorhangs, welcher das Gemälde verdeckt, berührt Peter Paul Rubens den Betrachter mit seinem Gemälde auf eine unmittelbare und unerwartete Art und Weise.